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Finanzkrise: ORF macht riesigen Verlust

Österreichs wichtigster Radio- und Fernsehsender, der öffentlich-rechtliche ORF, ist in eine schwere Finanzkrise geraten. Statt der geplanten 30 Mio. Euro Verlust in diesem Jahr wird sich das Minus jetzt voraussichtlich in Richtung 100 Mio. Euro bewegen – und das bei einem Jahresetat von etwa 950 Mio. Euro.

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WIEN. Im vergangenen Jahr hatte der ORF noch einen kleinen Überschuss erwirtschaftet. Österreichs wichtigster Sender spürt schon jetzt die Auswirkungen der Finanzkrise: Die Erträge aus der klassischen Fernsehwerbung bleiben hinter den Erwartungen zurück.

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Nicht nur die Auswirkungen der aktuellen Konjunkturkrise setzen die ORF-Führung unter Intendant Alexander Wrabetz massiv unter Druck. Der Sender hat schon länger strukturelle Probleme: Die deutschen Privatsender RTL und Pro Sieben erreichen über Satellit inzwischen 80 Prozent der Haushalte in der Alpenrepublik und können landesbezogene österreichische Werbefenster schalten. Dadurch fallen die Werbepreise in Österreich, und dem ORF als Platzhirsch gehen von Jahr zu Jahr Werbeeinnahmen verloren.

Der Wiener Sender schätzt das strukturelle Defizit selbst auf 50 Mio. Euro jährlich, das sind mehr als 15 Prozent der Werbeeinnahmen. Die Rückgänge in der Werbung treffen den Wiener Sender viel stärker als die öffentlich-rechtlichen Konkurrenz in Deutschland: Während ARD und ZDF noch nicht einmal zehn Prozent ihrer Gesamtbudgets aus Werbeeinnahmen decken, sind es in Österreich mehr als 30 Prozent.

Zugleich hat der ORF noch alte Kostenstrukturen aus besseren Tagen, als es keine Privatsender gab. Privatswender sind in Österreich spät eingeführt worden. Das macht das Unternehmen ORF schwerfällig und unflexibel. Eine Gebührenerhöhung zur Jahresmitte hat das Finanzdebakel nicht verhindern können.

ORF-Intendant Alexander Wrabetz verhandelt mit dem eigenen Betriebsrat und der Regierung in Wien, um Einnahmen- und Ausgabenseite zu verbessern. Die Belegschaft soll Zugeständnisse bei Arbeitszeiten und Entlohnung machen, die Regierung soll beispielsweise die Gebührenbefreiung für sozial schwache Haushalte übernehmen. Wrabetz wünscht sich auch eine Verlängerung der Werbezeiten: Bislang gibt es im Fernsehprogramm eine Obergrenze von 40 Minuten pro Tag, der ORF hätte gern acht Minuten mehr. Außerdem sollten die TV- und Rundfunkgebühren jährlich automatisch um zwei Prozent steigen.

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