Führungswechsel bei der Telekom
Ricke-Sturz von langer Hand vorbereitet

Der Führungswechsel bei der Deutschen Telekom ist offenbar in enger Abstimmung zwischen Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel und der Bundesregierung als größtem Anteilseigner erfolgt. Dabei machte der Bund sogar mit einer „Heuschrecke“ gemeinsame Sache, wodurch auch Ron Sommer wieder ins Spiel kam.

HB BERLIN. Wie der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Torsten Albig, am Montag in Berlin erklärte, sind in den vergangenen Wochen „Szenarien diskutiert worden“, so dass man handlungsfähig gewesen sei für die dann eingetretene Situation. Albig betonte jedoch, die Bundesregierung habe keinerlei Druck ausgeübt. Das habe sie nicht nötig. Das Unternehmen habe einen starken Aufsichtsratsvorsitzenden und einen starken Aufsichtsrat, in dem der Bund als größter Anteilseigner stark vertreten sei. „Wir haben ein hohes Interesse daran, dass die großen Wachstumschancen, die das Unternehmen hat, genutzt werden, genauso wie wir großes Interesse daran haben, dass die aktuellen Probleme, vor denen das Unternehmen steht, kurzfristig erfolgreich gelöst werden“, sagte der Sprecher.

Erste deutliche Warnungen in Richtung Telekom sandte SPD-Fraktionschef Peter Struck schon Ende Oktober aus, als über einen weiteren radikalen Stellenabbau diskutiert wurde. Der Bund halte zwar nur rund 30 Prozent der Aktien, werde seinen Einfluss bei Europas größten Telekomkonzern aber ausüben, sagte Struck unmissverständlich an die Adresse von Ricke.

Und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) gab zuletzt die in Kapitalmarktfragen sonst übliche Zurückhaltung auf und machte seinem Ärger über den dahindümpelnden Kurs der T-Aktie ordentlich Luft: Wegen des enttäuschenden Kursverlaufs sei ein für Ende 2006 geplanter Verkauf von Telekom-Aktien über „Platzhaltergeschäfte“ vertagt worden - mit entsprechenden Milliarden-Ausfällen für den klammen Bundesetat.

Steinbrück hatte bereits Ende April den Druck auf Ricke erhöht, als er für 2,7 Mrd. Euro 4,5 Prozent an den US-Finanzinvestor Blackstone verkaufte. Ein Jahr zuvor waren die Amerikaner in der SPD als „Heuschrecke“ verunglimpft worden. Steinbrücks Strategie: Die Finanzprofis von Blackstone sollten dem einst als Volksaktie gefeierten T-Papier auf die Sprünge helfen, damit der Bund sein Restpaket von knapp 32 Prozent lukrativ versilbern kann. Als Einstieg in den Ausstieg könnte eine Kursmarke von 17 Euro je Aktie gelten, heißt es.

Weil Ricke den Kundenschwund im Festnetz nicht stoppen konnte und mit einer unerwarteten Gewinnwarnung die beiden Großaktionäre zusätzlich verärgerte, soll Steinbrück Unternehmenskreisen zufolge bereits vor etwa einem Monat den Daumen über Ricke gesenkt haben. Gemeinsam mit Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel sei das Szenario für den schnellen Stabwechsel zu René Obermann entwickelt worden.

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