Für den Durchbruch fehlen Standards
Das Mobiltelefon macht dem Portemonnaie Konkurrenz

Das Portemonnaie, das in der Hosentasche drückt, kann vielleicht bald Zuhause bleiben. Denn zu all den multimedialen Sonderfunktionen des Handys hat sich die elektronische Geldbörse gesellt. Doch noch hapert es an ausreichend Händlern, die die Zahlung über das Mobiltelefon akzeptieren. Anbieter für diesen Service gibt es hingegen schon jede Menge.

HB DÜSSELDORF. Im März diesen Jahres hat die NCS Mobile Payment GmbH „Crandy“ auf den Markt gebracht. Mit dem System kann der Handy-Besitzer nicht nur im Geschäft bezahlen, sondern auch die Prepaid-Karte des Mobiltelefons aufladen oder Geld zu einem anderen Crandy-Nutzer überweisen. Technisch funktioniert ein Einkauf so: Der Kunde ruft eine bestimmte Telefonnummer an. Das System schickt daraufhin eine Transaktions-PIN, die der Kunde dem Händler nennt. Der Händler trägt den Betrag samt PIN in sein Telefon ein. Der Kunde bekommt darüber eine Meldung aufs Handy, die er abschließend bestätigen muss.

Die Gebühren für beide Seiten liegen bei je 15 Eurocent. Für den Händler ist das günstig. Denn wenn Kunden mit Kreditkarte zahlen, kostet ihn das bis zu fünf Prozent vom Rechnungsbetrag. Crandy krankt aber an den wenigen Händlern, die mitmachen – nur rund 300. Ursprüngliches Ziel bis Jahresende waren 100 000. Jetzt soll verstärkt auf das Handy-Bezahlen an Getränkeautomaten und Co. gesetzt werden. Bei den Kunden peilt der Dienstleister die Million an. Aktuell sind es 100 000.

Mehr als 700 000 Menschen sind bei der Moxmo AG registriert. Die Düsseldorfer haben hierzulande Kundenstamm und Geschäft der Paybox AG übernommen, dem 2000 gestarteten Pionier des Handy-Bezahlens in Deutschland. Anders als bei Crandy funktioniert das System nur bei Einkäufen übers Internet. Wer bei bol.de oder lenscare.de einkauft, wählt als Zahlungsweg Moxmo und gibt seine Nummer an. Das System meldet sich auf dem Handy des Kunden, der die Bestellung mit seiner persönlichen PIN bestätigt. Moxmo-Kunden zahlen pauschal 9,50 Euro im Jahr.

„Photopay“ der Fun Communications GmbH aus Stuttgart macht sich die Fotofunktion vieler Handys zunutze. Der Kunde fotografiert einen speziellen Strichcode vom Monitor an der Ladenkasse oder Zuhause ab. Der Code enthält alle für den Bezahlvorgang nötigen Daten wie den Betrag oder Händlernamen. Per Tastendruck auf dem Handy wird der Vertrag bestätigt. Das zur Cebit im März vorgestellte System ist aber noch nicht im Einsatz.

In puncto Sicherheit lassen sich die Handy-Bezahldienste mit Kreditkarten vergleichen. Völlig vor Missbrauch geschützt sind sie also nicht: Wem ein fremdes Mobiltelefon in die Hände fällt und dazu auch noch die passende PIN-Nummer, der kann auf Kosten des Besitzers einkaufen. Verbraucherschützer sorgen sich darüber hinaus um den Schutz der Kundendaten. Die Serviceanbieter wissen schließlich genau, wer wann wo was bezahlt hat – ein gefundenes Fressen für Absender gezielter Werbung. Von Crandy und Moxmo heißt es aber einhellig: „Wir geben auf keinen Fall Daten an Dritte weiter.“

Die Verbreitung des Mobile Payment wird durch die inkompatiblen Verfahren gebremst. Denn kaum ein Händler wird mehrere unterschiedliche Systeme nebeneinander anbieten. Joachim Henkel vom Münchner Institut für Innovationsforschung und Technologie-Management fordert deshalb „eine Einigung auf einen gemeinsamen Standard zwischen deutschen Anbietern wie auch international“.

Über eine solche Standardisierung diskutieren die Mobilfunkbetreiber E-Plus, O2, Vodafone und T-Mobile schon seit Jahren – ohne Ergebnis. „Was wir da erleben, ist jämmerlich“, sagt Fritz Milosevic, Berater für Mobile Business bei der Bonner Unternehmensberatung Detecon International. Es könne noch Jahre dauern, bis es zu einer Einigung komme. „Aber sie kommt, denn Mobile Payment ist unerlässlich, um den Markt für Telekommunikation weiter zu entwickeln.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%