Finanzinvestoren und russische Konzerne
Zangenangriff auf die Telekom

Seit längerem muss sich die Telekom mit angelsächsischen Finanzinvestoren herumschlagen, die als Anteilseigner mehr oder weniger direkt Einfluss auf die Unternehmensstrategie zu nehmen versuchen. Nun kommen auch noch die Russen hinzu: Nach dem Mischkonzern Sistema bekundet der Konkurrent Alfa Interesse an einem Telekom-Einstieg.

HB MOSKAU/BONN. „Wir sind in Gesprächen mit Vodafone und mit anderen großen europäischen Telekomkonzernen“, sagte der Chef der Telekomsparte von Alfa, Kirill Babaew, der britischen Tageszeitung „The Times“. Die Alfa-Gruppe habe Gespräche mit der Deutschen Telekom und France Telecom angeregt.

Dem Bericht zufolge wollen die Russen einen Anteil von 20 Prozent an Vodafone erwerben. Dazu müssten Alfa eine Summe von rund 15 Milliarden britische Pfund (22,4 Mrd Euro) aufbringen. Ein Sprecher des weltweiten Marktführers der Mobilfunkbranche wies den Bericht jedoch zurück. „Die Geschichte entbehrt jeder Grundlage. Es gibt keine Gespräche mit der Alfa-Gruppe“, sagte er. Von der Telekom liegt bisher keine Stellungnahme vor.

Das Interesse von Sistema an der Telekom war bereits am Mittwoch bekannt geworden: Der russische Mischkonzern will das Bonner Unternehmen offenbar unter seine Kontrolle bringen. Ziel der Russen sei es, einen Anteil von 25 Prozent plus einer Aktie zu erreichen, erfuhr das Handelsblatt aus Banken- und Aufsichtsratskreisen.Die Sperrminorität würde faktisch Sistema die Hauptversammlungsmehrheit an Europas größtem Telekommunikationsunternehmen sichern. Die Telekom würde dann von Moskau aus gesteuert.

Russlands größter Mischkonzern wird seit drei Jahren vom früheren Telekom-Chef Ron Sommer beraten. Gleichzeitig steht er in den Diensten der Investment-Gesellschaft Blackstone, die 4,6 Prozent an der Telekom hält. Blackstone dringt schon länger auf Maßnahmen, um den Aktienkurs der Telekom zu steigern. Würden Sistema und der Finanzinvestor dann zusammenarbeiten, könnten sie wohl selbst einen neuen Aufsichtsratschef durchsetzen. Sommer stünde dafür Branchenkreisen zufolge bereit.

Hedgefonds fordert „Portfolio-Bereinigungen“

Unterdessen forderte der Hegdefonds Laxey Partners die Telekom auf, ihre Strategie grundsätzlich zu überprüfen und dabei einen Verkauf des US-Geschäfts sowie der Immobilienbestände zu untersuchen, In einem Laxey-Schreiben an den Telekom-Aufsichtsrat heißt es, ohne eine unbefangene Prüfung aller strategischen Optionen zur Optimierung des Shareholder Values - einschließlich eines möglichen Verkaufs oder einer Abtrennung von nicht zum Kerngeschäft zählenden Aktivitäten - werde das Management keine signifikante Wertschöpfung erreichen.

Laxey verweist darauf, dass die Telekom-Tochter T-Mobile USA zwar ein „attraktiv“ wachse und das Marktumfeld in den USA nach wie vor günstig sei. Trotzdem spiegele sich der Wert von T-Mobile USA nicht angemessen im Aktienkurs der Telekom wider. Auch seien die Synergien der US-Tochter mit dem Telekom-Konzern nicht „substanziell“. Bei einem Verkauf des US-Geschäfts und der Immobilien würden Mittel frei, die dem Inlandsgeschäft zugute kommen könnten und Management-Kapazitäten freisetzen würden.

Laxey ist nach eigenen Angaben der Telekom beteiligt, verschweigt aber den Umfang. Den Angaben zufolge strebt Laxey einen Sitz im Aufsichtsrat für einen Vertreter der institutionellen Minderheitsaktionäre an.

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