Frankfurter Buchmesse
Die große Show des Ken Follett

Früher gab es schlichte Lesungen, um für Bücher zu werben. Heute sind es multimediale Events. Der britische Bestseller-Autor Ken Follett bringt den neuen Trend jetzt auch auf die Frankfurter Buchmesse. Der Erfolg seiner Bücher gibt dem Perfektionisten Recht.
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DÜSSELDORF. "Meet & Greet" heißt das Angebot für Amazon-Kunden: Fünf Gewinner eines Preisausschreibens treffen Ken Follett diesen Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse. Sie nehmen an der internationalen Pressekonferenz teil, wenn der Star aus Großbritannien sein neues Buch vorstellt, bekommen ein Erinnerungsfoto mit ihm und er signiert noch seinen "Sturz der Titanen".

Die Buchmessen-Tage des 61-jährigen Bestseller-Autors sind durchgetaktet. Seine Auftritte in Frankfurt bilden den Höhepunkt einer multimedialen Vermarktung, die seit Wochen läuft. Dazu gehören häppchenweise Videobotschaften auf der Homepage seines Bastei-Lübbe-Verlags, in denen Ken Follett ein kleines Detail seiner Familien-Saga preisgibt, und noch bis in den November hinein Fernsehauftritte. Das E-Book ist natürlich schon fertig, Film und Computerspiel können folgen.

Frank Schätzing, der auch zur Buchmesse kommt, hat es vorgemacht: seinen Roman "Limit" stellte er nicht bei einfachen Lesungen vor, sondern machte daraus ein abend- und saalfüllendes Event. Ken Follett bringt den multimedialen Trend nun auf die Buchmesse. Und trifft auf große Offenheit: "Wir erwarten zunehmend neue Inhalte in neuen Formaten", sagt Juergen Boos, Geschäftsführer der Frankfurter Buchmesse, "sogenannte Enriched Books, also Bücher, die um Elemente wie Film und Musik und interaktives Eingreifen in die Geschichte erweitert wurden, sind etwas, auf das wir in naher Zukunft sehr gespannt sein dürfen". Die lineare Erzählweise sei also nicht mehr die einzige Form, wie Inhalte publiziert werden können. "Was aber ewig zählen wird: eine gute Story, die Leser und Zuhörer in ihren Bann zieht."

Im Kölner Bastei-Lübbe-Verlag sorgen Folletts Aktivitäten für Freudensprünge. Dort stapeln sich die Bestellungen für das Buch. "Wir haben eine Startauflage von 400 000 Exemplaren", sagt Klaus Kluge, Vertriebs- und Marketingchef bei Lübbe. Rund 800 000 Exemplare des 1 000 Seiten starken Romans, der in der Zeit zwischen Kaiserreich und Erstem Weltkrieg spielt, sollen bis Jahresende verkauft werden.

Am Anfang waren die Buchhändler eher skeptisch. Der Beginn des 20. Jahrhunderts als Kulisse eines Familienromans? Aber die Begeisterung der ersten Leser ist positiv. Denn Follett schreibt nicht nur spannend, sondern gibt auch Geschichtsunterricht. Auf historische Details achtet er peinlich. Von Geschichtswissenschaftlern lässt er das Manuskript nochmals auf Fehler prüfen.

Sein gigantischer Markterfolg ist das Ergebnis einer gewaltigen Reklamemaschinerie, bei der der Autor mitspielen muss. "Ken Follett ist das Paradebeispiel eines Schriftstellers, der zu allem bereit ist", sagt Marketingexperte Kluge. Der millionenschwere Autor ist sich für nichts zu schade. So hat ihn Lübbe überzeugt, für 15 wichtige Unternehmen im deutschen Buchhandel wie Thalia, Amazon oder Weltbild individuelle Videobotschaften aufzunehmen, um den Verkauf anzukurbeln.

Bei einer viertägigen Pressereise nach St. Petersburg hat sich Follett außerdem mächtig für sein Werk ins Zeug gelegt. Die Stadt ist einer der Schauplätze des Buches. "Follett ist eben hoch professionell ohne die geringste Spur der Arroganz", sagte Lübbe-Manager Kluge.

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