Frequenzauktion ist beendet
Milliardenspritze für den Bund

Die Versteigerung neuer Mobilfunkfrequenzen für das schnelle Internet ist drei Wochen nach dem Start mit einem Erlös von knapp 5,1 Milliarden Euro zu Ende gegangen. Das ist deutlich mehr als vorab erwartet.
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MainzDie Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen geht mit einem Endergebnis von mehr als fünf Milliarden Euro zu Ende. Die drei Bieter Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica Deutschland („o2“) haben zusammen 5,08 Milliarden Euro geboten, teilte die Bundesnetzagentur am Freitag mit.

Das Spiel hatte an einem grauen Morgen Ende Mai in einem großen, aber unauffälligen Gebäude in einem Mainzern Vorort begonnen. Es hatten sich Vertreter von Politik und den drei in Deutschland tätigen Mobilfunkanbietern zusammengefunden. Doch die wirklichen Zocker der Konzerne hielten sich im Hintergrund – die Techniker, Spieltheoretiker, Finanzexperten und Strategen.

Nach dem obilgatorischen Druck auf die Auktionsuhr zogen sie sich für die kommenden 16 Auktionstage in abgeschirmte Räume zurück, versuchten durch strategische Gebote den anderen klarzumachen, welche der zur Versteigerung stehenden Bänder sie unbedingt haben wollen und welche vielleicht. Angeboten waren 31 Frequenzblöcke in vier Kategorien: 700 und 900 Megahertz, 1,5 und 1,8 Gigahertz.

Am Ende boten sie sich gegenseitig auf eine Gesamtsumme von 5.081.236.000 Euro hoch. Die Auktion war damit teurer als Experten erwartet hatten. Sie hatten mit einem Ergebnis von höchstens 4,5 Milliarden Euro gerechnet. Die Gebote der Telekom betragen insgesamt 1,79 Milliarden, die von Vodafone auf 2.09 Milliarden und die der Telefonica auf rund 1,2 Milliarden Euro. Letztere ist durch die Fusion von Telefonica mit E-Plus noch mit Spektrum versorgt.

Nach einem gewaltigen Start wegen der Mindestgebote, durch die nach zehn Minuten bereits 1,3 Milliarden Euro erreicht wurden, sah es zunächst danach aus, als würde die Versteigerung früh zu Ende gehen und weniger einbringen, als sich der Bund erhofft hatte. Nur bei den 1,8 Gigahertz und 900 Megahertzblöcken wurde gekämpft. Doch vor wenigen Tagen schossen dann auch auf einmal die Gebote für die 700er Frequenzen durch die Decke, nachdem ein Unternehmen das dortige „Gentlemen‘s Agreement“ gebrochen hatte. Innerhalb eines Tages stiegen die Gebote um rund 500 Millionen Euro.

Doch zum Schluss zog Telefonica einige Gebote zurück. Nach Ansicht von Beobachtern hat das Unternehmen damit seinen Aufgabewillen deutlich gemacht. Kurz Zeit später war die Auktion vorbei.

Einige der Erlöse teilen sich Bund und Länder. Mit dem Geld wollen sie den Ausbau des Breitband-Festnetzes fördern sowie die Aufrüstung der Kupferkabel. Über die Frequenzen, so das Kalkül, sollen erfolgreiche Bieter Turbo-Internet mobil bis in den letzten Winkel des Landes anbieten, da wo sich der Glasfaserausbau nicht lohnt.

Die Bundesregierung verfolgt ein hehres Ziel: Bis 2018 sollen alle deutschen Haushalte ans schnelle Internet von mindestens 50 Megabit pro Sekunde angeschlossen sein – entweder über das Festnetz oder das Mobilfunknetz.

Die Autorin ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte. Sie erreichen sie unter: karabasz@handelsblatt.com
Ina Karabasz
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen & Märkte

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