Frühestens im Herbst 2007
Gebühr für Satelliten-TV kommt später

Europas größter Satellitenbetreiber SES Astra plant nach Informationen des Handelsblatts eine Verschiebung der umstrittenen monatlichen Satelliten-Gebühr. Damit können die Zuschauer noch ein paar Monate länger gratis fernsehen, bevor sie zur Kasse gebeten werden.

DÜSSELDORF. Laut einer Präsentation für Investoren soll mit der Verschlüsselung erst zwischen dem dritten Quartal 2007 und dem zweiten Quartal 2008 begonnen werden. Bisher war immer die Rede davon, dass Astra bereits in der ersten Hälfte des kommenden Jahres die Gebühr von monatlich 3,50 Euro einführen werde. Ein Sprecher des Luxemburger Branchenprimus’ sagte: „Wir können angesichts der Überprüfung durch das Bundeskartellamt nicht von konkreten Zeitplänen sprechen.“

Derzeit überprüft das Bundeskartellamt das umstrittene Vorhaben. Es wird von ARD und ZDF, aber auch von Teilen der Werbewirtschaft scharf kritisiert. Bis wann die Kartellwächter ihre Entscheidung fällen, ist nach Angaben der Behörde noch offen. „Es gibt keine Frist, aber wir wollen natürlich so schnell wie möglich zu einer Entscheidung kommen“, sagte eine Sprecherin der Bonner Behörde. Wie aus Kreisen von beigeladenen Unternehmen zu erfahren war, hat die Kartellbehörde aber noch nicht einmal die Unterlagen verschickt. Auch SES übt sich in Geduld. „Für uns ist das eine mittel- und langfristige Entwicklung der digitalen Infrastruktur der Satellitenkommunikation“, sagte ein Sprecher.

Der französische Satellitenbetreiber Eutelsat hält nichts von der Einführung einer Satellitengebühr. „Wir sind überzeugt, dass durch die Abschöpfung des Endkunden die Digitalisierung verlangsamt wird“, sagt Eutelsat-Vorstand Volker Steiner dem Handelsblatt. „Wir streben keine Endkundenbeziehungen an“, betonte der frühere Telekom-Manager.

Die hoch profitable SES hingegen will über die Satellitengebühr neue Geschäftsfelder wie Werbung, Vermarktung oder Logistik erschließen. „Die Schaffung einer adressierbaren Plattform ist für die Sendeunternehmen unerlässlich, um neue Geschäftsmodelle und Erlösquellen zu erschließen“, schrieb Ferdinand Kayser, Vorstandschef von SES Astra, kürzlich an einen Intendanten eines öffentlich-rechtlichen Senders.

Deutschland ist für SES der mit Abstand wichtigste Markt. Derzeit zählt der Konzern 16,4 Mill. Satellitenhaushalte. Davon empfangen bereits nach Unternehmensangaben 6,3 Mill. Haushalte digitale Programme. In vier bis sechs Jahren soll ganz Deutschland nur noch digitales Fernsehen empfangen können.

Sollten die Pläne von SES Wirklichkeit werden, brauchen Fernsehzuschauer in Zukunft für den Satellitenempfang eine Zugangskarte (Smartcard), die eine monatliche Gebühr kostet. Derzeit sind die Satellitenprogramme noch unverschlüsselt und gratis zu empfangen. Das ist noch der große Vorteil im harten Wettbewerb zum Kabel.

Sollte das Kartellamt die Luxemburger Gebührenpläne genehmigen, gelänge Astra damit der Eintritt in das lange ersehnte Endkundengeschäft, das stabile Zusatzeinnahmen brächte. Nach einer internen Rechnung erwartet Astra in sechs Jahren zwischen 16 und 17 Mill. zahlende, digitale Satelliten-Haushalte. Damit könnte der börsennotierte Konzern zusätzliche Bruttoeinnahmen von über 600 Mill. Euro jährlich erzielen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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