Fliegendes Auto Das Hundert-Millionen-Dollar-Taxi

Lilium Aviation will einen Elektrojet bauen, der senkrecht starten kann. In der zweiten Finanzierungsrunde sammelte das Münchener Start-up 90 Millionen Euro ein. Steht nun die Revolution der Mobilität bevor?
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Berlinec

Die Lilium-Gründer Daniel Wiegand, Matthias Meiner, Sebastian Born und Patrick Nathen (v. l.) neben ihrer Entwicklung. Die Unternehmer haben 90 Millionen Dollar von Investoren eingeworben. Quelle: Lilium
Lilium

Die Lilium-Gründer Daniel Wiegand, Matthias Meiner, Sebastian Born und Patrick Nathen (v. l.) neben ihrer Entwicklung. Die Unternehmer haben 90 Millionen Dollar von Investoren eingeworben.

(Foto: Lilium)

Das fliegende Auto ist einer dieser Träume, die so universell sind, dass auf der ganzen Welt daran gebastelt wird – in kleinen Start-ups und bei großen Unternehmen wie Airbus oder Uber. Investoren wie der chinesische Internetkonzern Tencent oder der britische Investmentfonds Atomico, einer der größten Europas, setzen auf eine Lösung aus Deutschland: Das Münchner Start-up Lilium Aviation bekommt in seiner zweiten, großen Finanzierungsrunde 90 Millionen Dollar, um einen senkrecht startenden Elektrojet zu bauen. Selten hat ein Start-up aus Europa in diesem Stadium so viel Geld eingesammelt. Insgesamt ist Lilium nun mit 100 Millionen Dollar finanziert. Die Hoffnung der Investoren: die nächste Stufe in der Mobilität der Zukunft.

„Wir werden die Art und Weise revolutionieren, wie wir uns in und rund um die Metropolen unserer Welt bewegen“, sagt Lilium-Gründer Daniel Wiegand. Der Elektrojet, von dem Wiegand seit dem Studium träumt, soll – ähnlich wie ein Taxi – an jedem beliebigen Punkt starten und landen können. Menschen könnten von Haus zu Haus fliegen. Straßenverkehr und Luftverschmutzung würden reduziert. Für den Anfang soll ein Pilot mit an Bord sein, später soll das Lufttaxi dann nur noch vom Boden aus gesteuert werden, und irgendwann ganz autonom fliegen.

Bis dahin müssen noch diverse Hürden genommen werden, technologisch wie bürokratisch. Der Prototyp hat im April den ersten Testflug absolviert, vorerst aber noch unbemannt. Ein ähnliches Projekt, der Volocopter aus Karlsruhe, an dem unter anderem Daimler beteiligt ist, scheint da schon weiter zu sein: In Zusammenarbeit mit der staatlichen Verkehrsbehörde in Dubai soll der Volocopter Ende 2017 in den Testbetrieb gehen.

Technologisch haben die Münchner das anspruchsvollere Produkt: Der Jet von Lilium ist das erste Flugtaxi, das senkrecht starten kann wie ein Hubschrauber, aber dann nahtlos in den Vorwärtsflug übergeht. Im Vorwärtsflug wird – wie bei einem Flugzeug – die Luft unter den Tragflächen als zusätzliche Triebkraft genutzt. Dadurch verbraucht der Jet weniger Energie. Er soll mit nur einer Ladung eine Stunde lang fliegen können und 300 Kilometer pro Stunde schaffen. Damit könnte das Flugzeug Städte oder Dörfer miteinander verbinden, die bislang nur mit dem Auto erreichbar sind.

„Für schlecht entwickelte Regionen mit unzureichender Straßeninfrastruktur, aber auch für die entwickelte Welt mit hohem Verkehrsaufkommen und entsprechender Belastung ergeben sich neue Möglichkeiten, sobald der bequeme tägliche Flug eine Option für uns alle wird“, sagt David Wallerstein, Chief Exploration Officer von Tencent. Die Chinesen sind neu bei Lilium eingestiegen, genauso wie die Liechtensteiner Privatbank LGT. Die erste große Finanzierungsrunde hatte Atomico gestemmt, der Fonds von Skype-Gründer Niklas Zennström. In der Frühphase wurde Lilium von Freigeist unterstützt, so heißt seit neuestem die Finanzierungsgesellschaft von Fernseh-Juror Frank Thelen.

Mit dem Geld aus der Finanzierungsrunde soll das Team, das derzeit aus 70 Mitarbeitern besteht, noch einmal deutlich aufgestockt werden. Der erste Prototyp, ein Zweisitzer, soll um einen Fünfsitzer ergänzt werden und nach Aussage von Wiegand möglichst bald in den kommerziellen Betrieb gehen. Ein großer Traum.

Das sind die Flugzeuge der Zukunft
FanWing
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Das Bild zeigt die Computerillustration eines „FanWing“-Flugzeugs. Das neue Fluggerät ist eine Mischung aus Hubschrauber und Flugzeug. Es wird von großen Ventilatoren angetrieben, die gewaltige Luftmassen unter die Tragflächen befördern. E ist leise, sparsam und braucht nur eine extrem kurze Startbahn.

Volocopter
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Ende 2013 hob der Volocopter erstmals zu seinem Jungfernflug ab. Der unbemannte Elektro-Senkrechtstarter wird von Elektromotoren angetrieben und per Joy-Stick oder Autopilot gesteuert. Statt eines Propellers, wie beim einem Helikopter, ist er mit mehreren ausgestattet. Langfristig sollen in dem Fluggerät zwei Personen transportiert werden können.

Clip-Air
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Fliegen geht schneller als Zugfahren. Doch ehe ein Reisender im Flieger sitzt und die Reise wirklich losgeht, vergehen Stunden in Warteschlagen und vor dem Boarding. Dass das Fliegen genau so komfortabel wird, wie das Zugfahren, ist das Ziel eines Schweizer Forscherteams. Dazu haben sie eine Art Luft-Lok an der einzelne Passagier- oder Logistik-Wagen angehängt werden können. Der „Überflügel"“ enthält den Motor, das Cockpit, den Treibstoff und auch das Ausfahrgestell zur Landung. Und die einzelnen Wagen könnten die Reisenden theoretisch überall besteigen. Zum Beispiel auch an einem Bahnhof.

Flynano
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Der finnische Luftfahrtingenieur Aki Suokas hat ein Ein-Mann-Wasserflugzeug aus Karbon entwickelt. Weil es leichter ist als 70 Kilogramm, wäre es theoretisch auch ohne Pilotenschein zu fliegen. Das bis zu 140 Kilometer pro Stunde schnelle Gerät schafft maximal 70 Kilometer Reichweite.

Nurflügler
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So könnte das Passagierflugzeug der Zukunft aussehen: Das Konzept für den Nurflügler wurde im Rahmen des EU-Projekts NACRE (New Aircraft Concepts Research) entwickelt. Bisher ist die Technik vor allem aus dem Militär bekannt. Bereits 1903 entwickelte der Österreicher Ignaz „Igo“ Etrich das erste Flugzeug dieser Art nach dem Vorbild eines Flugsamens.

Solar Impulse
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Das Schweizer Solarflugzeug Solar Impulse ist das aktuelle Projekt des Schweizer Luftfahrtpioniers Bertrand Piccard. Das Flugzeug zieht seine Energie ausschließlich aus Sonnenenergie. Dafür sin Solar-Paneele auf den Flügeln angebracht. Um zu zeigen, dass das Projekt funktioniert, plante Piccard in diesem Jahr einen Flug um die Erde. Wegen technischer Probleme muss der Solarflieger derzeit eine Zwangspause auf Hawaii einlegen..

Spike Aerospace
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Reise für Reiche: Ein Startup aus Boston entwickelt derzeit den Überschall-Privatjet Spike Aerospace. Damit soll die Flugzeit von New York nach London nur noch drei Stunden dauern. Die gigantischen Panorama-Fenster bestehen aus Displays auf denen das, was draußen vorbei zieht, übertragen wird. Wer schlafen möchte, kann die Bildschirme abdunkeln. Angeblich sollen die Flieger bereits 2018 an den Start gehen.

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6 Kommentare zu "Fliegendes Auto: Das Hundert-Millionen-Dollar-Taxi"

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  • 90 Millionen sind gut für die letzten Ferien aber für die beschriebenen Taxis reicht das nicht.

  • Cargo-Lifter lässt grüssen!
    angesichts dieser irren Summen tut mit das Team vom Cargolifter im Nachhinein leid, gescheitert zu sein. Diese Idee war mindestens genauso gut und ebenso realistisch.
    Wer zu früh kommt, der geht leider pleite. Tesla konnte entstehen, weil Kapazität und Leistungsgewicht der Laptop-Batterien den Bau eines Elektroautos ermöglichten. Dieses Fenster sehe ich für Flugzeuge auf absehbare Sicht noch nicht. Noch wichtiger ist die Fähigkeit ohne Pilot oder mit Herrn und Frau Jedermann als Pilot einen sicheren Betrieb zu gewährleisten.
    Wenn Autos einmal wirklich sicher autonom fahren, kann man wieder seriös darüber nachdenken. Denn einfacher als das, wird es in der Luft bestimmt nicht.

  • Liebe Journalisten,

    recherchieren Sie doch mal in der Technik Community. Hier wird über Lilium und diese PR Nummer gelacht. Die Energieeffizienz der weltweit besten Batterie Technologie müsste um den Faktor 100 gesteigert werden, so dass dieses Flugzeug relevant lange in der Luft bleiben kann. Die kleinen Rotoren machen es physikalisch unmöglich, mit den bestehenden Technologien mehr als 3-4 Minuten in der Luft zu bleiben. Das ist das fundamentalste Problem.

    Frank

  • @Herr Martin Wienand, 05.09.2017, 12:32 Uhr

    "Überall die Dinger in der Luft. Sie werden nie wieder ungestört spazieren oder wandern gehen können. Ein Albtraum."

    Och, in der Luft ist doch jetzt schon jede Menge los. Das Problem liegt für mich eher darin, dass ich mir keine 100 Millionen für ein Taxi leisten kann.

    Aber bekanntlich sinken die Preise mit der Marktdurchdringung. Die natürlich voraussetzt, dass das Produkt/das Konzept/die Strategie sich durchsetzen konnten. Und das wiederum hängt natürlich von deren (nachhaltiger) Überzeugungskraft ab.

  • Überall die Dinger in der Luft.

    Sie werden nie wieder ungestört spazieren oder wandern gehen können.

    Ein Albtraum.

  • Das ist doch mal ein Projekt mit Zukunft , zumal unsere Straßen sowieso verrottet sind und man sich damit die Erneuerungen dieser, sparen kann . Also alle Investitionen auf „Zukunft“ !
    Das Problem Fliegen ohne Pilot ist doch längst gelöst ! Es geht doch nur noch um die nötige Energiezufuhr !-

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