Filmbranche
MGM erwartet kein schnelles Ende der DVD

Die DVD gilt bisweilen als Auslaufmodell. Ihrem Nachfolger, der Blue-ray, soll die Zukunft gehören. MGM sieht das anders. Die DVD werde es noch lange geben. Und die Filmfabrik tut auch einiges dafür, gewährt Sendern zum Beispiel in der Krise Preisnachlässe. Außerdem kündigt MGM für 2011 einen "traditionelleren" Bond-Film an.

DÜSSELDORF. Das Filmstudio MGM ("James Bond", "Valkyrie") prognostiziert trotz aller Unkenrufe kein schnelles Ende der DVD. "Derzeit werden immer noch weniger als 20 Prozent der Umsätze mit dem Herunterladen von Filmen im Internet gemacht", sagte Gary Marenzi, internationaler Fernsehchef von MGM, dem Handelsblatt. Die Kunden sind offenbar in ihrem Kaufverhalten träger als von Hollywood ursprünglich erwartet. "Wir erwarten frühestens in vier bis fünf Jahren, dass die Downloads im Internet den Verkauf von DVDs überflügeln wird", sagt der langjährige MGM-Manager. "Man darf die Sammelleidenschaft der Filmfans nicht unterschätzen." MGM verkauft wie seine Konkurrenten Disney, Warner Bros. oder Universal viele Filme aus dem Archiv in populären Sammelkassetten.

Ein schnellerer Wechsel der Kunden von der DVD zum Herunterladen zum Internet wäre für die Filmbranche vorteilhaft. "Für uns sind die Downloads großartig, denn dadurch sparen wir das Geld für Produktion und Vertrieb der herkömmlichen DVD", sagt der frühere Manager des Filmstudios Paramount offen.

Für Hollywood ist die Auswertung der Filme über DVD und Online von höchster wirtschaftlicher Bedeutung. Denn die Renditen sind in diesem Geschäft traditionell höher als im Kino. Nach Branchenangaben lag im vergangenen Jahr der weltweite DVD-Umsatz auf 20 Mrd. Dollar. Auch in Deutschland läuft das Geschäft mit Bildtonträgern gut. In den vergangenen fünf Jahren verkauften die Studios, aber auch deutsche Produzenten wie Bavaria Film oder RTL, jeweils über 100 Mio. Bildtonträger.

Allerdings sanken nach Angaben des Bundesverbandes Video wegen des harten Preiskampfes die Umsätze leicht um drei Prozent auf 1,29 Mrd. Euro. Die neue DVD-Generation Blu-ray spielt bislang noch eine bescheidene Nebenrolle. "Da der Formatstreit Anfang letzten Jahres beigelegt wurde und die Industrie mittlerweile auch die Engpässe bei der Blu-ray-Produktion beheben konnte, rechnen wir in diesem Jahr mit einem Blu-ray-Jahresumsatz in Höhe von weit über 100 Euro Mio.", sagte Verbandssprecher Oliver Trettin.

Von der pessimistischen Stimmung im Markt will sich MGM unterdessen nicht anstecken lassen. "Wir haben schon vorher Rezession und Währungskrisen durchgestanden", sagt Marenzi. MGM ist das älteste Studio in Hollywood und kam durch häufige Eigentümerwechsel in den vergangenen Jahrzehnten immer mal wieder in Existenznöte. "Es gibt noch keinen Zusammenbruch eines großen Medienmarktes. Das gibt uns Hoffnung", sagt der internationale Fernsehchef.

MGM könnte sogar von der Krise profitieren. Denn die Traumfabrik besitzt mit insgesamt 4100 Titeln die weltweit größte Filmbibliothek und kann daher preisgünstige Programme aus der Vergangenheit anbieten. Doch MGM spürt den Preisdruck und gewährt den Sendern offenbar Rabatte. "Wir pflegen langfristige Beziehungen zu unseren Kunden und sind deshalb auch bereit in einer außergewöhnlichen Situation auch Kompromisse einzugehen", sagt Marenzi und fügt an: "Das Nachgeben der Preise kann aber nur vorübergehend sein."

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