Fusion mit Deutscher Telekom
Kleinaktionäre beantragen Sonderprüfung bei T-Online

Gegner der Fusion von T-Online und Deutscher Telekom wollen eine Sonderprüfung zur geplanten Eingliederung in die Konzernmutter gerichtlich erzwingen.

HB FRANKFURT. Die Kanzlei Dreier Riedel Rechtsanwälte teilte am Freitag mit, einen Sonderprüfungsantrag für einen T-Online-Aktionär beim Landgericht Frankfurt gestellt zu haben. Die Sonderprüfung solle klären, ob der T-Online-Vorstand zusammen mit der Telekom den eigenen Aktienkurs absichtlich nach unten gedrückt habe, um die Verschmelzung möglichst kostengünstig zu machen. Ein Gutachten habe gezeigt, dass die außen stehenden Aktionäre um mindestens 155 Mill. Euro geprellt worden seien. T-Online war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Beim Börsengang von T-Online zahlten die Aktionäre 27 Euro pro Papier. Als Abfindung bot ihnen die Telekom 8,99 Euro in bar oder 0,52 Telekom-Aktien an, was derzeit weniger als sieben Euro ausmacht. Anwalt Peter Dreier kritisierte, der T-Online-Vorstand habe während des freiwilligen Übernahmeangebots eine deutlich zu geringe Umtauschspanne - 0,45 bis 0,55 Euro - veröffentlicht, damit den T-Online-Kurs gedrückt und ihn an den Kurs der Telekom Kurs gekoppelt. Angemessen wäre ein Verschmelzungsverhältnis von mindestens 0,61 Euro gewesen.

Die Sonderprüfer sollen nach dem Willen der Anwälte auch den Vorwurf klären, dass T-Online mit Rücksicht auf das Festnetzgeschäft der Telekom verspätet in die Internet-Telefonie (VoIP) eingestiegen sei. Unverständlich sei auch, warum T-Online die Erlöse aus dem Börsengang nicht in das eigene Geschäft investierte, sondern stattdessen mehr als vier Mrd. Euro an die Telekom verlieh. Die Kanzlei behalte sich vor, abhängig vom Ergebnis der Prüfung Schadensersatz zu verlangen.

Der Großaktionär Telekom hatte den Antrag auf Sonderprüfung auf der Hauptversammlung abgeschmettert. Gegen die Zustimmung zur Eingliederung im vergangenen Jahr hatten sich Aktionäre mit Anfechtungsklagen vor dem Landgericht Darmstadt gewehrt, die im Herbst verhandelt werden sollen. Eine baldige Entscheidung wird vom Bundesgerichtshof erwartet. Bei ihm waren Rechtsbeschwerden von Aktionären gegen die von T-Online erreichte Erlaubnis zum vorzeitigen Vollzug der Fusion eingegangen.

Telekom und T-Online hatten die geplante Integration stets verteidigt. Nur so könnte die Telekom Produkte aus einer Hand anbieten, damit dem Verlust klassischer Festnetzanschlüsse Einhalt gebieten und das Kundenwachstum beim schnellen Internet (DSL) forcieren, hatte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke jüngst gesagt.

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