Fragwürdige Geschäftspraktiken vorgeworfen
Japan verwarnt Intel wegen unfairer Rabatte

Der weltgrößte Chip-Hersteller Intel ist von der japanischen Wettbewerbsbehörde FTC wegen unfairer Geschäftspraktiken verwarnt worden.

rtr TOKIO. Die EU-Wettbewerbsbehörde sprach von ähnlichen Verdachtsmomenten. Der US-Chiphersteller widersprach den Vorwürfen. Nach Überzeugung der Behörde hat Intel seit 2002 fünf japanischen Computerherstellern Sonder-Rabatte gewährt, solange diese keine oder nur eine beschränkte Zahl von Halbleitern der Intel- Konkurrenten Advanced Micro Devices und Transmeta kauften. „In diesem Fall hat ein Unternehmen mit einer beherrschenden Marktstellung Konkurrenten verdrängt. Es hat Geschäfte mit fünf führenden PC-Herstellern unter der Bedingung getätigt, dass diese keine Chips der Wettbewerber nutzen“, sagte ein Sprecher der FTC am Dienstag.

Die an den japanischen Unternehmenszweig von Intel gerichtete Warnung sei nicht mit einer Geldstrafe verbunden, teilte die Behörde mit. Der Konzern habe nun die Wahl, bis zum 18. März die Warnung anzufechten oder diese zu akzeptieren und seine Geschäftspraktiken zu ändern.

Intel beteuerte dagegen, seine Geschäftspraktiken seien fair und entsprächen den gesetzlichen Regeln. Der Konzern zeigte sich besorgt, die Ermittlungsergebnisse der FTC basierten womöglich nicht auf den weltweit anerkannten Wettbewerbs-Prinzipien. „Intel glaubt weiter, dass seine Geschäftspraktiken sowohl fair als auch gesetzeskonform sind“, sagte ein Sprecher von Intel Japan in Tokio. „Es gibt einen breiten Konsens, dass die Wettbewerbsbehörden nur dort intervenieren sollten, wo es Anzeichen für Schäden für die Verbraucher gibt“, sagte er. Es sei offensichtlich, dass FTC diese wichtigen Prinzipien nicht ausreichend berücksichtigt habe.

Der Konkurrent AMD wirft Intel dagegen vor, seine Marktmacht illegal eingesetzt zu haben, um Innovationen zu blockieren und den Verbrauchern die Freiheit zu nehmen, zwischen verschiedenen Angeboten auszuwählen. „Wir ermutigen die Regierungen weltweit, sicherzustellen, dass ihren Märkten nicht entsprechender Schaden zugefügt wird“, sagte ein AMD-Sprecher.

Der Intel-Anteil am japanischen Markt für Prozessoren (CPU) stieg 2004 auf 87 Prozent von 73,2 Prozent 2002, während sich der AMD-Anteil in diesem Zeitraum auf 10,4 Prozent halbierte. Die dominierende Position von Intel beschäftigt seit geraumer Zeit auch die europäischen Wettbewerbshüter. „Wir arbeiten mit den japanischen Behörden zusammen. Wir führen ähnliche Ermittlungen wegen der Geschäftspraktiken von Intel“, sagte der Sprecher der EU-Kommission, Jonathan Todd.

Im Juni vergangenen Jahres hatte die EU nach Angaben aus mit der Materie vertrauten Kreisen ihre drei Jahre alten Kartell-Untersuchungen gegen Intel wieder aufleben lassen, nachdem AMD der Kommission neues Material über das Verhalten von Intel zugespielt habe. Die Verwarnung ist die zweite dieser Art. Im vergangenen Juli hatte die Behörde den weltgrößten Softwarekonzern der Microsoft wegen wettbewerbsschädigenden Verhaltens verwarnt.

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