Jahrelang dominierten sie den Markt nach Belieben, nun geht es bergab: Der französische Fernseh-Marktführer TF1
kommt mit der Konkurrenz der neuen, digitalen Kanäle nicht zurecht. Sowohl Marktanteile als auch Werbeeinnahmen brechen geradezu ein. Der Marktführer ist einfach zu hausbacken.
Nicolas Sarkozy wartet auf den Beginn eines Interviews mit TF1 (Archivfoto November 2006). Eine Entscheidung des derzeitigen Staatschefs könnte nun helfen. Foto: Reuters
PARIS. Die Franzosen sind mit Blick auf ihr Kulturangebot stolz auf ihre "exception française". Eine Sonderstellung in Europa hat bisher auch Frankreichs TV-Marktführer TF1
inne: Der börsennotierte Sender, der vom Mischkonzern Bouygues kontrolliert wird, kam 2007 noch auf Zuschauer-Marktanteile von über 30 Prozent. Deutschlands Marktführer RTL hat gerade mal gut die Hälfte dieses Wertes. Doch die Zeit der Gemütlichkeit ist auch in Frankreich vorbei.
Das 2005 gestartete digitale terrestrische Fernsehen wirbelt mit seinen neuen Kanälen den Markt in Frankreich durcheinander. Anfang des Jahres rutschte der Marktanteil von TF1
erstmals in der Geschichte des Unternehmens deutlich unter die 30-Prozent-Marke. Vergangene Woche schockte das Management mit der Prognose, dass 2008 die Werbe-Einnahmen sinken werden. Wenige Wochen vorher hatten die Macher noch Umsatzwachstum prognostiziert.
Jahrzehntelang dominierte TF1
nach Belieben den Zuschauer- und Werbemarkt, denn über Antenne konnten die Franzosen nur fünf Programme kostenlos empfangen. Während die Deutschen seit den 80er-Jahren per Satellit oder Kabel gleich dutzendweise neue Sender in die Wohnstuben bekamen, blieb den Franzosen nur die Alternative, ein teures Programm-Paket wie Canal-Sat zu abonnieren.
Der neue Wettbewerb legt nun die Schwächen des Geschäftsmodells der Gruppe TF1
offen, denn es ist nach wie vor überwiegend auf den Hauptsender ausgerichtet. "Zu den strukturellen Problemen addieren sich hausgemachte Management-Fehler", meint Nicolas Gindre, Medien-Analyst des Brokers Exane BNP Paribas. Die TF1
-Verantwortlichen hätten es unterlassen, sich bei der Verteilung der Frequenzen für das neue Digital-TV einen Platz für einen neuen Spartensender zu sichern. TF1
beließ die Töchter Eurosport und den Infokanal LCI im Pay-TV. Lediglich mit TMC, der zu 40 Prozent zum Konzern gehört, ist die Gruppe TF1
zusätzlich vertreten.
"Dabei sind es heute diese Digital-Kanäle, die das Wachstum bringen", so Experte Gindre. Indirekt räumt TF1
ein, einen Fehler gemacht zu haben: "Wenn es einen Digital-Kanal zu kaufen gäbe, wären wir daran interessiert", erklärte der Konzern auf Anfrage.
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Die Bertelsmann-Tochter M6 war schlauer, und ging mit dem Jugend-Sender W9 an den Start, als der Staat die begehrten Frequenzplätze im terrestrischen Digital-TV verteilte. Das zahlt sich nun aus: Im ersten Quartal verzeichneten die Töchter-Sender von M6 ein Umsatz-Wachstum von 29 Prozent; die TF1
-Filialen stagnierten dagegen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich auch in Frankreich sich die Medien-Nutzungsgewohnheiten verändern: Studien zeigen, dass jüngere Franzosen das Internet bereits intensiver nutzen als das Fernsehen.
Medienexperten und Analysten kritisieren ferner, dass das hausbackene Programm von TF1
ebenfalls zum Niedergang beiträgt. Es dominieren US-Einheitsserien wie "CSI" oder Casting-Shows wie "Star Academy". Der Gesangs-Wettbewerb flimmerte schon in der siebten Auflage über die Schirme, mit jedem weiteren Aufguss verliert das Format Zuschauer. Statt Neuheiten zu bieten, exhumierten die TF1
-Macher lieber das "Glücksrad".
Die Analysten von UBS
sehen jedoch einen Hoffnungsstreifen für den angezählten Marktführer: Anfang Januar hatte Staatschef Nicolas Sarkozy kurzentschlossen verkündet, dass die öffentlich-rechtlichen Sender künftig keine Werbung mehr ausstrahlen dürfen. "Nachrichten von der Regulierungsseite können ein signifikanter Beschleunigungsfaktor für den Börsenkurs werden", schrieben die UBS
-Experten Freitag in einer Kurzstudie.
Beim Broker Exane ist man sich da nicht so sicher: "Die Streichung der Werbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen soll schrittweise erfolgen", so Analyst Gindre. Von 14 Monaten Übergangszeit ab 2009 sei die Rede. "In der Zeit dürfte der Marktanteil von TF1
schon auf Werte um 25 Prozent gefallen sein."

