Führungswechsel bei der Telekom
Risikofreudiger, frecher, härter

René Obermann als Nachfolger von Kai-Uwe Ricke für den Posten des Konzernchefs der Deutschen Telekom ist eine gute Wahl – da sind sich die Analysten weitgehend einig. Ob er so viel besser machen kann als Ricke, bezweifeln die Experten allerdings. Anders wird sein Führungsstil aber in jedem Fall: Risikofreudiger, frecher, härter – das sind die Attribute, die die Experten Obermann im Vergleich zu Ricke zuschreiben.

DÜSSELDORF. „Ricke hat eher mit der Diplomatiekarte gespielt“, sagt Robert Gallecker von der Bayerischen Landesbank. „Obermann wird da vielleicht ein bisschen forscher vorgehen.“ Die grundsätzlichen Schwierigkeiten allerdings könne auch der 43-Jährige nicht wegzaubern. „Die Probleme können nicht an der Person von Herrn Ricke festgemacht werden“, sagt Gallecker. Aber auch wenn er etwas habe ändern wollen, sei dies bei den festgefahrenen Strukturen der Telekom nicht so einfach.

„Ich weiß nicht, ob ein neuer Mann so viel bewegen kann“, sagt deshalb auch Andreas Heinold von der LBBW. „Die Rahmenbedingungen bleiben ja die gleichen.“ Die Telekom hat zum einen mit der Regulierungsbehörde zu kämpfen, zum anderen mit dem aufgeblähten Beamtenapparat in der Festnetzsparte. In einer solchen Situation sei es schwierig und zäh, große Änderungen herbeizuführen. Vor allem die schlechte Entwicklung im Festnetzbereich war Ricke zum Verhängnis geworden. Allein im ersten Halbjahr 2006 hat die Telekom hier eine Million Kunden verloren. Gallecker sieht aber wenig Spielraum: „Der Wettbewerb erfordert eine höhere Geschwindigkeit, als die Festnetzsparte momentan bereit ist zu gehen.“

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Die Experten sehen daher eher kleine Schritte, die Obermann nun gehen kann. Der Trend geht dahin, dass das normale Festnetztelefon von der Internettelefonie abgelöst wird. „Da wird sich ein Neuer auch erst mal dran versuchen müssen“, sagt Heinold. Die Mobilfunksparte habe der bisherige T-Mobile-Chef vorbildlich geführt. Nun müsse er aber noch Tausende andere Dinge berücksichtigen. Interessant sei etwa, ob er beim Sieben-Punkte-Programm noch etwas drauflegt. Dieser von Ricke im September vorgelegte Plan sieht Preissenkungen im Mobilfunk und Festnetz vor, ein Sparprogramm sowie die Stärkung des Telekom-Service. Vielen war das zu wenig. Heinold sieht zudem Potenzial in den Bereichen Akquisition und Ausschüttungspolitik. Beides würde jedoch höhere Schulden nach sich ziehen. „Das ist eine Gratwanderung, die der neue Mann schaffen muss“, sagt er.

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