Formel1-1Übernahme
Murdoch auf den Spuren von Leo Kirch

Medienunternehmer Murdoch will mit dem Kauf des Auto-Rennsports seine Bezahlkanäle in Europa stärken. Hans-Peter Siebenhaar FORMEL 1 Auf den Spuren von Leo Kirch
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Wenn Sebastian Vettel beim Großen Preis der Türkei die waghalsige 640 Meter lange Vollgas-Kurve mit 270 Stundenkilometern nimmt, zittern wieder Millionen vor den Bildschirmen. Nach Fußball ist Formel 1 noch der große Massenmagnet im europäischen Fernsehgeschäft.

Medientycoon Rupert Murdoch und sein Sohn James kennen die Mechanik des TV-Business. Zusammen mit der Fiat-Gründerfamilie Agnelli nehmen sie Anlauf, die Formel 1 vom Finanzinvestor CVC zu übernehmen. Alles ist noch in einem sehr frühen Stadium. Nur so viel ist klar: In der Formel 1 kündigt sich eine Zeitenwende an.

Der Rennsport ist in die Jahre gekommen. Noch zahlen die Fernsehsender für die Übertragungsrechte horrende Summen. Doch der Glanz der Formel 1 verblasst. Zu viel Routine, zu viel Rituale. Dem Zirkus um Red Bull, Ferrari & Co. fehlen zunehmend junge Zielgruppen. In Istanbul ist beispielsweise das Formel-1-Fieber bislang völlig ausgeblieben. Mit nur 28 000 Besuchern war der Bosporus-Wettbewerb bereits im vergangenen Jahr eine herbe Enttäuschung für Medien und Autokonzerne. Dem durch angebliche Korruptionsskandale geschwächten Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone ist ohnehin die Kreativität abhandengekommen.

Die Murdochs könnten zusammen mit den Agnellis der Formel 1 endlich eine Verjüngungskur verpassen. Für ihren Medienkonzern News Corp. wäre die Übernahme der Königsklasse ein lukrativer Coup. Dann hätten die Murdochs die gesamte Wertschöpfungskette des Fernsehgeschäfts in der Hand. Mit dem Kauf des Autorennsports wären sie in der Lage, ihre Bezahlkanäle in Großbritannien, Italien und Deutschland nachhaltig zu stärken. Vor allem der Dauer-Verlustbringer Sky in München braucht dringend mehr exklusive Rechte, um die Zahl der Abonnenten zu steigern. Als Eigner könnte Murdoch dann nach Gutdünken die TV-Rechte vergeben. Noch aber überträgt RTL gratis die Rennen. Der große Big Bang für Sky Deutschland blieb daher bislang aus.

Das Spiel um die Formel 1 ist brandgefährlich. Mit ihrem Übernahmeplan wandeln die Murdochs auf den Spuren von Leo Kirch. Der Medienmogul aus Franken war einst nicht nur Herrscher über Bezahlsender wie Premiere (heute Sky) und Kanäle wie Pro Sieben und Sat 1, sondern auch Miteigentümer der Formel 1. Kirch glaubte, in einem Sport, in dem Vollgasgeben eine Dauerbeschäftigung ist, eine Schlüsselrolle spielen zu können. Doch schon bald trug es ihn aus der Kurve. Das Ergebnis: Totalschaden.


Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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