Film-und Fernsehbranche und die Finanzkrise
„Kleine Medienunternehmen haben an der Börse nichts verloren“

Die ganze Welt wird von der Finanzkrise erschüttert. Aber Herbert Kloiber ist optimistisch, was die Medienbranche angeht. Im Interview erzählt der Filmemacher und Besitzer der Kette Cinemaxx dem Handelsblatt, dass eine Marktbereinigung in der Branche dennoch zu erwarten ist.

Die Finanzkrise erschüttert die Weltkonjunktur. Wie stark ist die Fernsehbranche davon betroffen?

Film und Fernsehen wird weniger betroffen sein als andere Branchen.

Warum?

Unser Rundfunksystem in Deutschland ist ein Hort der Stabilität. Die vielen Milliarden Euro an Rundfunkgebühren werden auch weiterhin fließen. Nur bei einem kompletten Zusammenbruch der Märkte wäre auch unser bisheriges Rundfunksystem davon betroffen.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist aber nur die Hälfte des Marktes. Was ist mit den Privatsendern, die von der volatilen Werbekonjunktur abhängen?

Für 2008 war die Werbekonjunktur mehr oder weniger stabil.

Und was ist mit 2009?

Natürlich wird die Fernsehbranche von der Finanzkrise getroffen - doch weniger stark wie manche in diesen aufgeregten Tagen vermuten.

Sind Sie nicht zu optimistisch? Wer sich die Aktienkurse von Fernsehkonzernen wie Premiere oder Pro Sieben Sat 1 ansieht, bekommt doch derzeit Schüttelfrost.

Beide Unternehmen leiden unter hausgemachten Problemen. Durch die Finanzkrise werden nun die Probleme eine neue Dynamik bekommen. Pro Sieben Sat 1 war schon in die Knie gegangen, bevor die Finanzkrise richtig ausgebrochen ist. Weiter über drei Milliarden Schulden durch einen überteuerten Einkauf der Sendergruppe SBS gepaart mit einem rezessiven Gesamtmarkt sind dafür verantwortlich.

Und bei Premiere?

Auch bei Premiere, einem Unternehmen das noch nie Gewinn gemacht hat, liegen die Probleme weit zurück. Was viele bereits lange gemunkelt haben, hat sich nun als richtig herausgestellt. Die Darstellungsweise der Abonnentenzahlen war zwar sehr spitzfindig, aber nicht richtig.

Wie sieht es in der Filmbranche aus? Wird es für Film- und Fernsehproduzenten künftig noch schwieriger, an frisches Geld von Banken zu kommen?

Die meisten Produktionen werden nicht überwiegend mit Bankdarlehen finanziert. Die wichtige Filmförderung durch den Staat wird zudem nicht so rapide abnehmen, um das Volumen der produzierten Filme wirklich zu negativ zu beeinflussen.

Sie sind seit Jahrzehnten als Fernseh- und Filmproduzent aktiv. Wie sieht es in ihrem Unternehmen aus?

Wir sind in der Lage, Filme zu produzieren, ohne auf Bankdarlehen zurückgreifen zu müssen. Ich glaube nicht, dass die Kreditkrise wirklich in die Filmbranche herüber schwappt. Die Marktbereinigung in der Filmbranche läuft auf vollen Touren. Der britische Fernsehkonzern ITV hat beispielsweise zuletzt den Berliner Fernsehproduzenten Imago gekauft.

Wird sich die Konsolidierung angesichts der Schieflage in der Finanzbranche noch beschleunigen?

Es werden einige Produktionsfirmen, die geglaubt haben das Rad neu zu erfinden, vom Markt verschwinden oder bei einem Konzern andocken müssen. Ich bin beispielsweise sicher, dass die Vivendi-Tochter Studio Canal nach dem Erwerb von Kinowelt weiter im deutsch-französischen TV-Markt expandieren wird.

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