
KölnGranaten explodieren, Gewehre rattern, imperiale Sturmtruppen marschieren im Gleichschritt durch die Ausstellungshallen: Auf der Kölner Messe ist gestern kein Krieg ausgebrochen, sondern die Gamescom. Auf der weltgrößten Messe für Computer- und Videospiele feuern die Hersteller auch in diesem Jahr aus allen Marketing-Rohren: Vor dem Stand von Electronic Arts (EA) parkt sogar ein Kampfjet, der das Publikum für den neuesten Battlefield-Teil begeistern soll: Um „Call of Duty“ vom Erzrivalen Activision auszustechen, investiert EA die stolze Summe von 100 Millionen Dollar.
Die Gamescom zeigt, dass auch Deutschland längst ein bedeutender Markt für die Spielebranche geworden ist: Hierzulande wurden im letzten Jahr 1,86 Milliarden Euro für Computer- und Videospielsoftware ausgegeben. „Gaming ist längst kein Nischenphänomen mehr, sondern eine Massenbewegung“, sagt Ralph Haupter vom Branchenverband Bitkom. Die meisten Aussteller kommen zwar aus dem Ausland, doch deutsche Firmen sind auf Wachstumskurs. Denn sie verdienen ihr Geld vor allem mit Online- und Social-Games – und die werden immer beliebter.
Geld verdient die Spieleindustrie in Zukunft vor allem im Internet. Der Trend Online-Gaming geht mit allerlei Fachbegriffen und Modewörtern einher - wir erklären die Wichtigsten.
Als Browsergames werden Spiele bezeichnet, die direkt im Internetbrowser spielbar sind. Für bestimmte Browsergames muss allerdings einmalig ein sogenannter Plug-In wie Flash installiert werden. Der neue HTML-Standard HTML5 macht derartige Spiele auch ohne Plug-In möglich.
Bei vielen Arbeitgebern dürften Browsergames nicht besonders beliebt sein. Als Google am 23. Mai 2010 sein Startseiten-Logo in eine spielbare Version des Games „Pac Man“ verwandelte, verweilten die Nutzer im Durchschnitt gut 36 Sekunden länger auf der Seite. Daraus errechnete Google eine „verlorene Arbeitszeit“ von fast fünf Millionen Stunden.
Sowohl Casual als auch Social Games wie Farmville und MMOs werden häufig in Form von Browsergames angeboten.
Hier lädt sich der Nutzer ein Programm (umgangssprachlich App genannt) auf sein Smartphone oder auf den Tablet-PC, um spielen zu können. Der stärkere Wettbewerb bei den Smartphone-Betriebssystemen kurbelt auch die App-Branche an.
Die mobilen Spiele werden zunehmend kostenlos zum Download angeboten. Oft sind das aber nur Appetithappen. Wer alle Level spielen will, muss die Vollversion kaufen. Die Deutschen gaben im ersten Halbjahr 2010 gut 15 Millionen Euro für Spiele-Apps aus. Besonders beliebt: „Angry Birds“ von der finnischen Firma Rovio. Die zornigen Vögel sind bereits auf über 250 Millionen Smartphones gelandet.
MMO (auch MMOG) steht für Massively Multiplayer Online Game. Die erfolgreichste MMO-Unterkategorie sind die MMORPGs - Multiplayer-Rollenspiele wie „World of Warcraft“. Bei typischen MMOs spielen sehr viele Spieler über das Internet in einer „Spielewelt“. Diese virtuelle Welt wird von den Spielern ständig verändert, die oft enge Beziehungen untereinander unterhalten und sich typischerweise in Gruppen, oft „Clans“ oder „Gilden“ genannt, zusammenschließen.
MMOs sind entweder Browsergames oder clientbasiert, was bedeutet, dass ein Programm (Client) auf dem Computer installiert werden muss – dafür steigt dann auch die Spielqualität. Weltmarktführer bei MMOs ist seit vielen Jahren „World of Warcraft“ das von der US-Firma Activision Blizzard vertrieben wird.
Hinter diesem Modebegriff verbergen sich simple Spiele für Millionen: leicht zu spielen, mit schnellen Erfolgserlebnissen und kooperativen Elementen. Oft sind es Denk- und Ratespiele, aufgehängt an bekannten Marken wie etwa „Wer wird Millionär“.
Die allermeisten Casual Games erfordern keine besondere Hardware, laufen also auch auf alten Rechnern oder Handys und sind kostenfrei spielbar. Typischerweise bezahlt ein gewisser Anteil der Casual Gamer für den Download einer Premium-Version oder einen Premium-Zugang, so dass sich die Spiele insgesamt rechnen.
Als eines der ersten Casual Game gilt „Solitaire“, das schon in den 90ern millionenfach gespielt wurde. Im Online-Zeitalter sind Casual Games aber erst richtig populär geworden. Einen weiteren Schub erhielten sie durch das soziale Netzwerk Facebook.
Als Social Games werden Spiele bezeichnet, die überwiegend über Soziale Netzwerke gespielt werden. Die Idee: Wer sowieso schon mit seinen Freunden vernetzt und häufig online ist, will ab und zu vielleicht auch mit diesen oder gegen diese spielen. Dabei werden Pflanzen gepflegt, Tiere gehegt, Mafia-Kriege ausgefochten oder Städte geplant – die Vielfalt kennt keine Grenzen. Die Hemmschwelle ist zudem niedrig, da fast alle Spiele direkt im Browser funktionieren und kostenlos sind.
Geld verdienen Hersteller wie der klare Marktführer Zynga vor allem mit kostenpflichtigen Zusatzangeboten, sogenannten Items. Das kann ein neuer Traktor sein, ein Raumschiffantrieb, eine neue Frisur…
Allein unter den Facebook-Nutzern haben wohl über 300 Millionen schon einmal ein Social Game gespielt. Genauso schnell wie Dutzende Millionen von Nutzern für Spiele wie Farmville, Mafiawars oder Cityville gewonnen werden, lässt oft die Aufmerksamkeit auch wieder nach. Im Juni 2010 wurde die Zahl der Spieler mit 70 Millionen angegeben, ein Jahr später waren es noch etwa 38 Millionen.
VIele der Social Games sind gleichzeitig auch Casual Games, da sie wenig komplex sind.
Das Zauberwort der Branche heißt Free-to-play: Die Anmeldung für Spiele wie „Drakensang Online“ oder „OGame“ ist kostenlos, grundlegende Funktionen stehen allen Spielern zur Verfügung. Doch besonders begehrte Gegenstände, sogenannte Items, können die Spieler nur gegen Geld erwerben.
Der Umsatz durch solche virtuelle Kleidung, Schwerter und Raumschiffzubehör stieg im ersten Halbjahr um 30 Prozent, schätzt der Bundesverband interaktive Unterhaltungssoftware. „Typischerweise sind ungefähr 10 Prozent der Spieler bereit für erweiterte Spielinhalte zu zahlen“, sagt Christoph Jennen, Chief Financial Officer der Gameforge AG.
Mit konkreten Zahlen hält man sich in der Branche bedeckt. Klar ist jedenfalls: Durch den Handel mit virtuellen Gegenständen lässt sich prächtig verdienen. In Unternehmenskreisen heißt es, dass treue Nutzer in Deutschland zwischen zehn und 25 Euro pro Monat für ihre Items zahlen.