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Frankfurter Buchmesse: Wer bestimmt, was wir lesen?

Haben Sie gedacht, Sie entscheiden, was Sie lesen? Von wegen. Bestsellerlisten, das Internet, Kampagnen nach Machart von Bettina Wulff, der Film zum Buch – all das beeinflusst die Wahl stärker, als Sie denken.

Eine Ausgabe von „Fifty Shades of Grey“ der britischen Autorin E. L. James. Quelle: dpa
Eine Ausgabe von „Fifty Shades of Grey“ der britischen Autorin E. L. James. Quelle: dpa

München/FrankfurtEs ist angerichtet in den Frankfurter Messehallen. Die Regale sind voll, die Top-Autoren zum Stelldichein bestellt und Millionen Buchfans freuen sich auf die weltweit größte Buch-Messe: Profis, Hobby-Bohemians und solche, die es werden wollen, streifen durch die Gänge. Sie erkennen vor allem die Bücher wieder, von denen sie schon gehört haben.

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Die Welt des Buches ist zweigeteilt wie noch nie: Da ist auf der einen Seite eine stark gestiegene Vielfalt - dank der Erfindung des E-Books und der Möglichkeiten, seine Manuskripte auch ohne einen Verlag zu vertreiben. Und auf der anderen Seite spielten die Bestsellerlisten nie so eine große Rolle wie heute. Die Leser folgen dem Herdentrieb: Was so viele lesen, kann nicht schlecht sein.

Ein ordentliches Ranking ist nun mal der einfachste Weg, gute Bücher von schlechten zu unterscheiden. Aber ist es auch der beste? Sicher nicht, sagen die Kenner der Szene und wären froh, wenn es die Bücherwürmer im kleinen Buchhandel um die Ecke noch flächendeckend gäbe. An ihre Stelle sind die großen, oft unpersönlichen Ketten getreten, die einheitlich Massenware anbieten statt individueller Beratung. Oder eben das Internet mit seinen Suchmasken, denen auch nur bis zu einem gewissen Grad zu trauen ist.

Und dann sind da ja noch die Medien. Das Beispiel Bettina Wulff hat gezeigt, wie Nachrichten den Verkauf eines Buches antreiben, das ohne solchen Hype wohl nicht reüssiert hätte. Die Verlage spielen das Spiel bisweilen mit, aber es ist äußerst riskant, da sie es nicht kontrollieren können.

Die scheinheilige Welt der sterbenden Buchmesse

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Bei der Belleristik hilft ein weiterer Trend dieser Zeit: die häufigen Verfilmungen. Bei "Harry Potter" oder der "Twilight"-Saga kannte man die verkaufsfördernde Wirkung eines Kinostarts schon, aber 2012 schoss die "Panem"-Trilogie den Vogel ab. Die Bücher von Suzanne Collins waren in Deutschland bei ihrem Erscheinen rasch von der Bestsellerliste verschwunden. Seitdem jedoch die Verfilmung des ersten Teils in den Kinos lief, finden sich seit Monaten alle drei Teile in den Buch-Charts ganz weit oben.

Kurzum: Der Einfluss der Verlage und der Buchhändler auf den Leser ist gesunken. Das perfekte Beispiel dafür ist der Bestseller-Roman "Fifty Shades of Grey", der die Branche durcheinandergewirbelt hat. Die Entdeckung der zunächst nur digital veröffentlichten Sadomaso-Romantriologie zwingt die Verlage, sich nun auch in der digitalen Welt nach Werken umzusehen.

  • 12.10.2012, 10:18 Uhrstatesman

    Da sich die meisten Leser überwiegend mit nutzloser Lektüre vollstopfen, haben wir einen Grad von Dummheit erreicht, der es Politikern leicht macht, ihr Unwesen zu treiben.

    Es sind ja nicht nur die dämlichen Romane, sondern auch der Konsum der Unterschichten-Medien bis hin zu der nutzlosen Beschäftigung mit den sozialen Medien.

    Wem das noch nicht reicht, hat mit blutrünstigen Computerspielen oder mit Randale auf Fußballplätzen, Gelegenheit, seine Dummheit auf dem neuesten Stand zu halten.

    Ich lese ab und zu in Medien, in denen sich unsere Jugend austauscht.

    50% der Forums-Teilnehmer können wahrscheinlich noch nicht mal eine fehlerfreie Bewerbung schreiben.

    Armes Deutschland auf dem Weg zu einer Idioten-Republik.

  • 10.10.2012, 13:12 Uhrpeer-Bilderberger

    iwo steht, dass die Wahrheit frei macht. Auch wenn ich kein Christ bin, muss ich schon sagen, dass es Worte der tiefen Wahrheit sind.

    Die Welt ist zwar anders, als vieles glauben trotzdem ist sie vollkommen gerecht und so gesehen ist es dennoch ein mega großes und sehr lustiges Spiel.

  • 10.10.2012, 13:06 Uhrgoeasyway

    Rankings sind der Glaube an die Weisheit der Masse. Wäre die Masse weise, würde die Welt nicht bis über die Haarwurzel in der Krise stecken. Oder sich Idiotensendungen wie DSDS ansehen.

    Tatsächlich hat die Digitaltechnik die Herrschaft übernommen. Wir schaffen uns Abbilder der Wirklichkeit mit Balkendiagrammen und verwechseln von oben bis unten die Landkarte mit dem Land. IWF empfiehlt dies, EZB das. Dahinter stecken kelne schlauen Köpfe, sondern Flachbildschirme gestopft der gebündelten Indikatoren, die wegen der Vielzahl in genau die Sackgasse führen, die man vermentlich nicht betreten wollte.

    Wenn die EZB die Empfehlung herausgibt, Löhne zu kürzen, erreicht diese Meldung über die gleichgeschalteten Medien die ganze Welt. Und die Konzerninteressen saugen die diese Meldung dankbar auf, ohne zu merken, daß sie damit selber die Ursache für sich aufschaukelnde Verwerfungen sind. Dieses massenhafte udn ultraschnelle hin- und her gerenne auf jede Meldung bringt schlußendlich jedes Schiff zum kentern.

    Und wenn alle Medien bis zur Tagesschau das iPhone 5 als einen großen Wurf behandeln und in ihre Headlines bringen, dann ist das Schleichwerbung, die die Kartellbildung vorantreibt und den Wettbewerb verzerrt wie Brüssel mit seiner Verschmelzungsrichtline für Kapitalgesellschaften.

    Die vermeintlich moderne Zeit sitzt vielen Irrglauben auf, daß die Presse frei sei, die Herrschaft der Wenigen Gutes bewirke, Politik keine Rahmenbedingen zu setzen hat sondern Wirtschaft betreiben, Konzernbosse was von Wirtschaft verstünden, mehr Nachrichten mehr Information bedeuten und Science Fiction die Zukunft beschrieben habe.

    Die Menschheit hat sich dem Abbild unterworfen und statt Freiheit drohen Enge, Dummheit, Renitenz, Bürger- und Angriffskriege.

    Ein Kartell kann aus sich selber nicht existieren, deshalb explodiert die Verschuldung wie eine Atombombe.

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