Gastkommentar: Windows Phone – noch wenige Anschlüsse unter dieser Nummer

Gastkommentar
Die Großbaustelle Microsoft

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Windows Phone – noch wenige Anschlüsse unter dieser Nummer


Als Steve Ballmer im Februar 2010 auf dem Mobile World Congress die neue Generation der Windows Phones, die „Windows Phone 7 Series“ vorstellte, war die Welt noch in Ordnung. Die Plattform packt Internet, Anwendungen und Inhalte in sechs thematische Bereiche, sogenannte Hubs. Microsoft setzte auf die „Privatanwender“ und konzentrierte sich anfangs stark auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe. Wer nach bestimmten nützlichen Business-Funktionen fragte, wurde auf spätere Updates verwiesen. Dies war umso erstaunlicher, da das Vorgänger-Betriebssystem Windows Mobile 6.5 eine deutlich größere Bedeutung im Geschäftskunden-Segment als im Privatkunden-Markt besaß. Microsoft orientierte sich bei dieser Strategie an Apples iPhone, das von vielen Nutzern auch beruflich genutzt wird und so quasi durch die Hintertür vom Prestige-Gadget zu einem Arbeitsgerät wurde. Aber dieses Kalkül ging bisher nicht auf. Im Gegenteil: Nicht nur, dass Privatkunden sich bislang nicht so recht für Windows Phone 7 erwärmen konnten, nun fühlten sich auch bislang treue Firmenkunden durch Rückschritte bei Business-relevanten Features wie Verschlüsselungstechnologien enttäuscht. Die Folge ist ein geringer Marktanteil..

Hoffnungsträger sind insbesondere die neue Ausbaustufe des Betriebssystems und ausgerechnet Nokia, der größte Verlierer im Mobilfunkmarkt. So ging der Herausforderer Microsoft mit dem Absteiger Nokia einen Pakt ein, der für Nokia überlebensnotwendig und für den US-Konzern zentraler Bestandteil einer übergeordneten Strategie ist.

Nokia wird als Betriebssystem für seine Smartphones künftig hauptsächlich die Neuentwicklung von Windows Phone aus dem Hause Microsoft einsetzen. Diese Entwicklungen sind erst der Anfang, und Nokia ist dabei nur ein prominentes Beispiel für den Niedergang der europäischen Mobilfunkindustrie, die der eindeutige Verlierer der rasanten Entwicklungen in der Branche ist. Vor gerade einmal fünf Jahren besaßen europäische Unternehmen eine Führungsrolle. Heute wird die Software in Nordamerika entwickelt, die Hardware kommt überwiegend aus Asien. Produziert wird vornehmlich in asiatischen Billiglohnländern. Europa ist nur noch der Absatzmarkt.

Für Microsoft ist die Kooperation mit Nokia und das Geschäft mit mobilen Betriebssystemen ein zentraler Puzzlestein in einer übergeordneten Strategie im Besonderen. Microsoft verfolgt eine „Multiscreen-Strategie“ und will mit seinen Plattformen auf unterschiedlichen „Bildschirmen“ wie PCs, Smartphones, Tablets und TV – präsent sein. Diese Plattformen bilden die Schnittstelle zum Anwender, binden Partner und sind Grundlage für weitere Umsätze bei den strategisch wichtigen Cloud Services, der Display-Werbung und im noch immer schwächelnden Suchgeschäft.

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