Furcht vor Umsatzeinbußen
Telekom will Resale mit aller Macht verhindern

Die Deutsche Telekom will sich mit aller Macht gegen den Weiterverkauf eigener Produkte und Dienste an Wettbewerber wehren. Entsprechende Anordnungen durch die Telekom-Regulierungsbehörde und gerichtliche Entscheidungen will die Telekom nun erneut mit juristischen Mitteln zu Fall bringen.

Reuters BONN. „Wir werden der Regulierungsbehörde kein neues Resale-Angebot vorlegen und gegen die ergangene Missbrauchsfeststellung Rechtsmittel einlegen“, kündigte der Leiter Regulierung bei der Telekom, Frank Schmidt, am Freitag in Bonn an. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post hatte die Telekom zuletzt zur Nachbesserung einer Resale-Offerte für den Konkurrenten Tele2 binnen zwei Monaten aufgefordert. Ein Sprecher der Behörde sagte, die Telekom sei auf Grund gerichtlicher Entscheidung zum Weiterverkauf ihrer Leistungen an Wettbewerber verpflichtet. Ihm sei nichts davon bekannt, dass die Telekom dieser Verpflichtung nicht nachkommen wolle.

Die Telekom lehnt Resale ab, da sie dadurch unter anderem deutliche Umsatzeinbußen befürchtet. Zu den möglichen geschäftlichen Einbußen wollte sich Schmidt zwar nicht äußern. Vor gut zwei Jahren hatte die Telekom aber in einem Brief an die Bundesregierung als Hauptaktionär vor der Einführung von Resale gewarnt: „Durch Resale wird die Entwicklung des Infrastrukturwettbewerbs gehemmt.... Eine Resale-Verpflichtung bringt sowohl unmittelbar als auch mittelbar Umsatzrückgänge der Deutschen Telekom in Milliardenhöhe mit sich“, schrieb die Telekom damals.

Auf Druck der Regulierungsbehörde und der Gerichte verhandelte die Telekom jedoch in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Anbietern über den Wiederverkauf ihrer Produkte. Das erneute Beschreiten des Rechtswegs begründete die Telekom wieder mit grundsätzlichen Erwägungen. „Auf Grund der hohen ordnungspolitischen Bedeutung halten wir eine juristische Klärung für unerlässlich“, sagte Schmitt. Das Vorgehen fällt zeitlich mit den Beratungen der Bundesregierung über einen neuen Rechtsrahmen für den Telekom-Markt zusammen. In der Gesetzesnovelle könnten weitreichende Vorschriften über Resale-Verpflichtungen marktbeherrschender Unternehmen festgeschrieben werden.

„Statt eines Wettbewerbs verschiedener Netz-Infrastrukturen und Produkte werden durch Resale lediglich Umsätze und Marktanteile von der Telekom zu den Wettbewerbern verschoben“, kritisierte Schmidt. Seit dem Jahr 1998 ist der von der Telekom dominierte Markt für andere Anbieter freigegeben, was zu einer scharfen Konkurrenz um die Privat- und Geschäftskunden auf dem größten europäischen Einzelmarkt geführt hat. Um ihre Kunden mit Diensten versorgen zu können, haben Wettbewerber der Telekom überwiegend eigene Leitungen verlegt oder Netzkapazitäten der Telekom angemietet. Einige Wettbewerber fordern zudem seit Jahren die Möglichkeit, Leistungen der Telekom mit Abschlag zu beziehen und auf eigene Rechnung weiterveräußern zu dürfen. Damit ließen sich zu günstigen Konditionen auch in abgelegenen Regionen Kunden gewinnen.

Die Telekom argumentiert, dass mit der generellen Möglichkeit des Wiederverkaufs die Motivation in eigene Netzkapazitäten zu investieren geschmälert wird. „Statt Teilnehmeranschlussleitungen anzumieten, werden die Wettbewerber die Leistungen einfach per Resale beziehen“, kritisierte der Regulierungsexperte der Telekom. Theoretisch kann Resale von Telekom-Leistungen von jedermann ohne weitere Eigenleistung erbracht werden. „In den EU-Ländern, wo eine Verpflichtung zum Resale besteht, sind nur wenige Teilnehmeranschlüsse durch Wettbewerber angemietet worden“, sagte der Telekom-Regulierungsexperte. „Ein in der EU allgemein akzeptiertes und praktiziertes Geschäftsmodell ist Resale aber nicht.

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