Frankreich
Journalisten streiken gegen Zeitungsverkauf

In Frankreich haben die Wirtschaftszeitungen „Les Echos“ und „La Tribune“ ihre Arbeit niedergelegt. Während sich die einen dagegen wehren, an einen der Regierung nahestehenden Industriellen verkauft zu werden, fürchten die anderen um genau diesen als Arbeitgeber.

rut PARIS. Die französischen Wirtschaftszeitungen „Les Echos“ und „La Tribune“ sind am Montag nicht erschienen. Auch der Internet-Auftritt der beiden Blätter blieb unbearbeitet, denn ein Arbeitskampf legte beide Redaktionen komplett lahm.

Der Grund für den Streik hat in beiden Fällen denselben Namen: Bernard Arnault. Der Chef des Luxuskonzerns Moet Hennessy Louis Vuitton (LVMH) ist interessiert an der Übernahme von „Les Echos“. Französischen Presseberichten zufolge hat er ein Gebot von 250 Mill. Euro abgegeben, was angeblich deutlich über dem Wert der Zeitung liegt. Die britische Mediengruppe Pearson gab ihrerseits vor nunmehr einer guten Woche offiziell bekannt, dass sie „Les Echos“ verkaufen will und Gespräche mit Kaufinteressenten führt.

Die Mitteilung von Pearson rief die Redaktion von „Les Echos“ auf den Plan. Sie fürchtet um ihre redaktionelle Unabhängigkeit, falls ihr Blatt in die Hand des Industriellen Arnault fällt, der dem frischgewählten französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy nahesteht.

In der Redaktion von „La Tribune“ kursieren Ängste ganz anderer Art. Das Blatt gehört seit 1993 zum großen Reich von Arnault und hat dem Patron seither wenig Freude gemacht. In fast allen Jahren machte „La Tribune“ Verluste in Millionenhöhe. In einem Jahrzehnt soll Arnault zwischen 100 und 150 Mill. Euro in die Zeitung investiert haben. „Les Echos“ war dagegen immer rentabel. Die Rendite lag zuletzt bei rund acht Prozent.

Medienbeobachter in Paris gehen davon aus, dass Arnault keinesfalls beide Wirtschaftszeitungen halten wird. Falls der LVMH-Chef für „Les Echos“ den Zuschlag erhalte, sei es sehr wahrscheinlich, dass er sich von „La Tribune“ trenne. In dem Fall, so die Befürchtung bei „La Tribune“, werde es zu einem massiven Personalabbau kommen.

Die Pariser Journalistenverbände laufen jetzt Sturm gegen das „finanz-mediale Monopoly“. Die drohenden Verkäufe der beiden Zeitungen würden „den Informationspluralismus“ und die „Glaubwürdigkeit“ des Wirtschaftsjournalismus in Frankreich in große „Gefahr“ bringen, erklärten die drei Gewerkschaften SNJ, SNJ-SGT und USJ-CFDT.

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