Frankfurter Buchmesse
Kinderbücher kennen keine Krise

Kinder sind cool – vor allem aus Sicht der Verlage. Der Boom bei den Werken für Kinder und Jugendliche hält nicht nur an, er verstärkt sich noch. Das spürt man auch auf der Frankfurter Buchmesse, die noch bis Sonntag läuft. Marktführer Ravensburger erwartet zum Beispiel einen Umsatzschub. Das digitale Lernsystem Tiptoi sorgt nach der Markteinführung für Zuversicht.
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FRANKFURT. Der Markt für Kinder- und Jugendbücher ist krisenresistent. Doch die Zeiten des stürmischen Wachstums sind vorerst vorbei. In den ersten neun Monaten erzielte die Branche in Deutschland einen Umsatz von 383 Mio. Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 404 Mio. Euro. Das geht aus Zahlen von Media Control vor, die gestern auf der Frankfurter Buchmesse veröffentlicht wurden. Als Hauptgrund für Erlösrückgang wird von Marktteilnehmer das Fehlen von Bestsellern genannt. „In diesem Jahr fehlen Zugpferde wie Stephanie Meyers Fünfteiler „Bis(s)“, sagte gestern Branchenanalyst Boris Langendorf.

Die Kinder- und Jugendbuchverlage sind dennoch optimistisch, im vierten Quartal das Umsatzniveau des Vorjahres wieder zu erreichen oder gar zu übertreffen. „Das Geschäft zieht deutlich wieder an“, sagte Ravensburger-Verlagschef Johannes Hauenstein dem Handelsblatt in Frankfurt. Im vergangenen Jahr erzielte die Branche laut Media Control einen Umsatz von 607 Mio. Euro. Zum Vergleich: 2004 waren es gerade 456 Mio. Euro. „Der Kinder- und Jugendbuch ist mittlerweile für den Buchmarkt nach der klassischen Belletristik die zweitgrößte Warengruppe“, sagte Hauenstein.

Der Marktführer Ravensburger strotzt derzeit vor Selbstbewusstsein. „Wir erwarten in diesem Jahr ein Umsatzwachstum von fünf Prozent“, sagte Vertriebschef Hauenstein. Schon in den ersten neun Monaten stieg der Umsatz um fünf Prozent auf 47,5 Mio. Euro (Vorjahreszeitraum 45,3 Mio.) Im vergangenen Jahr erzielte der Buchverlag Erlöse von knapp 62 Mio. Euro. Die Oberschwaben steigern seit neun Jahren ihre Umsätze.

In diesem Jahr sorgt der digitale Lesestift Tiptoi in Verbindung mit Kinderbüchern beim Branchenprimus für Zuversicht. Nach Unternehmensangaben wurde drei Wochen nach Erscheinen des neuen audiodigitalen Lernsystems bereits 463 000 Produkte in den Handel abgesetzt. „Das ist die größte digitale Markteinführung in der Geschichte von Ravensburger“, sagte Ulrike Metzger, verlegerische Geschäftsführerin des 127 Jahre alten Verlags.

Zum Weihnachtsgeschäft soll eine große Fernsehkampagne in Millionenhöhe den Absatz des rund 30 Euro teuren Stiftes noch weiter ankurbeln. Der „sprechende“ Lesestift „Tiptoi“, der Bücher, Spiele und Puzzles durch Antippen zum Leben erweckt, gilt in der Branche als Innovation, um das Kinderbuch in eine digitale Zukunft zu führen.

Nach Angaben von Unternehmensinsidern schreibt der Ravensburger Buchverlag eine hohe einstellige Umsatzrendite. 2001 steckte das Unternehmen noch in tiefrote Zahlen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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