Gastbeitrag
Die Reißbrett-Lösung

Springer will Pro Sieben von Sat 1 abspalten, um die verbliebene Fernsehsender-Gruppe kaufen zu dürfen. Doch was sich simpel anhört, ist schier unmöglich. Ein Ex-Vorstand beider Unternehmen erläutert exklusiv im Handelsblatt, warum das so ist und wer von einer Scheidung als einziger profitieren würde. Claus Larass war früher als Vorstand bei der Axel Springer AG und bei Pro Sieben Sat 1 tätig und ist heute Medienberater.

DÜSSELDORF. Ach, hätten doch die Manager des Springer-Konzerns dieses unscheinbare Wort „kategorisch“ vermieden. Mit diesem absoluten Nein stemmten sie sich bis vor wenigen Tagen gegen den Verkauf eines der Sender der Pro-Sieben-Gruppe, wie es das Kartellamt forderte. Plötzlich ist alles anders. Springer will den Sender Pro Sieben herausschneiden, separat verkaufen und sich mit dem Rest der Gruppe begnügen. Macht der schnelle Wechsel mitten in der Schlacht Sinn? Oder ist es nur der letzte Schuss vor dem Rückzug?

Könnte man eine TV-Gruppe neu auf dem Reißbrett entwerfen, wäre die neue Lösung gar nicht so abwegig. Die Münchener TV-Gruppe litt immer unter der Doppelspitze von zwei starken Sendern. Pro Sieben brachte den Gewinn, war aber als Abspielsender für Filme und Serien wegen seiner Struktur nicht flexibel genug, um wirklich eine Gefahr für die RTL-Konkurrenz zu werden. Sat 1 wiederum hatte immer das breitere Potenzial, konnte schneller auf Trends reagieren, war geeigneter als Live-Sender für große Shows oder Sportsendungen.

Beide Sender behinderten sich in ihrer Entfaltung, bei einer Trennung könnten sie sich besser entwickeln, müssten nicht mehr Rücksicht auf den anderen nehmen. Sat 1 hätte zudem mit Kabel 1 und dem Nachrichtensender N 24 eine ähnlich schlagkräftige Struktur wie die deutsche RTL-Gruppe.

So weit die Theorie. In der Praxis ist es aber einfacher, eine Pipeline über die Anden zu legen, als zwei große Konzerne zu fusionieren. Und nun soll eine noch nicht einmal vollzogene Fusion in Teilen wieder rückgängig gemacht werden. Für Scharen von Juristen und Wirtschaftsprüfern brächen goldene Zeiten an.

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