Film und Fernsehen
Straßenfeger verzweifelt gesucht

Auf der L.A. Screenings, der weltweit größten Film- und Fernsehmesse, lassen Senderchefs Jahr für Jahr Millionenbeträge. Experten schätzen, dass allein die Käufer aus Deutschland insgesamt schon mal eine Milliarde Dollar für US-Ware ausgeben. Dieses Jahr ist das aber keine so ganz einfache Aufgabe.

LOS ANGELES. Weit musste Melanie Griffith nicht fahren. Aus dem nahen Beverly Hills ist die 50-jährige Schauspielerin nach Santa Monica, dem noblen Badeort von Los Angeles, gekommen, um mit 1 200 Fernsehsender-Chefs und Filmeinkäufern aus aller Welt den Abend zu verbringen. Sony Pictures, Tochter des japanischen Elektronik- und Unterhaltungskonzerns, gibt ein rauschendes Fest. Polynesische Tänzerinnen mit Baströckchen schwingen die Hüften, während ihre Partner mit Fackeln in der Dunkelheit fuchteln.

Die Fernsehprofis sind vom Südsee-Ambiente begeistert. Ein halbes Dutzend Bars versorgt sie mit exotischen Cocktails. Sony-Pictures-Chef Michael Lynton lässt es sich nicht nehmen, die neuen Filme höchstpersönlich anzupreisen. Alles ist einzigartig, alles ist großartig, lautet seine Botschaft.

Willkommen auf den L.A. Screenings, der weltweit größten Film- und Fernsehmesse. Hier lassen Senderchefs Jahr für Jahr Millionenbeträge. Offizielle Zahlen gibt es zwar nicht, aber Experten schätzen, dass allein die Käufer aus Deutschland insgesamt schon mal eine Milliarde Dollar für US-Ware ausgeben.

Dieses Jahr ist das aber keine so ganz einfache Aufgabe. Aus Deutschland sind ZDF-Programmchef Thomas Bellut, Pro-Sieben-Geschäftsführer Andreas Bartl, Vox-Boss Frank Hofmann und RTL-Chefin Anke Schäferkordt angereist. Alles, was Rang und Namen hat, begibt sich in diesen Tagen auf die Suche nach dem neuen Programm-Superstar – ein mühsames Geschäft. „In dieser Woche sitzen wir bis zu 40 Stunden in den Vorführräumen der Studios, um uns ein Bild über die neuen Serien zu machen“, sagt Anke Schäferkordt. Als Chefin der RTL-Senderfamilie von RTL über Vox bis hin zu RTL 2 ist sie eine mächtige Frau selbst in Hollywood.

Die Bertelsmann-Tochter ist schließlich einer der größten internationalen Kunden der amerikanischen Filmindustrie. Insider gehen davon aus, dass allein RTL mehr als 100 Millionen Euro diesmal in Hollywood für neue Serien und Filme ausgeben will. Da bleibe keine Zeit für Partys oder einen Einkaufsbummel wie in früheren Jahren. „Meine Abende bestehen aus Abendessen, um über Programme zu verhandeln“, erzählt Schäferkordt, die ihre Karriere bei Bertelsmann einst als Controllerin begann.

Zusammen mit RTL-Einkaufschef Dirk Schweitzer geht sie mit den Studiobossen hart zur Sache – hinter verschlossenen Türen. Schließlich ist die Filmmesse wie eine Schatzsuche. Wenn jemand auf Gold gestoßen ist, will er es zunächst keinen wissen lassen und ohnehin am liebsten den Fund für sich behalten.

Zudem soll nicht noch einmal passieren, was Filmhändler Herbert Kloiber vor ein paar Jahren gelang. Er schnappte RTL in Los Angeles ein attraktives Programmpaket mit Harry-Potter-Filmen vor der Nase weg und verkaufte es an die Konkurrenz.

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