Frankfurter Buchmesse
Selters statt Sekt auf der Buchmesse

Auf der Frankfurter Buchmesse regiert der Rotstift, weil Umsätze schrumpfen - während die Angst vor dem E-Book wächst. Einige Buchhändler befürchten das Ende der Buchpreisbindung und die Piraterie der digitalen Inhalte. Die Zeit der opulenten Parties ist vorbei.

Wenn Bertelsmann mit seinem Vorstandschef Hartmut Ostrowski zur großen Sause auf der Frankfurter Buchmesse einlud, kamen alle: Mehr als 1 500 Gäste, darunter Bestseller-Autor Paulo Coelho, ZDF-Intendant Markus Schächter und Filmemacher Alexander Kluge, flanierten in drangvoller Enge durch das Frankfurter Nobelhotel Westin. In diesem Jahr hingegen ist Bertelsmann nicht in Feierlaune. Europas größter Medienkonzern hat aus Kostengründen sämtliche Partys gestrichen. Weder der Bertelsmann- Buchklub noch der weltgrößte Buchkonzern Random House (Siedler, Heyne, DVA) werden diesmal sich und die Branche feuchtfröhlich feiern. Der Buchklub – die Keimzelle des Bertelsmann- Imperiums – verzichtet sogar auf einen Messestand. Und mit ihrer Knausrigkeit sind die Gütersloher keineswegs allein. Auch andere Konzerne schnallen den Gürtel enger. Selbst Deutschlands größter Buchhändler, die Augsburger Weltbild-Gruppe, verzichtet auf das traditionell opulente Fest in einer Villa im Westend.

Die gestern Abend von Kanzlerin Angela Merkel eröffnete Buchmesse ist diesmal eine Sparmesse. Denn der Auftritt in den Frankfurter Messehallen ist kostspielig. „Die Messe ist für uns die teuerste Veranstaltung im ganzen Jahr“, sagt Johannes Hauenstein, Geschäftsführer des Ravensburger Buchverlags. Die sündhaft teuren Hotelpreise schaden der Bücherschau seit Jahren. „Für Autoren wird es aus Kostengründen immer schwieriger, nach Frankfurt zu kommen“, weiß der Verleger. Insgesamt ist die Stimmung in Frankfurt gedämpft. Denn Buchhändler, Verleger und Autoren stehen vor einer unsicheren Zukunft. Ist das E-Book eine Gefahr oder eine Chance? Manche fürchten die Piraterie der digitalen Inhalte. Auch die Frage der Buchpreisbindung für E-Books und der Onlinevertrieb über Buchhandlungen sind ungeklärt.

Zu allem Überfluss droht Ungemach vom Internetgiganten Google. Die Suchmaschine baut ihren Bestand an Büchern aus, die im Internet verfügbar sind. Bereits zehn Mio. Bücher hat Google eingescannt. Seit Monaten tobt ein erbitterter Streit, wie die Autoren daran beteiligt werden. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels beobachtet mit Argusaugen die mediale Machtergreifung von Google im Netz. Nun bekommt die Organisation der Verleger und Buchhändler Schützenhilfe von der Kanzlerin.

Merkel will dem laxen Umgang mit dem Urheberrecht im Web einen Riegel vorschieben. „Für die Bundesregierung ist klar: Das Urheberrecht muss auch im Internet seinen Platz finden. Deshalb lehnen wir es ab, dass ohne jeden urheberrechtlichen Schutz die Bücher einfach eingescannt werden, wie dies von Google gemacht wird“, sagte die Buchliebhaberin. Sie sagte der Branche Unterstützung zu, um die Interessen der Buchhändler auch in den USA durchzusetzen. Google hingegen erklärte auf Anfrage: „Unser Ziel bleibt es, weltweit Millionen von Büchern, die schwierig zu finden sind oder nicht mehr gedruckt werden, wieder zum Leben zu erwecken.“

Außerdem versprach Merkel in ihrer Eröffnungsrede, weder an der Buchpreisbindung noch an dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz auf Druckerzeugnisse zu rütteln. „Bücher sind ein Kulturgut, kein beliebiges Wirtschaftsgut“, sagte sie.

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