Die Bertelsmann-Tochter M6 war schlauer, und ging mit dem Jugend-Sender W9 an den Start, als der Staat die begehrten Frequenzplätze im terrestrischen Digital-TV verteilte. Das zahlt sich nun aus: Im ersten Quartal verzeichneten die Töchter-Sender von M6 ein Umsatz-Wachstum von 29 Prozent; die TF1
-Filialen stagnierten dagegen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich auch in Frankreich sich die Medien-Nutzungsgewohnheiten verändern: Studien zeigen, dass jüngere Franzosen das Internet bereits intensiver nutzen als das Fernsehen.
Medienexperten und Analysten kritisieren ferner, dass das hausbackene Programm von TF1
ebenfalls zum Niedergang beiträgt. Es dominieren US-Einheitsserien wie "CSI" oder Casting-Shows wie "Star Academy". Der Gesangs-Wettbewerb flimmerte schon in der siebten Auflage über die Schirme, mit jedem weiteren Aufguss verliert das Format Zuschauer. Statt Neuheiten zu bieten, exhumierten die TF1
-Macher lieber das "Glücksrad".
Die Analysten von UBS
sehen jedoch einen Hoffnungsstreifen für den angezählten Marktführer: Anfang Januar hatte Staatschef Nicolas Sarkozy kurzentschlossen verkündet, dass die öffentlich-rechtlichen Sender künftig keine Werbung mehr ausstrahlen dürfen. "Nachrichten von der Regulierungsseite können ein signifikanter Beschleunigungsfaktor für den Börsenkurs werden", schrieben die UBS
-Experten Freitag in einer Kurzstudie.
Beim Broker Exane ist man sich da nicht so sicher: "Die Streichung der Werbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen soll schrittweise erfolgen", so Analyst Gindre. Von 14 Monaten Übergangszeit ab 2009 sei die Rede. "In der Zeit dürfte der Marktanteil von TF1
schon auf Werte um 25 Prozent gefallen sein."

