Gruner + Jahr treibt angesichts der schwierigen Situation auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt die Expansion im Ausland voran. Doch der Zeitschriftenkonzern musste bei seinen Auslandsengagements mehrere Niederlagen einstecken.
DÜSSELDORF. Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“) treibt angesichts der schwierigen Situation auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt die Expansion im Ausland voran. „Wir werden sowohl bei den Erlösen als auch bei den Erträgen zulegen“, sagte Torsten-Jörn Klein, Vorstand für das internationale Zeitschriftengeschäft, dem Handelsblatt. In diesem Jahr soll der Auslandsumsatz auf annähernd 400 Mill. Euro steigen. Für das nächste Jahr hat sich Klein 450 Mill. auf die Fahne geschrieben.
Doch die Eroberung neuer Märkte ist nicht immer leicht. Nach langwierigen Verhandlungen scheiterte G + J mit einem Zukauf in Mexiko. Auch in China kommt der Konzern nur langsam voran. In der Vergangenheit musste dort sogar das unrentable Wirtschaftsmagazin „Inc.“ eingestellt werden. Die Ergebnisse insgesamt sind nach Aussagen von Insidern bisher ausgesprochen enttäuschend. Das soll sich aber ändern. Branchenkreise berichten, dass die Bertelsmann-Tochter dort gerade über einen Zukauf verhandelt.Größter Problemfall für G + J außerhalb Deutschlands sind derzeit die verlustreiche Zeitschriften der Stuttgarter Motor-Presse („Auto, Motor, Sport“). „Da müssen wir ran“, sagt Klein. Wann die 40 Zeitschriften, die in Osteuropa erscheinen, tatsächlich schwarze Zahlen abliefern, mochte der Verlagsmanager nicht vorhersagen.
Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten Axel Springer und Burda erzielte der Hamburger Verlagskonzern bereits 2004 zwei Drittel seines Geschäfts auf dem internationalen Markt. Bei Springer beträgt der Auslandsanteil nur 15,6 Prozent. Nach Angaben einer Sprecherin verfolgt Springer derzeit eine „opportunistische Wachstumsstrategie“. Es gebe keine festen Ziele mehr. Früher wollte Andreas Wiele, Vorstand für Zeitschriften und Internationales, einen Anteil von 30 Prozent erzielen.
Auch der Konkurrent Verlagsgruppe Heinrich Bauer („Bravo“) wächst nur dank steigender Auslandserlöse. „Auch wenn sich bei den Publikumszeitschriften in diesem Jahr ein leicht positiver Trend abzeichnet, sind die Herausforderungen nicht geringer geworden“, sagte Verleger Heinz Bauer gestern. Angesichts guter Auslandsgeschäfte zeigte sich Bauer aber insgesamt zufrieden mit der Ertragssituation.
Klein, der mit Ausnahme Frankreichs für das Auslandsgeschäft bei Europas größtem Zeitschriftenkonzern zuständig ist, spielt für das Ergebnis von Gruner + Jahr eine Schlüsselrolle. Bereits in diesem Jahr wird der frühere Geschäftsführer der „Berliner Zeitung“ und Ziehsohn von G+J-Chef Bernd Kundrun eine Umsatzrendite im oberen einstelligen Bereich abliefern. 2006 soll sie sogar zweistellig sein.
G+J braucht dringend neues Wachstum. Im vergangenen Jahr ging der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern auf 215 Mill. Euro zurück. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 238 Mill. gewesen. G + J musste bei seiner Auslandsexpansion auch Niederlagen einstecken. In den USA erlebten die Hamburger zuletzt ein Debakel. Nach Skandalen um gefälschte Auflagen und nach Management-Problemen verkauften sie im Sommer für knapp 300 Mill. Euro ihr US-Zeitschriftengeschäft.
Trotz der bitteren Niederlage in den USA herrscht bei G + J im internationalen Geschäft Gründerstimmung. Im Mittelpunkt der Expansion stehen derzeit Südosteuropa, Lateinamerika und Asien. „Wir haben seit meinem Amtsantritt vor zwei Jahren bereits 29 Titel gegründet, die alle gut laufen“, sagt Klein. Die Wachstumsstrategie hat zwei Stoßrichtungen: neue Märkte und weitere Zukäufe. Klein stehen bis zu 20 Mill. Euro jährlich für Aquisitionen zur Verfügung. Erst kürzlich hat der Konzern in Griechenland dazu gekauft: Er erwarb für knapp 20 Mill. Euro 50 Prozent an Daphne Communications, mit elf Zeitschriften einer der großen Verlage in Griechenland.
AUF DER SUCHE NACH DEM VERLORENEN WACHSTUM
Hoffnung
Die Zeitschriftenverleger in Deutschland erwartet eine leichte Erholung der Werbekonjunktur. Der Verband deutscher Zeitschriftenverleger sprach zuletzt von einem Zuwachs der Werbeeinnahmen von zwei Prozent. Doch in der Vergangenheit haben sich die Prognosen bisweilen als zu optimistisch erwiesen.
Versprechen
Gruner + Jahr, Europas größter Zeitschriftenverlag, verbuchte im vergangenen Jahr einen leichten Rückgang des Umsatzes auf 2,4 Mrd. Euro. Die Hamburger versprechen bis 2010 Erlöse von rund 3,5 Mrd. Euro. Die Umsatzrendite der Bertelsmann-Tochter soll über zehn Prozent liegen.
Kurs
G+J fährt im Ausland einen scharfen Wachstumskurs. Bleiben die Ergebnisse der einzelnen Ländern hinter den Planungen zurück, tauscht Auslandsvorstand Torsten-Jörn Klein (Foto) das Management aus. In Österreich etwa wurde der langjährige Chef Rudi Klausnitzer durch G+J-Manager Oliver Vogt ersetzt.

