Fremantle
TV-Produzent kauft Marketingspezialist Radical Media

Die Bertelsmann-Tochter will unabhängiger von klassischer Fernsehproduktion werden und übernimmt zu diesem Zweck den Marketingspezialisten Radical Media. Der Kauf des Dienstleisters ist ein Meilenstein für den Unterhaltungsproduzenten.
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CANNES. Der weltgrößte TV-Unterhaltungsproduzent Fremantle macht sich mit dem Kauf des Marketingspezialisten Radical Media unabhängiger vom hart umkämpften Produktionsgeschäft. Die Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann hat 60 Prozent an dem führenden audiovisuellen Dienstleister für Markenartikler übernommen.

Radical Media genießt in der Werbewelt einen exzellenten Ruf. Mit 240 Mitarbeitern und Büros in Los Angeles, New York, Sydney, Schanghai und Berlin produziert Radical Media Kampagnen etwa für Microsoft, Apple, IBM und Honda. Beide Unternehmen kooperieren seit rund zweieinhalb Jahren. Die in Berlin ansässige Tochter von Radical Media wird künftig eng mit der Fremantle-Tochter Ufa Brands zusammenarbeiten.

Weder Fremantle noch Radical Media wollten sich zum Kaufpreis äußern. Fremantle-Chef Tony Cohen sagte dem Handelsblatt nur: „Es ist eine bedeutsame Summe.“ In Unternehmenskreisen wurde über einen Kaufpreis von rund 100 Mio. Dollar spekuliert. Das wäre die größte Investition der RTL Group, des Mutterkonzerns von Fremantle, in diesem Jahr.

„Die Übernahme von Radical Media ist für uns ein wichtiger Schritt, um unabhängiger von der klassischen Fernsehproduktion zu werden“, sagte Cohen in Cannes auf der Film- und Fernsehmesse Mipcom. Die Budgets im Produktionsgeschäft sind knapp – das spürt auch der Marktführer Fremantle. Das Wachstum der früheren Jahre ist vorbei, obwohl die großen TV-Unterhaltungsformate wie „Got Talent“, „X-Factor“ und „Idol/Deutschland sucht den Superstar“ international gut laufen.

Im ersten Halbjahr legte der Umsatz von Fremantle leicht von 570 auf 596 Mio. Euro und der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) leicht von 87 auf 90 Mio. Euro zu. Doch für das Gesamtjahr sind die Aussichten durchwachsen. „Die Erholung der Werbemärkte hat ihren Weg noch nicht in den Programmmarkt gefunden“, sagte Cohen. In Branchenkreisen wird erwartet, dass Fremantle 2010 einen rückläufigen Umsatz verzeichnen wird, da viele Produktionsverträge auslaufen oder unter neuen, härteren Bedingungen fortgeführt werden.

Vor diesem Hintergrund ist die Mehrheitsübernahme von Radical Media für Fremantle ein Meilenstein. „Viele Marken sind auf verschiedenen Plattformen unterwegs. Mit Radical Media können wir nun sämtliche Inhalte für Kunden herstellen und haben Zugang zu ihrem Netzwerk“, erklärte Cohen. Der Chef des Marketingspezialisten Radical Media, Jon Kamen, bleibt nach eigener Aussage an Bord. „Als neues Mitglied in der Fremantle-Familie werden wir Zugang zu neuen Kunden und Ländern in den weltweit wichtigsten Vertriebsmärkten erhalten“, sagte Kamen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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