Foxconn übernimmt Sharp Hickhack um Übernahme des japanischen Elektronikriesen

Der Apple-Zulieferer Foxconn kann den angeschlagenen japanischen Elektronikkonzern Sharp übernehmen. Japans Regierung hatte vergeblich versucht, den Deal zu verhindern. Doch nun ist Foxconn wohl doch das Risiko zu groß.
Update: 25.02.2016 - 14:29 Uhr
Der japanische Elektronikkonzern Sharp ist angeschlagen. Quelle: Reuters
Sharp

Der japanische Elektronikkonzern Sharp ist angeschlagen.

(Foto: Reuters)

TokioDer taiwanische Apple-Partner Foxconn hat den Übernahme-Poker um den angeschlagenen japanischen Elektronikkonzern Sharp gewonnen. Der in Osaka ansässige Konzern teilte am Donnerstag offiziell mit, das Angebot von Foxconn über rund sechs Milliarden Dollar (5,4 Milliarden Euro) anzunehmen. Ein solcher Sieg eines ausländischen Investors in Japan ist selten.

Der Deal wäre die größte Übernahme eines japanischen Elektronikkonzerns durch ein ausländisches Unternehmen. Der japanische Staat hatte mit Hilfe eines Fonds noch versucht, eine Übernahme von Sharp durch einen ausländischen Konzern zu verhindern. Doch offenbar steht der Deal noch auf wackeligen Füßen: Die Unterzeichnung des Vertrages mit Sharp sei aufgeschoben, „bis ein Konsens erzielt ist“, teilte Foxconn am Donnerstag in Taiwan mit. Als Grund wurden neue Informationen über mögliche Risiken angeführt. Insidern zufolge tauchten Schulden in Milliardenhöhe auf, die bislang nicht bekannt waren. Daraufhin legte Foxconn das Geschäft auf Eis, wie mit dem Vorgang vertraute Personen sagten. Die Taiwaner selbst erklärten, erst dann die Unterschrift unter das Geschäft zu setzen, wenn alle Fragen gelöst seien. Sharp lehnte eine Stellungnahme ab.

Sollte das Geschäft zustande kommen, wäre es die bislang größte Übernahme eines japanischen Technologiekonzerns durch einen ausländischen Investor. Insidern zufolge wollen die Taiwaner umgerechnet 5,3 Milliarden Euro investieren. Mit dem Kauf würde Foxconn, das an Taiwans Börse unter dem Namen "Hon Hai Precision" gelistet ist, seine Position als wichtigster Apple-Zulieferer.

Vorgesehen ist eigentlich, dass der Apple-Auftragsfertiger neue Aktien von Sharp im Wert von 484 Milliarden Yen (rund 3,9 Milliarden Euro) übernimmt. Zudem wollen die Taiwanesen Vorzugsaktien von Sharp, die von dessen Gläubigerbanken gehalten werden, für weitere rund 100 Milliarden Yen kaufen. Bei einer erfolgreichen Übernahme würde Foxcoon künftig rund 70 Prozent der Anteile an Sharp halten.

Die Aktien von Sharp schlossen nach Bekanntgabe der einstimmigen Entscheidung des Vorstands zugunsten von Foxconn um 14,4 Prozent niedriger. Experten in Tokio hatten lange den von der japanischen Regierung gestützten Fonds Innovation Network Corporation of Japan (INCJ) als Favoriten in dem Übernahmekampf angesehen.

Der INCJ wollte rund 2,5 Milliarden Dollar in die Sanierung des angeschlagenen Elektronikunternehmens investieren. Zudem hatte der INCJ im Gegensatz zu Foxconn geplant, das angeschlagene LCD-Geschäft vom Rest des Sharp-Konzerns zu trennen und es mit dem heimischen Unternehmen Japan Display zu fusionieren, wie Medien berichteten.

Der Kampf zwischen Foxconn und dem Fonds war von Experten als Test für Japans Bereitschaft angesehen worden, seine Wirtschaft zu öffnen. Japans Regierungschef Shinzo Abe hatte Reformen versprochen und um ausländische Investitionen geworben, um die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Angeschlagene japanische Konzerne konnten sich lange darauf verlassen, von der Regierung und den Banken gestützt zu werden.

Sharp war ein Pionier bei flachen LCD-Bildschirmen, geriet in den vergangenen Jahren jedoch durch koreanische und chinesische Konkurrenz bei Bildschirmen für Fernseher und Smartphones massiv unter Druck. Nach hohen Verlusten stand zeitweise sogar der Fortbestand des Unternehmens infrage.

Von Plasmaclustern und Teemaschinen
Smartphones
1 von 8

Sharp liefert nicht nur Displays an Apple, sondern baut auch selbst Smartphones. Mit Super-Zeitlupe, Sharps bestem Display und manchmal wasserdichtem Design treten sie vor allem mit dem iPhone in Konkurrenz, sind aber auch dort unterlegen. 

Tablets
2 von 8

Sharp hat bereits eine lange Tablet-Geschichte, stellte sich aber oft selbst ein Bein. Als das Unternehmen seinen ersten iPad-Konkurrenten auf den Markt brachten, bestanden die Macher darauf, dass es sich nur um einen farbigen eBook-Reader handele. Das Gerät war kein Erfolg. Auch das neue AQUOS PAD SH-05G dürfte ein Nischenprodukt bleiben

Plasmacluster
3 von 8

Ein Hit des japanischen Herstellers sind Luftreiniger, die durch die Ionisierung von Luft Staub binden und Viren töten sollen und so zum Beispiel in Krankenhäusern eingesetzt werden können. Es gibt sie als Standgeräte, eingebaut in Klimaanlagen oder auch mobile Ionenschleudern für den Schreibtisch oder zum Umhängen um den Hals.

Solarzellen
4 von 8

Bevor der Solarboom in Deutschland begann, waren die Japaner mal einer der größten Solarzellenhersteller der Welt. Inzwischen rangiert der Konzern unter ferner liefen. Und die einst gefeierte Pioniersparte ist ein weiterer Mühlstein um Sharps Hals. Im Bild ist ein Arbeiter in einer Sharp-Fabrik in Sakai im Westen Japans zu sehen.

Fernsehgeräte
5 von 8

Das größte Problem ist zugleich Sharps größter Erfolg: Der Pionier der Flach-TVs hat den Preiskampf gegen südkoreanische und chinesische Hersteller verloren.

Haushaltsgeräte
6 von 8

Sharp ist in Japan auch ein wichtiger Hersteller von Haushaltsgeräten. Kombinierte Mikrowellen-Backofen-Herde zum Stellen der Healsio-Reihe sind ein Bestseller. In Japan gibt es kaum eingebaute Öfen, sondern sie werden nachträglich in den Küchenschrank gestellt. Im Bild Sharps Staubsaugerroboter „Cocorobo“.

Teemaschine
7 von 8

Die Japaner haben von Nestlés Kaffeemaschine gelernt. Mit den Kaffeekapseln für die Nescafé-Maschinen verdienen sich die Schweizer dumm und dösig. Sharp will ähnliches nun mit einer Maschine für grünen Tee kopieren. 

In den ersten neun Monaten des noch bis zum 31. März 2016 laufenden Geschäftsjahres verbuchte Sharp unter dem Strich in Folge erhöhter Umstrukturierungskosten einen Verlust von 108,3 Milliarden Yen. Dennoch hält das Unternehmen an seiner Prognose für das Gesamtgeschäftsjahr fest und geht weiterhin von einem operativen Gewinn von 10 Milliarden Yen aus.

Foxconn verspricht sich von einer Übernahme von Sharp nach Ansicht von Branchenkennern eine Diversifizierung seines Geschäfts. Sharps Bildschirm-Technologien könnten den Taiwanesen helfen, in die Produktion von lukrativen High-End-Komponenten vorzustoßen. So plant Sharp eine Fertigungslinie für OLED, der nächsten Generation von Lichtdioden. Produzierte Foxconn bislang die meisten von Apples iPhones und lieferte Komponenten wie Metallgehäuse, will Foxconn laut Medien künftig auch Bildschirme für das iPhone liefern, was höhere Gewinnmargen abwirft. Mit Sharp übernimmt Foxconn einen von Apples Lieferanten von Bildschirmen fürs iPhone - und wäre so im Geschäft.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Foxconn übernimmt Sharp - Hickhack um Übernahme des japanischen Elektronikriesen

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%