Film- und Serienportal Die Welt schaut Netflix

Der Streaming-Dienst wächst ungebremst weiter und lässt Amazon, Apple, Hulu oder Youtube hinter sich. Als Erfolg erweisen sich vor allem Eigenproduktionen. Doch ist der Durchmarsch auf Dauer finanzierbar?
Update: 23.01.2018 - 04:03 Uhr Kommentieren
Die Welt schaut Netflix Quelle: Reuters
Netflix

Der Streaming-Dienst erfreut die Anleger mit starkem Wachstum.

(Foto: Reuters)

San FranciscoMit massiven Kursgewinnen feiert die Wall Street nachbörslich ein Rekordquartal des Streaming-Anbieters Netflix. Die Kundenzahlen in den USA und weltweit stiegen weit stärker als erwartet. Der globale Kundenzuwachs von 8,3 Millionen machte das Weihnachtsquartal „zu unserem größten jemals“, verkündete CEO Reed Hastings im Aktionärsbrief.

Trotz einer leichten Preiserhöhung lag der Kundenzustrom in den USA netto bei Plus 1,98 Millionen, Analysten hatten mit 1,29 Millionen gerechnet. Der Quartalsumsatz von 3,28 Milliarden Dollar und der bereinigte Ertrag pro Aktie von 0,41 Dollar lagen im Rahmen der Erwartungen. Nachbörslich lag der Aktienkurs bis zu 8,8 Prozent höher bei 245 Dollar und damit auf neuem Rekordhoch. Die Börsenbewertung überschritt nachbörslich erstmals 100 Milliarden Dollar.

Zu der Rally trug eine Schätzung für den Abonnentenzuwachs im laufenden ersten Quartal bei, die über den Erwartungen der Analysten lag. Weitere 1,45 Millionen Nutzer werden in den USA erwartet und zusätzliche 4,9 Millionen außerhalb der USA.

Die Anleger scheinen jegliche Vorsicht vor einer Aktie verloren zu haben, die früher berühmt und berüchtigt war für gewaltige Kursausschläge in beide Richtungen. Doch die Gefahren schlummern nicht nur in der hohen Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 227, sondern auch in der Versorgung mit dem nötigen Kapital, um die Kessel unter Dampf zu halten.

Im abgelaufenen Jahr lag der freie Cash Flow bei Minus zwei Milliarden Dollar. Netflix hat schlicht mehr ausgegeben als eingenommen. Für 2018 wird das Minus auf drei bis vier Milliarden Dollar prognostiziert. Das liegt an den teuren Projekten wie Serien und Filme, in die laut Netflix im Schnitt ein bis drei Jahre vor Ausstrahlung investiert werden muss. Steigende Betriebsgewinne und graduell abnehmende Investitionen werden aber letztlich zu einem positiven Cash Flow führen, hieß es im Analystengespräch. Ein Zeitpunkt wurde aber nicht genannt. Im Quartal erreichte das Nettoergebnis 185 Millionen Dollar nach 66 Millionen im Vorjahr.

Doch es gibt keine Alternative. Verliert das Unternehmen aus dem Silicon Valley seine Marktführerschaft bei den jetzt rund 111 Millionen Zuschauern weltweit, bekommt die Konkurrenz Zeit aufzuholen. Insgesamt gibt es Verpflichtungen von über 17 Milliarden Dollar für Lizenzen, Programminvestitionen und Produktionen in den kommenden Jahren. Damit stellt Netflix sicher, dass nur die ganz großen Gegner noch gefährlich werden können. Und das auch nur, wenn die selbst riesige Mengen an Geld in die Hand nehmen, so wie Amazon und zunehmend Apple. Der Marketingetat bei Netflix soll im laufenden Jahr von 1,3 auf zwei Milliarden Dollar wachsen, um das Kundenwachstum zu untermauern.

Zu den Zahlen von Netflix passen Schätzungen von Evercore-Analyst Vijay Jayant. US-Kabel-, Satelliten und Internet-Zugangsprovider wie Comcast haben im vierten Quartal 2017 zusammen über 845.000 Pay-TV-Kunden verloren, schrieb er am Montag in einer Notiz an Kunden. Viele, davon kann man ausgehen, sind jetzt zusätzliche Netflix-Abonnenten.

Das sind die beliebtesten Streamingdienste der Deutschen
Die großen Anbieter
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Amazon Prime oder Netflix sind wohl mit die bekanntesten Anbieter von Video-on-Demand (VoD, Video auf Abruf). Und die entwickeln sich prächtig – zeigt eine Erhebung des Online-Portals „Netzsieger“. Machten die Anbieter 2016 einen Umsatz von 801 Millionen Euro, soll der 2017 noch einmal weiter wachsen: Auf bis zu 945 Millionen Euro. Wer davon am meisten profitiert.

Quelle: Netzsieger

Platz 9: Select Video
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Das Video-on-Demand-Angebot der Vodafone-Tochter Kabel Deutschland liegt auf einem geteilten neunten Platz im Ranking. Der Zugang zum Dienst ist speziell auf Kunden von Vodafone Kabel Deutschland zugeschnitten, die kriegen den Zugang zum Portal bei Vertragsabschluss gratis oben drauf. Ähnlich wie beim ungleich erfolgreicheren Amazon Prime gibt es in der digitalen Videothek dann sowohl kostenfreie als auch -pflichtige Angebote. Bisher schafft es der Netzanbieter aber nur auf zwei Prozent Marktanteil.

Platz 9: Unitymedia
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Auch den anderen neunten Platz nimmt ein Kabelnetzbetreiber ein. VoD-Optionen bietet Unitymedia dabei sowohl über die Unitymedia Videothek, als auch über Kooperationen mit dem Pay-TV-Sender Sky und der Video-Plattform Maxdome an. Der Marktanteil: Ebenfalls zwei Prozent.

Platz 7: Watchever
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Gute Kritiken, ein breites Offline-Programm, Werbung bei „Bild“ und mit Til Schweiger: All das konnte Watchever, dem VoD-Dienst des größten französischen Medienkonzerns Vivendi, nicht retten. Ende 2016 wurde der hoch-defizitäre Dienst, der nur auf drei Prozent Marktanteil kam, eingestellt. Auch zu den angekündigten Eigenproduktionen für das Portal kam es nie.

Platz 7: Videoload
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Ebenfalls auf gerade einmal drei Prozent Marktanteil kommt Videoload – dabei ist das wenig bekannte Portal immerhin das VoD-Angebot der Deutschen Telekom. Das exklusiv in Deutschland verfügbare Angebot arbeitet anders als viele Konkurrenten ohne Abo-Funktion, stattdessen können über das Portal Serien und Filme geliehen oder gekauft werden.

Platz 6: iTunes
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iTunes gehört mit rund acht Prozent Marktanteil zu den beliebtesten VoD-Anbietern Deutschlands – der Apple-Dienst landet damit auf Platz sechs. Auf der Plattform können Filme sowohl gekauft, als auch ausgeliehen werden. Auch Serien bietet iTunes seinen Nutzern an.

Platz 5: Google Play
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Auch Tech-Gigant Alphabet bietet eine eigene Plattform für Medieninhalte: Mit zehn Prozent Marktanteil landet der Google-Dienst auf Platz 5. Zu den Verlierern des Erfolgs der Anbieter von Video-on-Demand gehören vor allem Deutschlands Videotheken: Laut Netzsieger gab es hierzulande 2016 gerade einmal noch 933 Videotheken. Auch die Kinobesucher würden weniger: So reduzierte sich die Zahl der verkauften Kinotickets von 2003 bis 2016 um 32 Millionen.

Es ist das veraltete Geschäft mit TV-Kanälen im Bündel, das immer mehr Amerikanern aufstößt. Die Pay-TV-Betreiber wollen ihre Kunden dazu zwingen, so viele Pakete wie möglich zu abonnieren, nur um in jedem Paket einen ihrer Lieblingssender zu finden. Alle großen Anbieter haben zudem im Januar ihre Preise wieder teils deutlich angehoben, was den Trend zum „Cord Cutting“, zum Kündigen der Pay-TV-Kanäle verschärfen dürfte.

Eine Preisanhebung hat auch Amazon seinen Prime-Mitgliedern verordnet. Der 18-Prozent-Zuschlag soll 300 Millionen Dollar im Jahr in Amazons leere Kassen spülen. Wie Netflix stöhnt der in Prime integrierte Streaming-Dienst unter Milliardeninvestitionen in Filme und Serien.

Ein anderer Aspekt ist allerdings noch unklar in seiner Auswirkung auf Netflix: Donald Trump hat noch im Dezember 2017 die sogenannte „Netzneutralität“ aufgehoben. Demnach wird es den Internet-Providern möglich sein, Zugang zu bestimmten Inhalten zu verteuern oder sogar zu verhindern. Technisch problemlos möglich wäre es, Standard-Internetkunden vom Zugang zu Netflix abzuschneiden und nur gegen Abonnement eines extra „Streaming-Kanals“ wieder freizuschalten. Zahlreiche US-Bundesstaaten wollen gegen die Aufhebung der Netzneutralität klagen. Der Erfolg ist aber ungewiss.

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Einen seltenen Rückschlag für Netflix gab es auch noch im Quartal. Finanzvorstand David Wells räumte Abschreibungen von 39 Millionen Dollar auf Projekte ein, die nicht mehr weitergeführt würden. Details ließ er sich nicht entlocken, aber in den fraglichen Zeitraum fällt der Skandal um Kevin Spacey, der nach Vorwürfen sexuellen Missverhaltens von allen Projekten, unter anderem einer neuen Staffel von „House of Cards“ entbunden wurde.

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