Fusion mit der Telekom
Aktionäre wollen T-Online verklagen

Der Internet-Anbieter T-Online muss sich im Rahmen der geplanten Verschmelzung mit dem Mutterkonzern Deutsche Telekom auf Anfechtungsklagen seiner Kleinaktionäre einstellen.

HB HANNOVER. "Es wird wohl Anfechtungsklagen geben", sagte Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) am Donnerstag am Rande der T-Online-Hauptversammlung. Er habe dahingehend Signale erhalten. Aktionäre hätten nach der Abstimmung über die Fusion vier Wochen Zeit, Klage einzureichen. Die SdK selbst habe darüber noch nicht entschieden, sagte Labryga. Da die Telekom über 90 % der Aktien von T-Online verfügt, gilt die Zustimmung der Hauptversammlung zu der Reintegration als sicher. Die Abstimmung wurde am späten Donnerstagabend auf Freitag vertagt.

Die Telekom bietet den Aktionären, die das Barangebot von 8,99 Euro je Aktie nicht angenommen haben, 0,52 Telekom-Aktien für je eine T-Online-Aktie. Nach Ansicht der Aktionäre gehen sowohl das Barangebot als auch das Umtauschverhältnis eindeutig zu Lasten der Kleinanleger.

Der Vorstandschef von T-Online, Rainer Beaujean, hatte auf der Hauptversammlung eindringlich für die umstrittene Eingliederung geworben. "Wir bleiben als Schnellboot im Konzern erhalten", sagte Beaujean. Die Angebote von Festnetzbetreibern und Internet-Anbietern ergänzten sich immer stärker. Zugleich steige die Nachfrage nach Breitbandprodukten. "Aus diesen Beobachtungen heraus sind wir überzeugt, dass eine integrierte Strategie für beide Unternehmen erhebliche Vorteile bringt“, sagte Beaujean.

Bei den Kleinaktionären konnte Beaujean damit kaum punkten. Hans Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte, beim Börsengang von T-Online vor fünf Jahren hätten sich die Aktionäre an einem Unternehmen beteiligen wollen, das ausschließlich im Internetbereich tätig sei. Mit der Rückführung werde ihnen nun die Möglichkeit genommen, ohne Verwässerungseffekte von der künftigen Aufwärtsentwicklung des Internetanbieters zu profitieren. Vielmehr müssten die Anleger unter dem Dach des Telekom-Konzerns zum Teil in rückläufige Aktivitäten wie das Festnetz investieren.

Sdk-Vertreter Labryga konterte das "Schnellboot"-Bild des T-Online-Chefs mit der Bemerkung, mit der geplanten Reintegration stiegen die Aktionäre auf den "Bummeldampfer" Deutsche Telekom um. Angesichts des Ausgabepreises von 27 Euro beim Gang an den Kapitalmarkt seien das vorgeschaltete Rückkaufangebot von 8,99 Euro und das Umtauschverhältnis von eins zu 0,52 unangemessen. Statt des gewählten Vorgehens wäre es fairer gewesen, einen Gewinnabführungs- und Verschmelzungsvertrag mit T-Online abzuschließen, sagte Labryga. Dann hätte den Aktionären der bei der Unternehmensbewertung ermittelte Aktienkurs von 14,71 Euro gezahlt werden müssen.

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