Fusion auf Hauptversammlung gebilligt
Mobilcom-Aktionäre sagen Ja zu Freenet

Die Aktionäre des Mobilfunkdienstleisters Mobilcom haben die Fusion mit der Internet-Tochter Freenet mit überwältigender Mehrheit beschlossen. Jetzt sind die Freenet-Aktionäre am Zug. Auch diese Hauptversammlung dürfte turbulent werden.

HB HAMBURG. Mehr als 99 Prozent hätten für die Verschmelzung gestimmt, sagte ein Mobilcom-Sprecher am späten Mittwochabend in Hamburg. Vorangegangen war ein zweitägiger Redemarathon auf der Hauptversammlung, der Dienstags und Mittwochs jeweils bis nach 22 Uhr andauerte. An der Abstimmung hatten sich 52 Prozent des Grundkapitals beteiligt. Das Bundeskartellamt hatte dem Zusammenschluss bereits am Dienstag zugestimmt.

Vom Tisch ist auch eine mögliche Klage von Mobilcom gegen den früheren Großaktionär France Télécom. Die Anteilseigener sprachen sich mit 73 Prozent gegen eine Prüfung von juristischen Schritten aus. Mobilcom wollte France Télécom ursprünglich verklagen, da die Pariser für den Aufbau des UMTS-Netzes von Mobilcom vor einigen Jahren die finanziellen Mittel gekappt hatten. Dadurch geriet Mobilcom an den Rand der Insolvenz. Nur mit einer millionenschweren Finanzhilfe der EU konnte die Firma vor dem Aus gerettet werden.

Mobilcom und Freenet sollen zunächst zur Telunico Holding verschmolzen werden, die später in „Mobilcom-Freenet AG“ umbenannt wird. Freenet-Aktionäre sollen 1,15 Telunico-Aktien erhalten, Mobilcom-Aktionäre eine Telunico-Aktie je Anteil. Mobilcom will durch die Übernahme von Freenet zum größten Telekom-Komplettanbieter nach der Deutschen Telekom aufsteigen.

Streitpunkt während des zweitägigen Diskussionsmarathons war die Rolle des neuen Großaktionärs, des US-Finanzinvestors Texas Pacific Group (TPG). Besonders die Mitarbeiter von Mobilcom und Freenet befürchten, dass TPG die durch den Zusammenschluss aufgedeckten stillen Reserven von bis zu einer Milliarde Euro zumindest teilweise ausgeschüttet haben will. Das würde den Konzern auszehren, warnten die Beschäftigten, die sich Sorgen um ihre Arbeitspläze machen.

Aktionäre von Mobilcom kritisierten ferner, dass das Unternehmen auf die milliardenschweren Schadensersatzansprüche gegen den früheren Großaktionär France Télécom von sich aus verzichtet hatte. Ein Aktionär sprach vor der entscheidenden Abstimmung über diesen Punkt von "ungeheuerlichen Machenschaften". Er vermutete, dass Texas Pacific die Anteile von Télécom nur unter der Bedingung erwerben konnte, dass weder der US-Investor noch Mobilcom Schadensersatzansprüche verfolgen. TPG hatte auf der Hauptversammlung beantragt, dass Mobilcom auf Schadensersatz verzichtet.

Die Freenet-Eigner werden auf einer für den heutigen Donnerstag angesetzten Hauptversammlung über die Verschmelzung mit Mobilcom abstimmen. Auch diese Aktionärsversammlung ist auf zwei Tage angesetzt.

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