Filmindustrie
Bollywood rettet Hollywood

Bollywood hilft Hollywood aus der Finanzklemme. Der indische Multimilliardär Anil Ambani beteiligt sich mit mindestens 325 Mio. Dollar an dem Filmstudio Dreamworks von Starregisseur Steven Spielberg. Das gab Ambanis Medienunternehmen Reliance Big Entertainment bekannt. Das Joint Venture soll in den nächsten drei Jahren mindestens 15 Filme produzieren.

NEU-DELHI. Dreamworks hatte sich vergangenen Oktober im Streit von der Produktionsfirma Paramount Pictures des US-Medienkonzerns Viacom getrennt. Seitdem suchten Spielberg und seine Geschäftspartnerin Stacey Snider neue Geldgeber für das Studio. Schon früh trat dabei Ambani auf den Plan. Doch die Gespräche über die bisher größte Investition eines indischen Unternehmens in Hollywoods Filmindustrie zogen sich unter dem Eindruck der Finanzkrise in die Länge.

Jetzt ist der Deal nach Aussage der Beteiligten perfekt, auch wenn sie ihn noch nicht offiziell unterzeichnet haben. Er beschert Dreamworks eine Finanzspritze in Höhe von insgesamt 825 Mio. Dollar. Zusätzlich zu Ambanis Beteiligung steuert das US-Medienunternehmen Walt Disney 175 Mio. Dollar bei und erhält dafür weltweit mit Ausnahme von Indien die Vertriebsrechte. An dem Joint Venture halten Dreamworks und Anil Ambani jeweils die Hälfte der Anteile.

Weitere 325 Mio. Dollar kommen als Darlehen von einem Bankenkonsortium. Sollten die Banken die Kreditsumme erhöhen, dann ist auch Ambani bereit, seinen Anteil auf maximal 500 Mio. Dollar aufzustocken. „Die Zusammenarbeit mit Reliance öffnet uns eine neue Tür für die Zukunft“, sagte Spielberg. Ganz oben auf der Agenda stehe ein Filmprojekt auf Basis der Comic-Reihe „Tim und Struppi“. Der alte Dreamworks-Partner Paramount hatte das mehr als 100 Mio. Dollar teure Vorhaben wegen zu hoher Kosten abgelehnt.

Der Einstieg der Inder ist das Eingeständnis, dass Hollywood spätestens seit Ausbruch der Finanzkrise auf ausländisches Geld angewiesen ist. Denn Banken und Investmentfonds, die klassischen Geldgeber der US-Filmindustrie, halten sich extrem zurück. Die Folge sind Massenentlassungen in den großen Studios. Dort wird aufmerksam beobachtet, welche Erfahrungen Spielberg mit dem Geldgeber aus einem der Aufsteigerländer Asiens macht.

Das spektakuläre Geschäft verspricht beiden Seiten Vorteile. Spielberg erhält frisches Geld für seine ehrgeizigen Projekte und kann den Beweis antreten, dass die riskante Trennung von Paramount der richtige Schritt war. Ambanis Unternehmen Reliance Big Entertainment wiederum bekommt mit dem Namen Spielberg eine der zugkräftigsten Eintrittskarten ins internationale Kinogeschäft.

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