Förderung der Branche in Russland
Verlage kämpfen gegen zu hohe Papierpreise

Die großen deutschen Zeitungshäuser wollen beim Papier unabhängiger von den skandinavischen Konzernen werden. Der Medienkonzern Axel Springer („Welt“, „Bild“), die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck („Handelsblatt“, „Zeit“), die WAZ und Madsack („HAZ“) beabsichtigen daher, den Aufbau einer Papierindustrie in Russland zu fördern.

DÜSSELDORF. Am Mittwoch reist eine Delegation des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) unter Leitung des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft nach Moskau, um mit Unternehmen und der Regierung über eine neue Zeitungspapierfabrik mit einer Jahreskapazität von rund 300 000 Tonnen zu sprechen.

Ziel der Gespräche ist es, entweder eine komplett neue Fabrik in Moskau zu bauen oder eine bestehende Papierfabrik um eine neue Maschine zu erweitern. An den Gesprächen nehmen der Papiermaschinenhersteller Voith und die mit Papierfabrikprojekten erfahrene MAN Ferrostaal teil.

Den Verlegern sind die steigenden Papierpreise ein Dorn im Auge. Ziel ist es, das Quasi-Monopol der Skandinavier zu brechen. „Die Papierhersteller wollen offenbar eine zweistellige Preissteigerung durchsetzen. Sie treten mit ähnlichen Preisangeboten und den gleichen Formulierungen an“, kritisiert Bodo Hombach, Geschäftsführer des Essener Zeitungskonzerns WAZ. „Die Preise der Lieferanten weichen nur zwischen ein und eineinhalb Prozent ab“, berichtet Michael Grabner, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck.

Nach Angaben von Beteiligten könnte eine Fabrik in Russland bereits in einem bis eineinhalb Jahren einsatzbereit sein. Die Verlage wollen sich allerdings nicht an einer russischen Papierfabrikation beteiligen. „Investieren werden andere müssen. In Russland ist für ein solches Projekt genügend Geld, da sind wir bei guter Qualität Abnehmer“, sagte Hombach. Die Aufbau einer leistungsfähigen Papierherstellung kostet nach Angaben von Insidern bis zu 500 Mill. Euro.

Bei der Reise nach Moskau geht es den Medienhäusern darum, möglichst schnell eine Papierfabrik in Russland für den deutschen Zeitungsmarkt aufzubauen. „Grundsätzlich engagieren sich die Russen viel zu wenig in der Papierherstellung“, bestätigt Michael Harms, Mitglied der Geschäftsführung beim Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft. „Wir brauchen Alternativen. Die Reise nach Russland soll für Bewegung im Markt sorgen“, sagte Holtzbrinck-Vize Grabner. WAZ-Chef Hombach führte bereits Gespräche in Moskau. Die Russen hätten gemerkt, dass es in ihrem elementaren Interesse liege, ihre Rohstoffe selbst zu verarbeiten und zu vermarkten, sagte der frühere SPD-Politiker.

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