Front der Kritiker wächst
Für die Digitalkanäle von ARD und ZDF wird es eng

Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat sich der Forderung nach einer Reduzierung der Digitalkanäle von ARD und ZDF angeschlossen. Vielmehr sollten sich die Sender auf ihren eigentlichen Funktionsauftrag besinnen.
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BerlinKulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), hat ARD und ZDF aufgefordert, ihre Digitalkanäle zu reduzieren. Damit unterstützte er am Mittwoch Forderungen des Vorsitzenden der Rundfunkkommission der Länder, Kurt Beck (SPD). Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident hatte im Fachmagazin „promedia“ vorgeschlagen, dass ARD und ZDF zunächst ihre Infokanäle aufgeben und Phoenix als gemeinsamen Ereignis- und Dokumentatonssender stärken. Beck sagte, er sehe keine Notwendigkeit, „neben den hervorragenden Kultursendern Arte und 3sat zwei weitere öffentlich-rechtliche Kulturkanäle anzubieten“.

Neumann argumentierte, alle müssten den Gürtel enger schnallen, und eine Gebührenerhöhung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sei nicht in Sicht. Alle müssten den Gürtel enger schnallen, und eine Gebührenerhöhung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sei nicht in Sicht. „Deshalb sollten ARD und ZDF sich wieder verstärkt auf ihren eigentlichen Funktionsauftrag besinnen und eher ihre Vollprogramme sowie die Kultur- und Infosender wie Arte, 3sat und Phoenix qualitativ stärken, anstatt ihre Programmangebote immer weiter auszudehnen und zu zersplittern.“

Ein anspruchsvolles Informations- und Kulturprogramm anzubieten, gehöre zu den Stärken und Aufgaben von ARD und ZDF, sagte der Staatsminister. Dieses sollte nicht zunehmend auf Digitalkanäle verlagert werden. „Auch das Ziel, mehr junge Leute als Zuschauer zu gewinnen, darf nicht primär digitalen Kanälen überlassen bleiben, sondern ist Aufgabe aller Programme.“

Neumann wies allerdings auch darauf hin, dass die Bundesländer die Anzahl der Programme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks staatsvertraglich festgelegt hätten. Es sei auch Aufgabe der Länder, eine Veränderung herbeizuführen.

Der Staatsminister unterstützte ausdrücklich auch Becks Mahnung an die privaten Rundfunkveranstalter, die staatsvertraglichen Vorgaben, nämlich einen angemessenen Anteil an Information, Kultur und Bildung einzuhalten.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Front der Kritiker wächst: Für die Digitalkanäle von ARD und ZDF wird es eng"

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  • Gerade die Infokanäle Bereichern die Öffentlich-Rechtlichen. Offensichtlich haben das auch schon die Privaten an ihren Zuschauerzahlen gemerkt und die ihnen geneigte Politik arbeitet daran. In öffentlichen Interesse ist das nicht.

  • @alecks: Nun gerade deswege die oft als "Verflachung" kritisierte Konzentration auf Einschaltquote beim gleichzeitigen Versuch sich neue Distributionskanäle zu erschließen: Wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk mangels Reichweite als nicht mehr relevant angesehen wird, sinkt dessen Akzeptanz und er stirbt einen langsamen Tod. Nur wenn die öffentlich-rechtlichen hier Schritt halten, haben sie eine Zukunft. Ich wäre ja schon zufrieden, schüfe man einige "Programminseln" in denen man Neues, gerne auch etwas anspruchsvolleres, bietet. Das könnten die Digitalkanäle sein, denen man jetzt ab den Strom abstellen möchte.

  • Empfehlenswert dazu dieser Artikel

    http://www.zeit.de/2010/31/Oeffentliche-Anstalten
    .......................................................
    Im Internetzeitalter/Informationszeitalter wird es eng werden um eine Existenzberechtigung von ARD, ZDF & Co.
    Wenn die mit dem öffentlich-rechtlichen-Rundfunk aufgwachsene Generation abdankt, wird sich wohl ein Systemwechsel durchsetzen hin zu einem FÜR ALLE GERECHTEN SYSTEM, das heute längst Realität sein könnte: Nur soviel wie nötig und die Besinnung auf eine WIRKLICHE Grundversorgung. Das Informationsmedium ist aber heute schon längst nicht mehr das Fernsehen, geschweige denn die Tagesschau o.ä., sondern sind Twitter, Facebook, Internetzeitungen usw.
    Einem Volk dazu noch ein öffentlich-rechtliches System AUFZUZWINGEN wird nicht mehr funktionieren oder nur unter erheblichem Druck.

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