Fünf Jahre nach Voicestream
Telekom denkt wieder an große Zukäufe

Der Schuldenabbau zeigt Wirkung, die Deutsche Telekom ist zurück in der Gewinnzone und zahlt wieder eine Dividende. Jetzt kann sich der deutsche Marktführer auch wieder wie ein wahrer Weltkonzern aufführen und nach langer Pause erneut im internationalen Poker um Übernahmen mitmischen.

HB DÜSSELDORF. Erst war es eine kleinere Akquisition in Spanien, dann vorige Woche ein schon stattliches Investment in Österreich, und nun räumten die Bonner ein, sich eine Größenklasse weiter sogar am Erwerb des multinationalen Mobilfunkers O2 versucht zu haben. Mit ihren Expansionsgelüsten stehen sie nicht allein - in den vergangenen Monaten haben bedeutende europäische Wettbewerber wie France Telecom oder die spanische Telefonica bereits große Zukäufe gestemmt.

Die Gespräche mit dem niederländischen Telekommunikationskonzern KPN über einen gemeinsamen Kauf des britischen Mobilfunkanbieters O2 blieben zwar erfolglos, doch Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke kann eine grundsätzliche Bereitschaft zu einer Großakquisitionen nicht mehr verhehlen. Die Londoner Börse zwang ihn mit einer Anfrage zu O2, Farbe zu bekennen. Nach Einschätzung von Experten hätten die Deutsche Telekom und KPN für O2 insgesamt rund 20 Mrd. Euro auf den Tisch legen müssen.

Den gescheiterten Großeinkauf in Großbritannien werten Experten als einen Strategiewechsel der Telekom. „Wenn man sich für solche Größenordnung stark macht, deutet dies auf eine Abkehr von der moderaten Akquisitionspolitik“, sagt Helaba-Analyst Holger Bosse.

In purer Kauflaune sei die Telekom zwar nicht, hat Ricke vor wenigen Tagen noch einmal erklärt. Aber nach guten Gelegenheiten in den Kernmärkten Mitteleuropa, USA und Großbritannien halte man schon Ausschau. Auch Analyst Frank Rothauge vom Bankhaus Oppenheim meint, der Konzern wolle Marktanteile dort ausbauen, wo er bereits präsent ist. „Auf diesem Wege lassen sich erhebliche Synergien gewinnen“, sagt der Experte. Das wäre seiner Ansicht nach auch bei einer Einverleibung von O2 der Fall.

Das britische Unternehmen, eine Abspaltung des nur noch im Festnetz aktiven Ex-Monopolisten British Telecom, gilt schon seit langem als Kaufobjekt. Am Wochenende war durchgesickert, dass die Telekom und der Konkurrent KPN einen Plan für eine gemeinsame Übernahme und anschließende Teilung ausheckten: Die Niederländer sollten demnach die O2-Tochter in München bekommen, den schnell wachsenden viertgrößten deutschen Mobilfunkbetreiber. Für die Telekom wären die O2-Aktivitäten in England und Irland gewesen.

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