Telecom Italia
will sich aus dem Internet-Geschäft in Frankreich zurückziehen. Der Konzern erwägt, seine defizitäre französische DSL-Tochter Alice zu verkaufen. Die auf vollen Touren laufende Neuordnung des französischen Telekommunikationsmarktes strebt damit ihrem Höhepunkt entgegen.
PARIS. Dies gilt als Signal für die Konsolidierung auf dem europäischen Markt. Zum Schluss werden im Nachbarland wohl nur die vier größten Anbieter France Télécom,
Vivendi,
Iliad und Bouygues
übrig bleiben. Telecom Italia
wollte gestern offiziell nichts zur Zukunft von Alice sagen. In Branchenkreisen wurde jedoch bestätigt, dass der neue Vorstandschef von Telecom Italia,
Franco Bernabe, den Verkauf von Alice Frankreich ins Auge gefasst hat.
Analysten begrüßten diesen Schritt. "Trotz einer kostspieligen Werbekampagne hat Alice nicht genügend Kunden gefunden, um rentabel zu sein", konstatiert Benoit Debroissia von der Börsengesellschaft Richelieu Finance. Mit einem Anteil von nur 6,2 Prozent am französischen DSL-Markt habe Alice die kritische Größe nicht erreicht. Daraus zieht Telecom Italia
nun die Konsequenzen. Nach Informationen der Tageszeitung "Le Figaro" beauftragte der Konzern die Investmentbank Calyon, Tochter der Großbank Crédit Agricole,
nach Käufern für Alice zu suchen. Das wurde von Telecom Italia
gestern nicht dementiert.
Nach dem Rückzug der Italiener werden sich vier Anbieter den französischen Telekom
- und Internet-Markt teilen. Ex-Monopolist und Marktführer France Télécom
bietet über seine Tochter Orange ein integriertes Paket aus Festnetztelefonie, Internet-Zugang und Fernsehen an. Zu einem monatlichen Fixpreis kann der Kunde unbegrenzt telefonieren, schnell im Netz surfen und eine große Zahl von Fernsehkanälen empfangen.
Der Branchenzweite Vivendi
will dieses in Frankreich sehr erfolgreiche Dreifachangebot auch machen und kauft deshalb den Festnetz-Anbieter Neuf Cégétel. Diese Übernahme hat Vivendi
kurz vor Weihnachten angekündigt. Seither verhandelt die Vivendi
-Mobilfunktochter
SFR mit Neuf-Cégétel-Großaktionär Jean-Louis Dreyfus über den Kaufpreis. Dreyfus gehören 29,5 Prozent von Neuf Cégétel, weitere 40,5 Prozent liegen bereits bei Vivendi.
Neuf Cégétel hat 3,1 Millionen DSL-Kunden. Wenn die Übernahme gelingt, könnte Vivendi
womöglich bald mit Platzhirsch France Télécom
gleichziehen.
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Den dritten Rang auf dem französischen DSL-Markt belegt Newcomer Iliad. Dessen Serviceprovider Free erfand das integrierte Dreifachangebot und jagte France Télécom
damit viele Kunden ab. Im Mobilfunk ist Iliad bisher nicht präsent. Das erweist sich bei der wachsenden Bedeutung des mobilen Internets zunehmend als Schwachpunkt. Deshalb bemüht sich Iliad seit geraumer Zeit um die vierte französische Mobilfunk-Lizenz, konnte sich mit dem französischen Staat bisher aber nicht über den Preis einigen.
Sowohl die bald mit Vivendi
verbundene Neuf Cégétel als auch Iliad werden in Paris als potenzielle Käufer von Alice gehandelt. "Iliad würde seinen DSL-Marktanteil damit von derzeit 19,5 auf 25,7 Prozent erhöhen und könnte signifikante Synergien erzielen", meinen Analysten der Investmentbank Chevreux. Der Unternehmer Xavier Niel, dem 70 Prozent an Iliad gehören, muss aber auch den angekündigten milliardenteuren Ausbau eines Glasfasernetzes und eventuell die vierte Mobilfunk-Lizenz finanzieren.
Neuf Cégétel dagegen setzte immer schon auf externes Wachstum, zuletzt mit den Übernahmen von AOL Frankreich und Club Internet. Daher sei Neuf der wahrscheinlichste Käufer, meint Analyst Debroissia.
Als Kaufinteressent kommt zudem der vierte im Bunde der französischen Telekom
-Anbieter infrage: der Bau- und Medienkonzern Bouygues.
Die Nummer drei auf dem französischen Mobilfunkmarkt ist bisher im DSL-Geschäft nicht präsent.
Schön, aber teuer: Telecom Italia
verdient mit Alice überall Geld - außer in Frankreich. Dort fuhr die DSL-Tochter von Januar bis September 2007 einen Betriebsverlust von 147 Mill. Euro ein bei einem Umsatz von 282 Mill. Euro. Die französische Alice hat 882 000 Kunden, was einem Marktanteil von 6,2 Prozent entspricht. Nach Informationen des Handelsblatts wird sich Telecom Italia
erst Anfang März zum Verkauf von Alice äußern. Als mögliche Käufer werden Neuf Cégétel, Iliad sowie der Kabelfernsehanbieter Numéricable genannt.

