Finanzvorstand gibt Entwarnung für Freizeitparks
Filmsparte verdirbt Disney das Geschäft

Der Umsatzeinbruch in der Filmsparte belastet Walt Disney. Der amerikanische Medienkonzern sagt für das vierte Quartal, das am 30. September endet, einen Verlust von 250 bis 300 Mill. Dollar voraus. Das gab Finanzvorstand Tom Staggs auf einer Medienkonferenz von Merrill Lynch im kalifornischen Pasadena gestern bekannt.

HB DÜSSELDORF.Staggs räumte ein, dass nicht allein der überfüllte DVD-Markt und der umkämpfte Kinomarkt in den USA Schuld an den Problemen des Unternehmens sind. „Um fair zu bleiben: Das schwierige Ergebnis unseres Studios hat mehr zu tun mit dem ,Erfolg’ unserer Filme als mit der Marktsituation“, sagte er. Nach Angaben des Finanzvorstands sanken die Einnahmen an den Kassen der US-Filmtheater im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um neun Prozent. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres erzielte der Micky-Maus-Konzern in der Filmsparte noch ein operatives Ergebnis von 23 Mill. Dollar.

In den vergangenen Monaten floppten eine Reihe von Filmen. Der von der Disney-Tochter Miramax produzierte Streifen „Die Gebrüder Grimm“ mit Matt Damon kam beim Publikum nicht an. US-Blätter wie die „New York Times“ verrissen das Filmmärchen. Auch die Streifen „Underclassman“, „Great Raid“ und der von der Disney-Tochter Touchstone hergestellte Film „Dark Water“ erfüllten die Erwartungen nicht. Die Anleger reagierten mit Verkäufen auf die Neuigkeiten. Der Wert der Aktie sank um 2,8 Prozent auf 24,11 Dollar.

Mit seinen Flops ist Disney nicht allein. Auch der Konkurrent Dreamworks hat schwer zu kämpfen. Das kleine Studio von Ex-Disney-Manager Jeffrey Katzenberg, Musikmogul David Geffen und Regisseur Steven Spielberg legte mit dem angekündigten Sommerhit „Madagascar“ eine Bruchlandung hin.

Disney bekräftigte unterdessen sein Ziel, im Geschäftsjahr 2005/06 beim Gewinn zweistellig wachsen zu wollen. Finanzvorstand Staggs begründete das mit dem stabilen Fernsehgeschäft (ABC, ESPN, Super RTL, RTL 2). „Serien wie Desperate Housewives und Lost erzielen hohe Quoten“, sagte der Essener Disney-Experte Ernst Wolfhard Eulenbach.

Der Filmkonzern verweist auch auf die Pipeline mit neuen Filmen. Im November kommt der Animationsfilm „Chicken Little“. Im kommenden Sommer startet der zweite Teil „Fluch der Karibik“ und der vom Konkurrenten Pixar kofinanzierte Streifen „Cars“. Für eine positive Stimmung sorgten zuletzt die Freizeitsparks. Der Konzern hatte erst am Montag ein Disneyland in Hongkong eröffnet. Die Amerikaner investierten zusammen mit der Stadt 337 Mill. Euro in den ersten Freizeitpark in China. Für den Heimatmarkt USA gab Finanzvorstand Staggs unterdessen Entwarnung. Es habe keine nennenswerten Stornierungen in den Freizeitsparks nach der Flutkatastrophe von New Orleans gegeben.

Einen Wermutstropfen gibt es aber: Disney will offenbar seine Beteiligung an den geleasten Flugzeugen von Delta Air Lines abschreiben. Der Medienriese hat sich an den Flugzeugen mit 101 Mill. Dollar beteiligt. Die Fluglinie flüchtete am Mittwoch unter den Gläubigerschutz des US-Konkursrechts (Chapter 11).

Micky-Maus-Reich

Abschied: Disney-Chef Michael Eisner hatte nach einer langen Durststrecke zum Abschied gute Zahlen vorgelegt. Für das dritte Quartal meldete der Trickfilm-Konzern einen Reingewinn von 851 Mill. Dollar. Der Umsatz stieg auf 7,47 Mrd. Dollar. Gewinnbringer waren vor allem die Senderkette ABC und der Sportkanal ESPN sowie die US-Freizeitparks.

Neuanfang: Der neue Disney-Chef Robert Iger muss den Mediengiganten neu ausrichten. Disney braucht dringend erfolgreichere Filme und eine Wachstumsstrategie außerhalb der USA. Der gerade eröffnete Themenpark in Hongkong soll nicht der einzige in China bleiben. Iger will nach 2010 einen weiteren Amüsierpark in Shanghai bauen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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