Freenet-Eigentümer fordern Zerschlagung
Investoren erhöhen Druck auf Freenet

Freenet-Chef Eckhard Spoerr gerät immer stärker unter Druck: Mehrere Aktionäre fordern eine Zerschlagung des eben erst fusionierten Internet-Anbieters Freenet mit dem Mobilfunkdienstleister Mobilcom zur gemeinsamen Marke Freenet.

DÜSSELDORF. "Freenet muss zum richtigen Zeitpunkt Werte realisieren, bevor sie wieder verschwunden sind", sagt Paschalis Choulidis, Chef des Mobilfunkdienstleisters Drillisch, dem Handelsblatt. Drillisch ist mit acht Prozent an Freenet beteiligt. "Im Mobilfunk haben wir erlebt, wie schnell mit zunehmend gesättigten Märkten die Unternehmenswerte sinken. Der Breitbandmarkt boomt jetzt - und jetzt werden hohe Prämien bei Verkäufen erzielt. Deswegen sollte Freenet sein Internet-Geschäft verkaufen."

Mit seinen Forderungen steht Choulidis nicht allein da. Gestern hatte auch die britische Fondsgesellschaft Hermes eine Zerschlagung von Freenet gefordert, Ende Mai hatte Hedge-Fonds-Manager Florian Homm dieses Begehren geäußert. Zusammen halten Drillisch, Hermes und Homm gut 16 Prozent an Freenet. Aber das Bild unter den Investoren ist uneinheitlich.

Die Beteiligungsgesellschaft Vatas, mit 19 Prozent der größte Einzelaktionär von Freenet, wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Unternehmenschef Spoerr beteuert jedoch, Vatas würde seinen Kurs stützen. Vatas war erst Ende Mai bei Freenet eingestiegen und hat damals die strategische Positionierung von Freenet nach der Verschmelzung mit Mobilcom als "einzigartige Positionierung" am Markt gelobt, die künftige Wertsteigerungen verspreche.

Auch Sigram Schindler, Geschäftsführer des Telekom-Anbieters Teles, der knapp vier Prozent an Freenet hält, sieht keinen Sinn in einer Aufspaltung. "Ich bin ein strategischer Investor und kein Jäger schneller Schnäppchen", sagt er. Das Internet sei der Wachstumsbereich der Zukunft und sollte deshalb nicht abgespalten werden.

Freenet-Chef Spoerr wehrt sich gegen die Forderungen von Drillisch & Co. "Die Aktionäre können keine Zerschlagung beschließen, das ist Sache des Vorstands", sagte er dem Handelsblatt. Aber eine Aufspaltung kommt Spoerr gar nicht in den Sinn. Er hält weiter an dem kombinierten Angebot von Mobilfunk und DSL fest. "Eine Zerschlagung wäre kontraproduktiv", sagt Spoerr. "Unser Geschäftsmodell ist langfristig ausgerichtet und verspricht erhebliche Synergien."

Freenet war erst kürzlich mit Mobilcom verschmolzen, nachdem Aktionärsklagen die Fusion ein Jahr lang hinausgezögert hatten. "Das Unternehmen hat einige Ziele, die es vor der Verschmelzung genannt hat, nicht erreicht", kritisiert Fondsmanager Michael Muders von Union Investment, die drei Prozent an Freenet halten.

Die künftige Strategie ist aber nicht der einzige Kritikpunkt der Investoren. Unmut erregt auch ein Aktienwertsteigerungsprogramm, das der Aufsichtsrat im vergangenen Jahr abgesegnet hat. Vorstand und ausgewählte Führungsmitglieder haben danach Anspruch auf die Differenz zwischen dem Tageskurs und einem festgelegten Basiskurs. Hermes, Drillisch und Union Investment monieren jedoch, dass dieser Basiskurs viel zu niedrig angesetzt wurde und dem Management deshalb nicht genügend Anreiz biete, den Unternehmenswert zu steigern. Mit dem Programm könne das Freenet-Management 50 Mill. Euro erlösen. Die Investoren haben deshalb Gegenanträge für die Hauptversammlung am 20. Juli eingebracht.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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