Finanzielle Situation schlimmer als gedacht
Premiere steckt in einer tiefen Krise

Direkt vor der Versteigerung der Fußball-Bundesliga-Rechte quälen den Bezahlsender finanzielle Sorgen: Der neue Premiere-Chef Mark Williams erwartet im Gesamtjahr einen herben Verlust. Offenbar hat die alte Führungsriege Zahlen geschönt.

MÜNCHEN. Nach dem Eingeständnis künstlich aufgeblähter Abonnentenzahlen geht der Bezahlsender Premiere geschwächt in die Versteigerung der Fußball-Bundesliga-Rechte. „Der Deutschen Fußball Liga kann die Entwicklung nicht gefallen“, hieß es in Branchenkreisen. Schließlich sei Premiere der einzige ernsthafte Bieter für die Pay-TV-Rechte. Ein DFL-Sprecher wollte die Probleme des Bezahlsenders nicht kommentieren. In Branchenkreisen werden nach der drastischen Senkung der Abonnenten-Zahlen von Premiere auch Klagen von Kleinanlegern für möglich gehalten.

Nach der Trennung von Premiere-Vorstandschef Michael Börnicke hatte die neue Führung die Bücher und die Planungen genau unter die Lupe genommen. Dabei zeigte sich, dass die Zahl der Abonnenten deutlich kleiner ist als bisher angenommen. Mehr als 900 000 Karteileichen wurden ausgemistet. Nun kommt der Sender noch auf 2,4 Mill. direkte Abonnenten. „Die Zahlen waren bisher eindeutig geschönt“, hieß es in Branchenkreisen. Mitgezählt wurden bisher zum Beispiel auch Kunden, die noch eine Smartcard haben, die aber keine Zahlungen mehr leisten, weil ihr Abonnement ausgelaufen ist.

Auch finanziell sieht es düsterer aus als von der alten Führung kommuniziert. Der neue Premiere-Chef Mark Williams erwartet im Gesamtjahr einen Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von bis zu 70 Mill. Euro. Als Konsequenz kündigte Premiere „Gespräche mit den Banken über die Restrukturierung von Kreditvereinbarungen“ an. Der Aktienkurs halbierte sich nach Be-kanntgabe der Hiobsbotschaften.

Der neue Premiere-Chef Williams ist ein Vertrauter von Rupert Murdoch, der mit 25 Prozent an dem Bezahlsender beteiligt ist. Unklar ist, wie es nun mit Premiere weiter geht. Die finanziellen Folgen der Neubewertungen seien noch nicht absehbar, hieß es in Branchenkreisen. So sei es vorstellbar, dass sich die Gebühren für Drittsender auf der Premiere-Plattform nach der Abonnentenzahl richten.

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