Firmenchef Christoph Mohn setzt auf Bezahldienste
Lycos Europe kämpft weiter mit hohen Verlusten

Der schwarze Labrador, Maskottchen von Lycos Europe, hat Grund zur Freude. Das Internetunternehmen, mehrheitlich im Besitz des Medienriesen Bertelsmann und des spanischen Internetkonzerns Terra Lycos, hat nach Umsatzeinbrüchen in der Vergangenheit im ersten Halbjahr 2004 seinen Umsatz um zwölf Prozent auf 47,64 Mill. Euro gesteigert.

hps DÜSSELDORF. Der Umbau des Unternehmens kommt voran. In den vergangenen sechs Monaten hat Lycos seine Abhängigkeit vom Internet-Werbemarkt weiter abgebaut. Der Anteil der Werbung am Gesamtumsatz sank auf 44 Prozent.

Im Gegenzug steigen die Einnahmen aus Bezahldiensten und Verkäufen auf 29 Prozent. Das Geschäft mit kostenpflichtigen Internetdiensten, E-Commerce und Verkäufen von breitbandigen Internetzugängen (DSL) gilt als margenstark. „Wir sind auf dem Weg in zwei bis vier Jahren 100 Mill. Euro mit Bezahldiensten und E-Commerce zu machen“, sagt Vorstandschef Christoph Mohn. Von den DSL-Vertriebsverträgen mit Partnern wie Yahoo, Bertelsmann und Karstadt-Quelle erwartet sich Lycos einen weiteren Umsatzschub. „Mit den Bezahldiensten erzielen wir Wachstumsraten von 50 Prozent“, berichtet der Sohn des Bertelsman-Patriarchen Reinhard Mohn.

Allerdings schreibt das in zehn europäischen Ländern aktive Unternehmen weiter Verluste. Trotz Umsatzwachstums gelang es Lycos nicht, der Gewinnzone im ersten Halbjahr deutlich wesentlich näher zu kommen. Der Verlust sank nur um drei Prozent auf 26,27 Mill. Euro. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg der Verlust sogar um fünf Prozent auf minus 21,57 Mill. Euro. Zur Erklärung sagte Mohn: „Wir haben unsere Werbeausgaben zur Einführung neuer kostenpflichtiger Dienste deutlich erhöht. Allein die DSL-Kampagne hat vier Mill. Euro gekostet.“

Gleichzeitig schmelzen die Finanzreserven des Unternehmens mit 860 Mitarbeitern. Die liquiden Mittel sanken im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Viertel auf 146,5 Mill. Euro.

Lycos schreibt seit seiner Gründung vor sieben Jahren rote Zahlen. Wann Lycos – das fünftgrößte Internetportal in Europa – die Gewinnzone erreichen wird, darauf will sich Mohn nicht festlegen. Er sagt nur: „Wir rechnen damit, in zwei bis vier Jahren profitabel zu sein.“ Der Kurs notierte gestern um 0,83 Euro. „Er hat noch Potenzial“, gibt sich Mohn sicher. Noch vor einem halben Jahr kostete die Aktie 1,11 Euro. Analysten interessieren sich kaum noch für Lycos. Die letzte Bewertung stammt von Credit Lyonnais. Die Bank empfahl im März 2003, das Papier zu verkaufen.

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