Frankreich
Bertelsmann verkauft Buchklubgeschäft

Bertelsmann wird sein Buchklubgeschäft in Frankreich verkaufen, das zuletzt einen Jahresumsatz von 635 Mio. Euro gemacht hat. Noch in diesem Jahr soll ein Käufer gefunden werden, angesichts des Milliarden schweren Schuldenbergs kann der Medienkonzern frisches Geld gut gebrauchen.
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Der Medienkonzern Bertelsmann verkauft sein Buchklubgeschäft in Frankreich. "Wir befinden wir uns aktuell in einem Prozess, in dem geprüft wird, welche strategischen Optionen im französischen Markt in Bezug auf die dortigen Direct Group-Geschäfte bestehen", sagte ein Unternehmenssprecher am gestrigen Montagabend. Nach Angaben von Unternehmensinsidern soll der Verkauf schnell über die Bühne gehen. Die Transaktion betreut Morgan Stanley. Noch in diesem Jahr soll ein Käufer gefunden werden. Laut französischen Finanzkreisen soll sich ein Finanzinvestor für die profitable Firma mit 4 600 Mitarbeitern interessieren. Bertelsmann kann angesichts des Milliarden schweren Schuldenbergs frisches Geld gut gebrauchen. Die Nettofinanzschulden beliefen sich zuletzt auf 2,63 Mrd. Euro.

Mit der Abtrennung der französischen Tochter schmilzt die seit Jahren kriselnde Direct Group um die Hälfte. In Frankreich machte Bertelsmann mit den Buchklubs zuletzt einen Jahresumsatz von 635 Mio. Euro. Im vergangenen Jahr erzielte die Direct Group Erlöse von knapp 1,25 Mrd. Euro. Der operative Betriebsgewinn (Ebit) betrug nur bescheidene 28 Mio. Euro.

Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski hatte bereits bei seinem Amtsantritt Ende 2007 das Buchklubgeschäft als Auslaufmodell diagnostiziert. Europas größter Medienkonzern hat sich seitdem aus den USA, aus Großbritannien, Italien, Portugal, Australien und Neuseeland zurückgezogen. Erst im Frühjahr verkauften die Gütersloher die Hälfte ihres spanischen Buchklubs, einen Jahrzehnte langen Gewinnbringer.

Nach Angaben eines Sprechers ist der Verkaufsprozess "ergebnisoffen". In der Vergangenheit gab es immer wieder Spekulationen über einen Rückzug von Bertelsmann im Buchklubgeschäft. Der im vergangenen Jahr gestorbene Konzernpatriarch Reinhard Mohn hatte noch selbst 1970 France Loisirs gegründet.

Auch die Zukunft des deutschen Klubs ist ungewiss. Nach Brancheninformationen gehen die Zahl der Mitglieder seit Jahren kontinuierlich zurück. Zuletzt waren es nur 2,7 Millionen Mitglieder. Trotz Modernisierung gilt das Netz der über 200 Filialen als unattraktiv.

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