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17.01.2007 
Suchmaschinenmarkt

Gegen Google kommt keiner an

Microsoft ist mit seinem Angriff auf die Suchmaschine Google gescheitert. Trotz milliardenschwerer Investitionen in sein Online-Portal MSN verliert der Softwareriese im wichtigsten Markt USA weiter an Boden. Aufgeben kommt für die erfolgsverwöhnte Microsoft aber nicht in Frage – ein Kampf gegen Windmühlen.

Google beherrscht mit seiner Technik den Suchmaschinen-Markt. Foto: dpaLupe

Google beherrscht mit seiner Technik den Suchmaschinen-Markt. Foto: dpa

jkn/kol DÜSSELDORF. Nach Berechnungen der führenden Internet-Marktforschungsfirma comScore Networks sank der Anteil von MSN an den Suchanfragen in den USA im Dezember um 0,5 Prozentpunkte auf 10,5 Prozent. Zugleich steigerte Google seinen Anteil um 0,4 Prozentpunkte auf 47,3 Prozent. Damit hat Google in 16 der 17 vergangenen Monate seinen Anteil erhöht.

Der US-Suchmarkt ist der größte weltweit – und er wächst weiter rasant. Im Dezember stellten amerikanische Internetnutzer insgesamt 6,7 Mrd. Anfragen. Dies bedeutet einen Anstieg um 30 Prozent zum Vorjahreszeitraum.

Vor gut einem halben Jahr hatte Microsoft angekündigt, rund 1,6 Mrd. Dollar in die Internetsparte zu investieren, und einen neuen Top-Manager für dieses Geschäft von der Konkurrenz abgeworben. Der ehemalige Chef der Internetsuchmaschine Ask Jeeves, Steve Berkowitz, sollte Microsofts neue Offensive führen. „Alles, was mit der Suche im Internet zu tun hat, werden wir anpacken“, hatte Microsoft-Gründer Bill Gates kurz zuvor die Richtung vorgegeben.

Doch die Offensive von Microsoft droht zu verpuffen. „Hat erst einmal eine Sogwirkung hin zu den Großen eingesetzt, kann man auch mit noch so viel Geld den Vorsprung nicht mehr wettmachen“, sagte Andreas Gentner, Partner und IT-Experte der Beratungsfirma Deloitte Consulting. Und Google dominiert das Suchgeschäft weltweit. In Deutschland beispielsweise erreicht die US-Firma bei den Suchanfragen sogar einen Anteil von satten 86,5 Prozent.

Das Duo Google und Yahoo scheint nun auf Dauer den Markt zu beherrschen. So konnte auch Yahoo im Dezember in den USA Boden gutmachen und seinen Marktanteil um 0,3 Prozentpunkte auf 28,5 Prozent ausbauen. „Das Oligopol verfestigt sich“, sagte Gentner.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Microsoft lässt nicht locker.

Der Suchmaschinenmarkt ist wegen der lukrativen Werbeerlöse interessant. Analysten beziffern alleine den Werbeumsatz in den USA auf jährlich etwa 15 Mrd. Dollar. Die Suchmaschinenanbieter zeigen bei Suchanfragen passende und damit sehr zielgruppengenaue Werbung. Google-Chef Eric Schmidt sieht genau hier das Erfolgsrezept von Google.

Gerade die Abhängigkeit von den Werbeumsätzen könnte für viele kleinere Anbieter zum Problem werden. Angesichts der steigenden Reichweite von Google und Yahoo wird es für sie immer schwerer, die Anzeigen auf die eigene Seite zu holen. „Jeder Cent Werbeumsatz, den die Großen hinzugewinnen, verstärkt die Sogwirkung in ihre Richtung“, beschreibt Gentner die Situation.

Wie schwer sich Rivalen gegen Google tun, zeigt das genannte Beispiel Microsoft. Der Konzern investierte bereits mehrere hundert Millionen Dollar in die Internetsuche. Doch der Umsatz der Suchmaschinensparte MSN ist im vergangenen Geschäftsjahr von 2,34 auf 2,29 Mrd. Dollar gefallen. Zugleich rutschte der Bereich mit 77 Mill. Dollar in die Verlustzone, nach einem operativen Gewinn von 412 Mill. Dollar im Jahr zuvor.

Der Misserfolg hat laut Genter drei Gründe. Zum einen habe der Erste am Markt häufig einen Vorteil. Zudem besitze Google eine sehr ausgereifte Technik und entwickle ständig neue Features. „Zudem wird Microsoft nicht als Suchmaschinenanbieter wahrgenommen, und gerade die technikaffinen Nutzer, die den Erfolg zu Beginn ausmachen, gehen gerne zu einem neuen, unabhängigen Anbieter“, sagte Gentner.

Dennoch lässt Microsoft nicht locker. So hat der Konzern vor kurzem den neuen Suchdienst „Live Search“ gestartet. Dabei versucht Microsoft mit Ideen wie der Weitergabe von Suchkriterien an Freunde zu punkten. Doch die jüngsten Zahlen belegen, dass der Dienst bei den Kunden nicht so recht ankommt.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Neue Suchmaschinen.

Gleichzeitig ist es für neue Anbieter schwer, in dem Markt Fuß zu fassen. Zwar gibt es immer wieder Versuche, alternative Suchmaschinen am Markt zu etablieren. So plant der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales eine Alternative zu Google. Dabei sollen die Nutzer selbst über die Ergebnisse entscheiden, nicht eine Technologie. Doch bislang ist das Projekt erst in einer frühen Phase.

Auch die Politik, die mit wachsender Sorge auf die Dominanz von Google schaut, hat bisher keine Antwort gefunden. So wurde die deutsch-französische Zusammenarbeit beim Suchmaschinenprojekt Quaero vor wenigen Tagen zunächst beendet. „Hat die Sogwirkung hin zu den Großen erst einmal eingesetzt, kann man mit noch so viel Geld den Vorsprung nicht mehr wettmachen“, sagte Gentner. Nur wer sich gezielt Nischen suche, könne heute noch eine erfolgreiche Suchmaschine aufbauen.


Der Dominator

Ausgefeilte Technik: Google hat beizeiten den Markt für Suchmaschinen besetzt. Als Synonym für suchen im Internet hat sich längst „googeln“ etabliert. Der US-Konzern hat sich aber auch mit einer ausgefeilten Werbetechnologie einen Namen gemacht. Keiner gilt bei der zielgruppenspezifischen Platzierung von Anzeigen als so ausgebufft wie Google.

Echte Google-Fans: Ist schon der US-Marktanteil von Google beeindruckend, ist die Situation in Deutschland noch extremer. Hier entfallen 86,5 Prozent der Internetsuche auf Google. Der Nächstplatzierte, Yahoo, kommt auf bescheidene 3,5 Prozent.

Neue Geschäfte: Das Problem von Google ist die Abhängigkeit vom Suchgeschäft. Deshalb versucht sich die Firma mit neuen Geschäften wie dem „Vermieten“ von Büroprogrammen.

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