Frisierter Lebenslauf
Yahoo-Chef Thompson muss gehen

Yahoo kommt nicht zur Ruhe: CEO Scott Thompson ist nach der Affäre um einen gefälschten Uni-Abschluss zurückgetreten. Ein Nachfolger steht fest - und seine Aufgaben sind beträchtlich. Der einstige Internetpionier wankt.
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New YorkMassiver Umbau an der Führungsspitze: Der CEO des Internetkonzerns Yahoo, Scott Thompson, nimmt nach der Affäre um einem erfundenen Abschluss in Informatik in seinem Lebenslauf nach nur knapp vier Monaten Amtszeit seinen Hut. Yahoos Media-Chef, Ross Levinsohn, wird nach einer Mitteilung des Unternehmens aus dem kalifornischen Sunnyvale die Geschäfte übergangsweise führen, bis ein neuer CEO gefunden ist.

Das wird eine Aufgabe für Fred Amoroso, der gleichzeitig zum neuen Vorsitzenden des Verwaltungsrats ernannt wird und den seit langem umstrittenen Roy Bostock ablöst. Mit dem Großaktionär Third Point, einem Hedgefonds unter Führung des Aktionärs-Aktivisten Daniel Loeb, sei zudem eine Vereinbarung getroffen worden, die Streitigkeiten hinsichtlich der Neubesetzungen des Aufsichtsrats beizulegen. Third Point wird für die überarbeitete Kandidatenliste von Yahoo stimmen, auf der jetzt auch Third-Point-Chef Loeb steht. Damit wären die drohenden Kampfabstimmungen auf der anstehenden Aktionärsversammlung vom Tisch.

Für Großaktionär Loeb, der die Affäre um den geschönten Lebenslauf des CEO aufgedeckt hatte, ist der Machtwechsel ein überragender Triumph auf der ganzen Linie. Thompson, zuvor President des Bezahldienstes PayPal, war im Januar wie aus dem Nichts als Hoffnungsträger bei Yahoo aufgetaucht, was schon für viel Verwunderung gesorgt hatte.

Nach Informationen des Blogs AllthingsDigital hatte er sich selbst beim Board ins Spiel und an die Spitze der Kandidatenliste gebracht. Um so größer jetzt die Blamage für das Aufsichtsgremium, das sich vorwerfen lassen muss seinen Wunschkandidaten eigentlich gar nicht überprüft zu haben. Loeb hatte in einem offenen Brief süffisant erklärt, eine „einfache Google-Suche“ hätte ausgereicht, die Schummelei zu entdecken. Peinlicher geht es nicht mehr.

Das Ganze wiegt besonders schwer, nachdem bereits Thompsons Vorgängerin, Carol Bartz, im September 2011 nach nur anderthalb Jahren wegen unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten spektakulär per Telefon wieder gefeuert wurde. Barts hatte in Interviews den Aufsichtsrat später als "völlig ahnungslos" bezeichnet. Aktionäre und Analysten werfen dem Aufsichtsgremium seit Jahren Unfähigkeit und permanente Fehlentscheidungen vor. Als größter Fehler gilt die Ablehnung eines Übernahmeangebots von Microsoft in 2008 für rund 45 Milliarden Dollar. Heute liegt die Börsenbewertung Yahoos nur noch bei 18 Milliarden Dollar.

Thompson hatte sich in der vergangenen Woche noch in einer internen E-Mail für die Situation entschuldigt, die durch den inkorrekten Lebenslauf entstanden sei und angekündigt, die volle Verantwortung zu übernehmen. Laut AllThingsDigital ist die Personalberatung Heidrick und Struggles im Besitz eines von Thompson eingereichten Lebenslaufs, der bereits den falschen Informatik-Abschluss enthalten soll. Das habe die Situation zum Schluss unhaltbar gemacht, heißt es.

Kommentare zu " Frisierter Lebenslauf: Yahoo-Chef Thompson muss gehen"

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  • Würde sagen diese Affäre wirft generell ein sehr schlechtes Image auf alle Manager/innen welche mal beim Internet (ex) Gigant Yahoo beschäftigt waren.
    Schade für diese "Zunft"!

  • Drogenuntergeschoben und selbstausgedruckt, Frau Ro__ic?

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