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„Financial Times“-Eigner: Pearson kämpft mit sinkenden Gewinnen

Die schwächeren Werbeeinnahmen und öffentliche Sparmaßnahmen haben dem britischen Verlagshaus bereits im vergangenen Jahr zugesetzt. Für 2013 zeigt sich der FT-Eigentümer jetzt ähnlich pessimistisch.

Exemplare der britischen „Financial Times“. Quelle: AFP
Exemplare der britischen „Financial Times“. Quelle: AFP

Frankfurt/LondonDer britische Verlag Pearson rechnet mit einem schwierigen Jahr 2013. Schon im vergangenen Jahr bekam der Eigentümer der renommierten "Financial Times" (FT) die harten Marktbedingungen zu spüren. Der Gewinn schmolz angesichts von Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand und der Werbeflaute dahin.

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Pearson teilte am Montag mit, der Gewinn je Aktie sei 2012 mit 84 Pence geringer ausgefallen als bislang mit 84,9 Pence angekündigt. Im Jahr zuvor waren es noch 86,5 Pence je Papier gewesen. Die offizielle Gesamtjahresbilanz soll am 25. Februar vorgelegt werden.

Die Zeitungskrise

  • Deutschland, Zeitungsland

    Trotz aller Hiobsbotschaften aus der Medienbranche ist Deutschland immer noch ein Zeitungsland: Nach aktuellen Angaben des Bundesverbandes deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gibt es hier 315 lokale und regionale Abonnementzeitungen, 10 überregionale Blätter sowie 8 Straßenverkaufszeitungen, vor allem die „Bild“.

  • Die Auflagen sinken

    Doch die meisten Blätter verlieren von Jahr zu Jahr an Auflage. Im zweiten Quartal 2013 wurden pro Erscheinungstag 20,64 Millionen Tageszeitungen verkauft, wie aus einer Erhebung der IVW hervorgeht. Das sind rund 4 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Darin sind rund 0,38 Millionen E-Paper-Ausgaben enthalten. Bei den Wochenzeitungen zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab: Die verkaufte Auflage sank um rund 20.000 auf 1,73 Millionen Exemplare.

  • Der Werbemarkt schwächelt

    Die sinkende Auflage trifft die Zeitungen gleich doppelt: Zum einen sinken die Vertriebserlöse, wenn die Verlage den Verkaufspreis nicht anheben (was in den letzten Jahren aber viele getan haben). Zum anderen verdienen sie weniger mit den Anzeigen – deren Preis richtet sich nach der Reichweite. Während der Gesamtwerbemarkt 2012 um 0,9 Prozent schrumpfte, verzeichneten die Zeitungen einen Umsatzrückgang von 9,1 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Fürs laufende Jahr erwartet der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft, dass die Verlage maximal eine schwarze Null erreichen.

  • Rubrikenmärkte wandern ins Netz ab

    Mit Kleinanzeigen, Stellenausschreibungen und Autoanzeigen haben die Verlage jahrzehntelang gutes Geld verdient. Doch die Rubrikenmärkte sind weitgehend ins Internet abgewandert – viele der Portale gehören nicht Verlagen, sondern anderen Akteuren. Hier gibt es nur wenige Ausnahmen. Im Online-Geschäft sehr aktiv ist beispielsweise der Axel-Springer-Verlag, ihm gehören das Immobilienportal Immonet und das Stellenportal Stepstone.

  • Digitale Produkte gleichen Minus nicht aus

    Die große Hoffnung auf den Verkauf digitaler Ausgaben hat sich bislang nicht erfüllt. Zwar verkaufen sich E-Paper immer besser, im zweiten Quartal 2013 waren es rund 380.000 Exemplare. Doch das ist zu wenig, um den Rückgang der Printauflage aufzufangen. Die Reichweite der Web-Portale steigt zwar, doch die Werbeeinnahmen gleichen das Umsatzminus nicht aus. Viele Verlage hoffen, mit Bezahlmodellen im Netz mehr Geld zu erwirtschaften.

  • Hoffnung auf die große Reichweite

    „Gedruckt, online und mobil erreichen die Zeitungen aktuell ein Publikum, das so groß ist wie nie zuvor“, erklärt der BDZV. Auf diese Reichweite hoffen die Verleger. Als Chancen nennt der Verband das Digitalgeschäft, aber auch neue Geschäftsfelder wie Aus- und Weiterbildung oder Veranstaltungsmanagement. Allerdings haben viele Verlage mit diversen Sparrunden das Personal stark ausgedünnt – das erschwert die Umsetzung neuer Ideen.

  • Bezahlinhalte als Ausweg?

    Immer mehr Verlage hoffen, mit Bezahlinhalten den Umsatz steigern zu können. Beim „metered model“, das etwa die „Welt“ verwendet, dürfen die Leser nur eine bestimmte Zahl an Artikeln kostenlos lesen – danach müssen sie ein Abo abschließen. Und die „Bild“ stellt nur einen Teil der Artikel kostenlos ins Netz, andere Beiträge bekommen nur zahlende Kunden zu sehen.

Neben geringeren Ausgaben für Bildung in vielen Ländern hätten auch die schwächeren Werbeeinnahmen zu dem Rückgang geführt, hieß es. Bei Pearson erscheinen neben der lachsfarbenen, britischen Wirtschaftszeitung auch Penguin-Bücher. Dieser Bereich soll mit Random House von Bertelsmann verschmelzen.

Pearson befindet sich momentan im Umbruch. Nach 16 Jahren hatte Firmenchefin Marjorie Scardino zuletzt vorzeitig ihren Posten geräumt und den Weg für John Fallon frei gemacht, der bisher die Bildungssparte leitete. Scardino war die erste Frau an der Spitze eines FTSE-100-Unternehmens. Ein Verkauf der FT sei nur über ihre Leiche zu machen, hatte sie stets gesagt.

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Nachdem sie als Nachfolgerin von Scardino nicht zum Zug gekommen war, nahm auch die Chefin der FT-Gruppe, Rona Fairhead, ihren Hut. Seit längerem wird spekuliert, ob sich der Verlag von der FT trennen könnte. Fallon werden nur wenige Verbindungen zur Zeitungsbranche nachgesagt.

Der pessimistische Ausblick hat auch die Aktie in den Keller geschickt. Die Papiere des britischen Verlagshauses rutschten um bis zu 4,4 Prozent auf 1184 Pence ab. Dabei wechselten bis zum Mittag bereits mehr Pearson-Titel den Besitzer als an einem gesamten Durchschnittstag.

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