Weil sich die Lage dramatisch zugespitzt hat, werden auch betriebsbedingte Kündigungen beim ORF nicht mehr ausgeschlossen. Bislang läuft ein Stellenabbau-Programm für die nächsten drei Jahre, mit dem durch natürliche Fluktuation insgesamt 250 Stellen wegfallen sollen. Das Unternehmen hat ungefähr 3 400 Mitarbeiter, das entspricht in etwa der Größe des Bayerischen Rundfunks.
Wegen der schlechten Zahlen gerät die ORF-Führung immer stärker unter Druck der politischen Parteien, die in einen starken Einfluss auf den Sender haben. Schon ist in Wien die Rede davon, dass Intendant Wrabetz abgelöst werden könnte oder zumindest einen starken Finanzexperten an die Seite gestellt bekommt. Der Intendant ist selbst ein Mann der Sozialdemokraten (SPÖ), Kritik kommt jetzt besonders aus der wirtschaftsnahen Volkspartei ÖVP.
Der österreichische Rechnungshof hatte bereits im September massive Kritik am Finanzgebaren des ORF geäußert. So kritisierten die Prüfer, dass es bis heute keine klare Gesamtstrategie für den Sender gebe. Der Rechnungshof beklagte außerdem „ineffiziente Organisationsstrukturen“ beim ORF, mögliche Sparpotenziale beim Personal seien nicht genutzt worden. Schließlich bemängelten die staatlichen Rechnungsprüfer auch überhöhte Personalkosten aus alten Arbeitsverträgen, die zum Teil über den marktüblichen Bezahlungen liegen würden.
Wegen der Finanzkrise beim ORF melden sich bereits die ersten Interessen für eine Teilprivatisierung des Senders. So hat die österreichische Raiffeisen-Bankengruppe angedeutet, dass sie sich eine Übernahme des wichtigsten Fernsehkanals ORF 1 vorstellen könnte. „Wir sind für alles offen“, sagte Raiffeisen-Chef Christian Konrad. Die Bankengruppe hält bereits einige Medienbeteiligungen in der Alpenrepublik. An eine Privatisierung ist bisher allerdings noch nicht zu denken, da die politischen Parteien ihren Einfluss beim ORF behalten wollen. Nur bei einer weiteren Zuspitzung der Finanzkrise scheint allenfalls ein Umdenken möglich.