Frankfurter Buchmesse: Wer bestimmt, was wir lesen?

Frankfurter Buchmesse
Wer bestimmt, was wir lesen?

Haben Sie gedacht, Sie entscheiden, was Sie lesen? Von wegen. Bestsellerlisten, das Internet, Kampagnen nach Machart von Bettina Wulff, der Film zum Buch – all das beeinflusst die Wahl stärker, als Sie denken.
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München/FrankfurtEs ist angerichtet in den Frankfurter Messehallen. Die Regale sind voll, die Top-Autoren zum Stelldichein bestellt und Millionen Buchfans freuen sich auf die weltweit größte Buch-Messe: Profis, Hobby-Bohemians und solche, die es werden wollen, streifen durch die Gänge. Sie erkennen vor allem die Bücher wieder, von denen sie schon gehört haben.

Die Welt des Buches ist zweigeteilt wie noch nie: Da ist auf der einen Seite eine stark gestiegene Vielfalt - dank der Erfindung des E-Books und der Möglichkeiten, seine Manuskripte auch ohne einen Verlag zu vertreiben. Und auf der anderen Seite spielten die Bestsellerlisten nie so eine große Rolle wie heute. Die Leser folgen dem Herdentrieb: Was so viele lesen, kann nicht schlecht sein.

Ein ordentliches Ranking ist nun mal der einfachste Weg, gute Bücher von schlechten zu unterscheiden. Aber ist es auch der beste? Sicher nicht, sagen die Kenner der Szene und wären froh, wenn es die Bücherwürmer im kleinen Buchhandel um die Ecke noch flächendeckend gäbe. An ihre Stelle sind die großen, oft unpersönlichen Ketten getreten, die einheitlich Massenware anbieten statt individueller Beratung. Oder eben das Internet mit seinen Suchmasken, denen auch nur bis zu einem gewissen Grad zu trauen ist.

Und dann sind da ja noch die Medien. Das Beispiel Bettina Wulff hat gezeigt, wie Nachrichten den Verkauf eines Buches antreiben, das ohne solchen Hype wohl nicht reüssiert hätte. Die Verlage spielen das Spiel bisweilen mit, aber es ist äußerst riskant, da sie es nicht kontrollieren können.

Bei der Belleristik hilft ein weiterer Trend dieser Zeit: die häufigen Verfilmungen. Bei "Harry Potter" oder der "Twilight"-Saga kannte man die verkaufsfördernde Wirkung eines Kinostarts schon, aber 2012 schoss die "Panem"-Trilogie den Vogel ab. Die Bücher von Suzanne Collins waren in Deutschland bei ihrem Erscheinen rasch von der Bestsellerliste verschwunden. Seitdem jedoch die Verfilmung des ersten Teils in den Kinos lief, finden sich seit Monaten alle drei Teile in den Buch-Charts ganz weit oben.

Kurzum: Der Einfluss der Verlage und der Buchhändler auf den Leser ist gesunken. Das perfekte Beispiel dafür ist der Bestseller-Roman "Fifty Shades of Grey", der die Branche durcheinandergewirbelt hat. Die Entdeckung der zunächst nur digital veröffentlichten Sadomaso-Romantriologie zwingt die Verlage, sich nun auch in der digitalen Welt nach Werken umzusehen.

Kommentare zu " Frankfurter Buchmesse: Wer bestimmt, was wir lesen?"

Alle Kommentare
  • Da sich die meisten Leser überwiegend mit nutzloser Lektüre vollstopfen, haben wir einen Grad von Dummheit erreicht, der es Politikern leicht macht, ihr Unwesen zu treiben.

    Es sind ja nicht nur die dämlichen Romane, sondern auch der Konsum der Unterschichten-Medien bis hin zu der nutzlosen Beschäftigung mit den sozialen Medien.

    Wem das noch nicht reicht, hat mit blutrünstigen Computerspielen oder mit Randale auf Fußballplätzen, Gelegenheit, seine Dummheit auf dem neuesten Stand zu halten.

    Ich lese ab und zu in Medien, in denen sich unsere Jugend austauscht.

    50% der Forums-Teilnehmer können wahrscheinlich noch nicht mal eine fehlerfreie Bewerbung schreiben.

    Armes Deutschland auf dem Weg zu einer Idioten-Republik.

  • iwo steht, dass die Wahrheit frei macht. Auch wenn ich kein Christ bin, muss ich schon sagen, dass es Worte der tiefen Wahrheit sind.

    Die Welt ist zwar anders, als vieles glauben trotzdem ist sie vollkommen gerecht und so gesehen ist es dennoch ein mega großes und sehr lustiges Spiel.

  • Rankings sind der Glaube an die Weisheit der Masse. Wäre die Masse weise, würde die Welt nicht bis über die Haarwurzel in der Krise stecken. Oder sich Idiotensendungen wie DSDS ansehen.

    Tatsächlich hat die Digitaltechnik die Herrschaft übernommen. Wir schaffen uns Abbilder der Wirklichkeit mit Balkendiagrammen und verwechseln von oben bis unten die Landkarte mit dem Land. IWF empfiehlt dies, EZB das. Dahinter stecken kelne schlauen Köpfe, sondern Flachbildschirme gestopft der gebündelten Indikatoren, die wegen der Vielzahl in genau die Sackgasse führen, die man vermentlich nicht betreten wollte.

    Wenn die EZB die Empfehlung herausgibt, Löhne zu kürzen, erreicht diese Meldung über die gleichgeschalteten Medien die ganze Welt. Und die Konzerninteressen saugen die diese Meldung dankbar auf, ohne zu merken, daß sie damit selber die Ursache für sich aufschaukelnde Verwerfungen sind. Dieses massenhafte udn ultraschnelle hin- und her gerenne auf jede Meldung bringt schlußendlich jedes Schiff zum kentern.

    Und wenn alle Medien bis zur Tagesschau das iPhone 5 als einen großen Wurf behandeln und in ihre Headlines bringen, dann ist das Schleichwerbung, die die Kartellbildung vorantreibt und den Wettbewerb verzerrt wie Brüssel mit seiner Verschmelzungsrichtline für Kapitalgesellschaften.

    Die vermeintlich moderne Zeit sitzt vielen Irrglauben auf, daß die Presse frei sei, die Herrschaft der Wenigen Gutes bewirke, Politik keine Rahmenbedingen zu setzen hat sondern Wirtschaft betreiben, Konzernbosse was von Wirtschaft verstünden, mehr Nachrichten mehr Information bedeuten und Science Fiction die Zukunft beschrieben habe.

    Die Menschheit hat sich dem Abbild unterworfen und statt Freiheit drohen Enge, Dummheit, Renitenz, Bürger- und Angriffskriege.

    Ein Kartell kann aus sich selber nicht existieren, deshalb explodiert die Verschuldung wie eine Atombombe.

  • peer bilderberger

    Ihr Weltbild muß auf Sie aber auch deprimierend wirken.
    Sie können lesen was Sie wollen: wenn Sie es nicht verstehen wollen wird das auch wenig nützen.
    Es soll Leute geben, die sich Bücher unter die Kopfkissen legen, um dem Verständnis des Gelesenen näher zu kommen.
    Nun ja, so etwas wird Ihnen vielleicht nie geschehen können, weil Sie ja alles wissen.
    Und wer alles weiß der scheint in Ihren Augen ja fast schon mit Hochintelligenz geschlagen zu sein.

    Befreien Sie sich davon: das täte auch Ihrer Intelligenz wie Ihnen besser, als Sie vlt glauben wollen.

  • Jedenfalls ist die Presse hierzulande derzeit freier als sie es vielleicht je gewesen ist.
    Dass zur Freiheit auch gehören kann, sich intern von ihr abzuwenden, kann da nur als auch möglich genannt werden.
    Und überhaupt Freiheit: auch so ein Begriff wie alles und garnichts.
    Geduld, Patientia, gehört indes in Zeiten gepflegter Ungeduld nicht gerade zu den Kardinaltugenden.
    Darüber allerdings verrotten zu wollen kann allerdings nur als hoch ambitionierter Luxus betrachtet werden.

    Vom "Goldenen Esel" bis hin zum Reparaturratgeber für bekümmerte Computerenthusiasten ist es ein geringerer Schritt als man mitunter annehmen könnte.

    Freuen wir uns also alle über unsere Freiheit, die zwar nicht grenzenlos, dafür umso gehaltvoller erscheinen kann, erlaubt man sich den Luxus von Freiheit.

    Und wie schön die Welt sein kann, das dürfen wir angesichts der Buchverkäufermesse, dem Hochamt der Allesversteher, auch heuer vor Augen führen lassen.

  • Der Leser bestimmt WIE er es zu lesen bekommt, aber was er zu leben bekommt, legen andere fest.

    Aber dem Himmel sei Dank, seitdem es das Internet gibt haben wir alle die Möglichkeit, uns frei und relativ gut zu informieren. Und ohne Internet würden wir alle noch glauben,. dass wir (die Wähler) die Regierung wählen.

    Aber, durch I-Net weiß man eigentlich dass die illumierten und beschnittenen Glaubensbrüder (noch) festlegen, wer als Bundeskanzeler antreten wird.

  • Und wer bestimmt, was die Medien schreiben dürfen und was nicht?

    Wir alle wissen, dass wir letztlich keine freie Presse haben.

  • Es bestimmt der Geschmack was gelesen wird, wenn gelesen wird. Vom Literaturpapst bis zum low-end Kunden hängt das Bücherbusiness am Geschmack wie Eis am Stiel, Klamotten oder Parfums.
    Und Bücher unterscheiden sich als Ware in ausgesprochen wenig von einer Waschmaschine, nur, dass man mit einem Buch halt keine Wäsche wäscht.
    Und es sind Autoren, die dabei mitmachen.
    Deswegen wird ja nicht weniger geschrieben.
    Im Gegenteil steht anzunehmen, dass noch nie soviel geschrieben wurde wie in der heutigen Gegenwart.
    Das Medium ist zur Message geronnen auch hier: ein Buch, ein Buch und noch ein Buch.
    Und was ist daran schlimm?
    Vielleicht haben wir ja mit der Gegenwart jenen ehedem abseitig empfundenen Teil der Bibliothek von Babel (Borges) beschritten, in dem das Buch als Konsumartikel behandelt ist: Gartenratgeber, Computerliteratur und allerlei Nützliches neben den üblichen investigativen "Aufregern" für den zivilisierten Alltag.
    Und eine Bibliothek, die nicht auch solcherlei "Petitessen" vorhielte, verdient den Namen vielleicht auch nicht.

    Und da die Bibliothek von Babel nach Borges allumfassend sein soll, wird auch dieser Bereich gepflegt werden dereinst und man wird vor der Abteilung stehen und vielleicht sagen: "Hach, ja, so war das damals, als man auch mit Büchern Geld verdienen wollte".
    Bis dahin wird wohl noch etwas Zeit in die Läufte gehen und wir werden uns freuen am Point of Booksellers über all die lustigen Einfälle, die Menschen so durch den Kopf gehen können - wenn ihnen entweder langweilig ist, oder sie sich vom Geld zu Hungerleidern machen lassen.

  • Als Autor beschreibe ich mal ganz einfach, wie der Leser bestimmt, was er liest und ich finde das richtig gut. Auch dann, wenn ich kein Geld mehr damit verdiene. Esrt einmal. Hier mein ganz persönlicher Einblick in das iPad-Bücher-Business: http://mac-harry.blogspot.de/2012/10/mit-dem-ipad-zur-buchmesse.html

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