Fujitsu Siemens
PC-Preiskampf gefährdet deutsche Arbeitsplätze

Der größte europäische Computerhersteller Fujitsu Siemens (FSC) erwägt angesichts des Preisdrucks im IT-Markt eine Verlagerung der PC-Produktion aus Deutschland in ein Niedriglohnland. Der Computerbauer muss reagieren, denn die letzten Zahlen waren miserabel.

HB HANNOVER. „Unsere Überlegung ist, dass wir uns mittelfristig in unseren Werken in Augsburg und Sömmerda auf hochwertige Produkte wie Server und Speicher konzentrieren, um die Standorte langfristig sichern zu können“, sagte Fujitsu- Siemens-Chef Bernd Bischoff der „Financial Times Deutschland“ (Donnerstagausgabe). Vorstellbar sei etwa, dass Auftragsfertiger die Computer zusammenbauen. Diese Entwicklung sei aber nichts, was sofort passiere, sondern sich über einige Jahre hinziehen könne.

Der Computerbauer muss reagieren, denn die letzten Zahlen waren miserabel: Während die Wettbewerber zum Teil kräftig zulegen konnten, musste FSC auf breiter Front Marktanteile abgeben. "Wir haben in einem schwierigen und hart umkämpften Markt weiterhin auf Profitabilität vor Umsatz gesetzt", begründete FSC-Chef Bernd Bischoff am Mittwoch auf der IT-Messe Cebit in Hannover die jüngsten Misserfolge. Wettbewerber dagegen hätten sich zum Teil auf Geschäfte mit absehbaren Millionenverlusten eingelassen.

So fiel der Marktanteil im PC-Geschäft von FSC vergangenes Jahr nach Berechnungen der Marktforscher von Gartner von knapp 19 Prozent auf 17 Prozent. Damit ist FSC zwar nach wie vor unangefochten die Nummer eins auf dem Heimatmarkt Deutschland. Doch die Verfolger Hewlett-Packard (HP), Acer und Dell konnten alle stark zulegen und damit den Abstand verringern.

"Die größte Herausforderung für FSC ist weiterhin der Preiskampf", urteilten jüngst die Experten von Gartner. Das bestätigt das Unternehmen. "Der Preisverfall war sehr brutal. Über das Jahr gesehen sind die Preise um etwa 20 Prozent eingebrochen", klagte FSC-Chef Bischoff.

Nicht viel besser sieht es für FSC im wichtigen und lukrativen Geschäft mit Großrechnern, so genannten Servern, aus. Hier war das Unternehmen gemeinsam mit Partner Fujitsu 2006 weltweit der größte Verlierer. Zudem liegt FSC/Fujitsu weit abgeschlagen auf Rang fünf hinter IBM, HP, Sun und Dell.

Als wäre das alles nicht schlimm genug, hat sich FSC in den vergangenen Monaten auch viel mit sich selbst beschäftigt. Der Konzernumbau, dem 400 Stellen zum Opfer fielen, schlug in dem jetzt zu Ende gehenden Geschäftsjahr (31. März) mit 55 Mill. Euro zu Buche. Deshalb brach der Vorsteuergewinn von 121 Mill. Euro auf 85 Mill. Euro ein.

Immerhin: Der Umsatz kletterte leicht auf sieben Mrd. Euro. Allerdings ist darin auch bereits das Dienstleistungsgeschäft enthalten, das FSC vergangenes Jahr vom Anteilseigner Siemens übernommen hat.

FSC ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und dem japanischen Technologiekonzern Fujitsu. Die Firma mit Sitz in München beschränkt sich auf den Vertrieb und den Service in Europa, dem Nahen Osten und Afrika. Im Rest der Welt vertreibt Fujitsu die Rechner.

FSC steht in einem harten Wettbewerb mit Konkurrenten, die alle wesentlich größer sind. Deshalb wird in der IT-Branche schon lange spekuliert, dass FSC langfristig die Luft ausgeht. Selbst riesige Konzerne wie der langjährige PC-Weltmarktführer Dell suchen in diesen Tagen nach neuen Wegen, um im Computergeschäft noch Geld zu verdienen. So hat Dell erst vor wenigen Wochen fast das gesamte Top-Management ausgetauscht.

Für das neue Geschäftsjahr, das in zweieinhalb Wochen beginnt, verspricht FSC eine steigende Nachfrage bei allerdings weiter hartem Wettbewerb. "Wir wollen eine profitable Umsatzsteigerung erreichen", sagte Bischoff.

Konkrete Zahlen nannte der Manager allerdings nicht. Dabei dürfte das Unternehmen davon profitieren, dass die Kosten jetzt deutlich unter denen des zu Ende gehenden Geschäftsjahres liegen. Zudem werden die Kosten für den Umbau des Unternehmens niedriger ausfallen als zuletzt.

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