Französischer Konzern verkauft Joint-Venture-Anteil an chinesischen Hersteller TCL
Alcatel zieht Schlussstrich unter verlustreiche Handy-Produktion

Der französische Telekomausrüster Alcatel trennt sich komplett von seiner Mobiltelefon-Produktion. Der Konzern verkauft seinen 45-Prozent-Anteil an einem Handy-Gemeinschaftsunternehmen, das er gemeinsam mit der chinesischen TCL Communication betreibt, an den Partner. Im Gegenzug erhält Alcatel TCL-Aktien im Wert von umgerechnet mehr als sechs Mill. Euro.

ali/slo/HB PARIS/DÜSSELDORF. Alcatel hatte vor etwa einem Jahr das verlustreiche Mobiltelefongeschäft in das Joint Venture mit dem chinesischen Hersteller von Unterhaltungselektronik eingebracht und für die 45-Prozent-Beteiligung 45 Mill. Euro in Vermögenswerten und in bar gezahlt. Der für das operative Geschäft zuständige Alcatel-Vorstand Philippe Germond hatte als Ziel ausgegeben, das Gemeinschaftsunternehmen solle zu den fünf weltweit größten Mobiltelefonherstellern aufsteigen. Das ist nicht gelungen.

Dagegen haben die führenden Handy-Produzenten Nokia und Motorola in den abgelaufenen Quartalen durch teilweise aggressive Preise und erfolgreiches Design ihre Marktposition verbessert und ihre Gewinne erhöht. Das Joint Venture von TCL und Alcatel hat dagegen im ersten Quartal einen Verlust von 378 Mill. Yuan (ca. 36 Mill. Euro) eingefahren.

Analysten sehen es als Rückschlag für TCL an, dass der Konzern seinen Marktanteil durch das Joint Venture nicht wie geplant ausbaute. Der Aktienkurs von TCL Communication gab im Tagesverlauf um mehr als fünf Prozent nach. Auch der Alcatel-Aktienkurs sank zwischenzeitlich um 0,5 Prozent auf 8,62 Euro, obwohl Analysten den Verkauf begrüßten. „Es ist ein schlauer Schachzug von Alcatel, die Handysparte loszuwerden, auch wenn sie mit einem Abschlag verkaufen müssen“, sagte Thomas Langer, Analyst bei der West LB. Es sei allemal besser, die Angelegenheit mit einem harten Schnitt jetzt zu beenden, als das kränkelnde Mobiltelefongeschäft noch über einen längeren Zeitraum mit sich herumzuschleppen.

Nach der kompletten Übernahme der Alcatel-Handysparte wird TCL das Geschäft wohl mit dem eigenen Mobitelefonbereich fusionieren. Im vergangenen Jahr verkauften die Chinesen zehn Millionen Geräte, davon kamen 2,5 Millionen aus dem Joint Venture. Aber offenbar lässt die Nachfrage nach TCL-Handys vor allem in China nach. Wie der Konzern gestern mitteilte, hat das Unternehmen im April lediglich rund 350 000 Geräte in seiner Heimat verkauft und damit weniger als die Hälfte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Außerhalb von China hat TCL mehr als 400 000 Mobiltelefone abgesetzt.

Auch andere Kooperationen in der Handy-Branche haben bereits gezeigt, dass sie bei weitem kein Allheilmittel sind. 1997 legte der niederländische Elektronikkonzern Philips seine Handy-Sparte mit der des US-Anbieters Lucent zusammen. Diese Zusammenarbeit endete etwa eineinhalb Jahre später. Philips löste das verlustreiche Joint Venture auf und erklärte, die Leistungen seien eine einzige Enttäuschung gewesen. Das Handy-Gemeinschaftsunternehmen des japanischen Sony-Konzerns und des schwedischen Mobilfunknetzausrüsters Ericsson schreibt zwar inzwischen schwarze Zahlen, der Zusammenschluss kam aber nur sehr langsam aus den Startlöchern.

Als nächster Kandidat für ein Gemeinschaftsunternehmen in der Handy-Branche gilt der Münchener Siemens-Konzern. Noch ist aber unklar, mit dem das Unternehmen zusammenarbeiten wird. Siemens hat sich bereits einige Absagen geholt – zuletzt von dem US-Konzern Motorola sowie von dem kanadischen Telekomnetzausrüster Nortel. Analysten halten eine Kooperation mit einem asiatischen Handyhersteller wie TCL oder NEC, der sich bisher noch keinen Namen auf dem europäischen Markt gemacht hat, für eine wahrscheinliche Variante.

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