Filmgeschäft
Abu Dhabi goes Hollywood

Das Emirat steckt eine Milliarde Dollar in eine Firma, die zu einem großen Spieler im Filmgeschäft aufsteigen soll.

NEW YORK. Finanzen, Ferrari, Fußball und mehr: Die kunterbunte Einkaufstour des arabischen Emirats Abu Dhabi nimmt rasant Fahrt auf. Um das Investment-Portfolio des superreichen Ölstaates Richtung Glamour zu erweitern, wird jetzt auch der Gang nach Hollywood forciert. Die staatlich kontrollierte Firma Abu Dhabi Media hat angekündigt, mit einer Milliarde Dollar in die Produktion internationaler Filme einzusteigen. Die zu diesem Zweck gegründete Firma "Imagenation Abu Dhabi" soll mit dem fürstlichen Etat in den kommenden fünf Jahren sowohl Kinofilme als auch digitale Inhalte produzieren.

Mit der Zielgröße von acht Filmen pro Jahr werde Abu Dhabi "einer der Top-Produzenten weltweit", sagte Firmenchef Ed Borgerding. Der frühere Walt-Disney-Manager war im März nach Abu Dhabi gelockt worden, um die Investment-Offensive des Golfstaats in führender Rolle zu begleiten. Schon vor einem Jahr hatte das Emirat eine in der Branche viel beachtete Vereinbarung mit dem zu Time Warner gehörenden Hollywoodstudio Warner Brothers geschlossen: Die Scheichs stellten bereits damals eine Milliarde Dollar für amerikanische Filme und Videospiele bereit.

Die Bereiche Entertainment und Medien spielen im Investment-Portfolio Abu Dhabis eine zentrale Rolle. Das kleine Scheichtum, das im Vorjahr knapp 100 Mrd. Dollar an Öl-Umsätzen eingenommen hat, verfügt über die größten Rohstoff-Vorkommen innerhalb der arabischen Emirate. Ähnlich wie Dubai entwickelt auch der Nachbarstaat derzeit zahlreiche Themenparks, um Urlauber sowie Geschäftsleute anzulocken und sich auf die Zukunft nach dem Öl-Zeitalter vorzubereiten. Auf der einen Seite entsteht Dubailand, ein gigantischer Freizeitpark, der auf 280 Quadratkilometern Disney World in Florida wie ein Zwergenbau aussehen lässt. Investitionssumme: 110 Mrd. Dollar. Abu Dhabi baut derweil an einem 40-Milliarden-Komplex namens Yas Island, der unter anderem ein neues Guggenheim-Museum vorsieht sowie einen Ferrari-Themenpark. An dem italienischen Sportwagenhersteller hat die Herrscherfamilie bereits 2005 einen Fünf-Prozent-Anteil erworben.

Auf kurze Sicht sind die bisherigen Investments nicht sonderlich von Erfolg gekrönt. Die staatlich kontrollierte Abu Dhabi Investment Authority steckte im November 2007 mehr als sieben Mrd. Dollar in die wankende Citigroup. Seitdem ist der Aktienkurs des US-Bankenriesen nochmal um mehr als 40 Prozent abgestürzt, weil er mit voller Wucht von der Immobilien- und Kreditkrise getroffen wird. Auch die jüngste Meldung, wonach eine Investmentfirma aus Abi Dhabi für 185 Mill. Euro den britischen Fußballklub Manchester City übernommen hat, löst bei zahlreichen Beobachtern Befremden aus. Sie wird eher dem Bereich Trophäenkauf zugeordnet, wie er bei renommierten Sportadressen gang und gäbe ist.

Bei den Freizeitparadiesen, die derzeit aus dem Wüstensand gestampft werden, stehen ganz andere Summen auf dem Spiel. Bei der Entwicklung dieser Projekte helfen insbesondere US-Größen wie Time Warner und MGM Mirage mit. So lässt sich der Mutterkonzern von Abu Dhabi Media, Mubadala Development, derzeit von MGM ein drei Mrd. Dollar teures Hotel- und Freizeit-Ressort bauen. Auch Time Warner entwickelt in Abu Dhabi Themenparks, Hotels, Kinos sowie ein Filmstudio. Nicht wenige Branchenexperten warnen vor einem Überangebot an Freizeitangeboten, zumal auch in Hongkong, Macau, Singapur, Korea und China immer neue Entertainment-Zentren hochgezogen werden. Florida habe ohne internationale Konkurrenz 30 Jahre gebraucht, um mit seinen Themenparks ein touristischer Anziehungspunkt zu werden, gibt Christian Aaen von der US-Beratungsfirma Economic Research zu bedenken.

Auch das Filmgeschäft gilt seit Jahren als Hochrisiko-Business, das im Zuge der Kreditkrise zudem schwer leidet. Zuletzt haben Viacom und die Deutsche Bank eine geplante Filmfinanzierung über 450 Mill. Dollar zurückgezogen, weil sich keine Investoren für das Projekt finden ließen. Abu Dhabi versucht es fortan auf eigene Faust - und mit eigenem Geld. Daran besteht schließlich kein Mangel. Mit einem verwalteten Vermögen von fast einer Billion Dollar gilt Abu Dhabi Investment Authority derzeit als größter Staatsfonds auf dem Globus.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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