Finanzgeschäfte
MDR bestreitet Zockerei mit Rundfunkgebühren

Der Mitteldeutsche Rundfunk hat laut Rechnungshöfen mehr als eine halbe Milliarde Euro in riskante Wertpapiere investiert, die in der Finanzkrise an Wert verloren. Der sächsische Rechnungshof kritisiert die Spekulationen. Der MDR betont, dass hierbei keine Gebührengelder verzockt worden seien.

HB LEIPZIG. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) ist wegen Finanzspekulationen in die Kritik geraten. Der MDR bildete Rücklagen in riskanten Wertpapieren, wie eine Sprecherin des sächsischen Rechnungshofs bestätigte. Die Prüfbehörden von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen kritisieren in ihrem Bericht zu operativen Geldgeschäften des Dreiländer-Senders an die Landtage Spekulationen mit „risikobehafteten Geldanlagen“. Demnach hatte der MDR Ende 2005 rund 536,6 Millionen Euro in Fonds angelegt, die mit der Finanzkrise deutlich an Wert verloren.

In einer Stellungnahme wehrt sich der MDR gegen die Vorwürfe. Es seien keine Gebührengeldern „verzockt“ worden. Vielmehr sei die Anlagepolitik in den Jahren 2001 bis 2005 durchaus erfolgreich gewesen. Es sei „nicht ein Euro der Rundfunkgebühren verloren gegangen“, hieß es in der MDR-Mitteilung. Zudem seien die Geldanlagen unverzichtbar, weil sie für künftige Verpflichtungen wie Betriebsrenten und andere Verbindlichkeiten benötigt würden. Der MDR wies den Vorwurf zurück, er habe in „risikobehaftete Geldanlagen“ investiert.

Bereits in den Jahren 2000 und 2002 hatte die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt einräumen müssen, bei Investitionen in ausländische Wertpapiere Mio. eingebüßt zu haben. In dem Bericht des Rechnungshofs, dessen Kurzfassung der AP vorliegt, heißt es jetzt: „Aufgrund der sich seit Mitte 2008 verschärfenden Finanzkrise verzeichnete allerdings auch der MDR erhebliche Bewertungsabschläge auf die in den Fonds gehaltenen Aktienbestände und damit einen deutlichen Rückgang stiller Reserven.“

Die „Bild“ zitiert MDR-Sprecher Stefan Mugrauer mit den Worten: „Gelder werden angelegt, weil sie zur Bedienung zukünftiger Verpflichtungen wie Leasingraten, Betriebsrenten sowie anderer Verbindlichkeiten benötigt werden. Dies ist bei den Landesrundfunkanstalten gängige Praxis.“ Um welchen Betrag sich diese stillen Reserven verringert hätten, habe der Sender trotz Nachfrage nicht erläutert. Der MDR habe aber betont, Abschreibungen auf das Fondsvermögen seien dank der stillen Reserven nicht notwendig gewesen.

Es ist nicht das erste Mal, das der MDR mit Finanzspekulationen Aufmerksamkeit erregt. Schon im Oktober 2000 war ans Licht gekommen, dass die ostdeutsche Drei-Länder-Anstalt bei einem Geschäft mit Ecuador-Anleihen 2,6 Mio. Mark verloren hatte. Im Juni 2002 wurde dann bekannt, dass durch Geschäfte mit Argentinien-Anleihen etwa 9,3 Mio. Euro Verlust entstanden waren.

Seite 1:

MDR bestreitet Zockerei mit Rundfunkgebühren

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%