Französische Publicis gilt als wahrscheinlichster Kandidat für eine Übernahme
Werbekonzern Grey prüft einen Verkauf

Der letzte große noch unabhängige Werbekonzern der Welt, die Grey Global Group, steht möglicherweise vor einem Verkauf. An der Börse zeigte die Nachricht am Montag Wirkung: Der Aktienkurs von Grey stieg an der Nasdaq nach der Eröffnung um über 7 Prozent.

tel FRANKFURT/MAIN. Wie das „Wall Street Journal“ aus verhandlungsnahen Kreisen erfuhr, hat der in New York ansässige Konzern die Investmentbanken Goldman Sachs und J.P. Morgan Chase beauftragt, strategische Optionen für das Unternehmen zu untersuchen, darunter auch einen Verkauf. Offiziell kommentieren weder Grey Global noch die Investmenthäuser den Vorgang. An der Börse zeigte die Nachricht am Montag Wirkung: Der Aktienkurs von Grey stieg gestern an der Nasdaq nach der Eröffnung um über 7 Prozent.

Für Branchenbeobachter kommt das Thema nicht überraschend: Seit geraumer Zeit wird immer wieder darüber spekuliert, wie die Zukunft der vergleichsweise kleinen Grey Global Group im Wettbewerb mit den großen Werbekonzernen wie WPP, Omnicom, Interpublic und Publicis aussehen könnte. Schließlich ist Grey mit einem Weltumsatz von zuletzt 1,3 Mrd. Dollar nur knapp ein Siebtel so groß wie Branchenführer Omnicom, zu dem die Werbeagenturgruppe BBDO gehört.

„Dass Grey verkauft wird, würde mich nicht wundern“, kommentiert ein deutscher Agenturmann die Lage. Einen Käufer aus der Reihe der Top-Werbekonzerne hält er allerdings für unwahrscheinlich. Die beiden größten Werbeholdings Omnicom und WPP haben mit BBDO beziehungsweise Ogilvy und J. Walter Thompson bereits etablierte Werbeagenturen, die sich wie Grey in Sachen Markenführung einen Namen gemacht haben. Zudem gäbe es Konkurrenzkonflikte: Grey betreut beispielsweise Procter & Gamble, Ogilvy arbeitet für Unilever und BBDO für Henkel.

Susan Hunter, Analystin bei Fitch Ratings, glaubt aus eben diesen Gründen nicht, dass Omnicom und WPP zugreifen werden. Bei Interpublic sprechen ihrer Meinung nach die finanziellen Schwierigkeiten der Vergangenheit gegen eine Akquisition dieser Größenordnung.

Lediglich für Publicis, Nummer vier der Werbekonzerne, könnte der Kauf von Grey eine sinnvolle Ergänzung insbesondere in Nordamerika sein, sagt Hunter. Allerdings sei die französische Werbeholding noch dabei, die letzte größte Akquisition zu verdauen – die Übernahme der Werbeagentur BCom3 im Jahr 2002.

Den Spekulationen um die Zukunft des Kommunikationskonzerns Grey hat der Chairman und Hauptanteilseigner Ed Meyer vor wenigen Tagen selbst Nahrung gegeben: Erstmals sprach der 77-Jährige in einem Interview mit der „Financial Times“ über die Möglichkeit, sich zurückzuziehen.

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